Abdel Sellou - Einfach Freunde, Die wahre Geschichte des Pflegers Driss aus „Ziemlich beste Freunde“ (Ullstein)

Abdel Sellou – Einfach Freunde, Die wahre Geschichte des Pflegers Driss aus „Ziemlich beste Freunde“ (Ullstein)

Der Kinofilm Ziemlich beste Freunde erzählte auf anrührende und trotzdem sehr humorvolle Weise die wahre Geschichte des (eher unfreiwilligen) Pflegers Abdel und des querschnittsgelähmten Millionärs Philippe. Abdel Yamin Sellou ist ein 1971 in Algerien geborener junger Mann, der allerdings im Alter von vier Jahren nach Paris kam. Als Jugendlicher geriet er auf die schiefe Bahn. Da er sich im Alter von zwanzig Jahren eine Arbeitsstelle suchen muss, gerät er zufällig an den sehr reichen Philippe di Borgo, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist, und einen Pfleger sucht. In der Hoffnung, dass dieser ihn wegen seiner kriminellen Vergangenheit nicht anstellen würde, bewirbt er sich auf diese Arbeit, und wird erstaunlicherweise wegen seiner eher lockeren, und im Umgang mit der Behinderung unverkrampften Art eingestellt. Schnell entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, in der beide Menschen neue Seiten an sich entdecken, und trotz der offensichtlichen Unterschiede Gemeinsamkeiten feststellen, die sie viele Vorurteile und Probleme überwinden lässt. Da ein Film, der primär auch noch als warmherzige Komödie funktionieren soll, nicht alle Aspekte solch einer Freundschaft und einer, ich nenne es mal Partnerschaft, wiedergeben kann, ist es erfreulich, dass nun bei Ullstein das Buch Einfach Freunde – Die wahre Geschichte des Pflegers Driss aus „Ziemlich beste Freunde“ erschienen ist, in dem Abdel Yasmin Sellou, der laut eigener Aussage in seinem ganzen Leben noch kein Buch gelesen hat, erstmalig die ganze Geschichte aus seiner Sicht erzählt.

Es wird schnell deutlich, dass beide Akteure mit der Verfilmung sehr zufrieden sind, es ihnen aber wichtig ist, auch die Seiten aufzuzeigen, die nicht im Film vorkamen. Der Autor erzählt dabei aus seinem Leben, und schildert dabei seine Kindheit und Jugend, zeigt, wie er sich für eine kriminelle Laufbahn entschied, aber auch seine Strafe erhielt. Man erfährt mehr über seinen ersten Kontakt zu Philippe di Borgo, erfährt viele Dinge aus dessen Familie, und auch hier werden Details geschildert, die im Film unpassend gewesen wären, wie etwa der tragische Krebstod seiner ersten Ehefrau.

Aber auch humorvolle Abschnitte, Schilderungen von gemeinsamen abenteuerlichen Erlebnissen und Ausflügen aber auch von Erfahrungen, die man gemeinsam macht, die ohne den jeweils anderen nicht möglich gewesen wären, und die beide Menschen immer enger zusammenschweißt. Dies wird ehrlich und angenehm unsentimental erzählt, und man merkt dem Buch in keiner Sekunde an, dass der Autor in seinem ganzen Leben weder übermäßig viel gelesen noch geschrieben hat, denn die Erzählungen sind zwar umgangssprachlich, aber fesselnd und lebendig beschrieben. Der Autor sieht das Buch als einen 250 Seiten langen Dankesbrief an Philippe, weswegen dieser es sich nicht nehmen ließ, und ein ebenfalls interessantes Nachwort verfasste.

Einfach Freunde ist ein warmherziges und gut lesbares Buch, welches eine herrliche Geschichte erzählt, die unglaublich spannend ist und dem Leser Aspekte zeigt, die einem Mut machen. Wer den Film mochte, wird das Buch lieben!

Christian Funke-Smolka