Adrian McKinty - Der katholische Bulle (Suhrkamp nova)

Adrian McKinty – Der katholische Bulle (Suhrkamp nova)

Der schmale Grat zwischen Verrat und Wahrheit

46450Belfast befindet sich im Ausnahmezustand. Detective Sergeant Sean Duffy ist neu in der Stadt, und gleich bei seinem ersten Fall – der Suche nach einem Serienkiller – muss er sich ins Zentrum des Terrors begeben.

Sean Duffy ist wahrscheinlich der einzige katholische Bulle in ganz Nordirland, denn es ist 1981, und »katholisch sein« steht vor allem für eins: IRA. Die Paramilitärs haben der Polizei den Krieg erklärt, nehmen sie, wo es nur geht, unter Beschuss, jagen Polizeiautos in die Luft. Ihnen gilt Duffy als Verräter. Doch auch unter den Kollegen in Carrickfergus, einem Vorort von Belfast, wohin er nach seiner Beförderung gerade erst versetzt wurde, muss sich der junge Polizist sein Ansehen erkämpfen. Entlang der Frontlinien ermittelt Duffy in zwei Mordfällen, hinter denen ein Serienkiller zu stecken scheint. Eines der Opfer stand in Verbindung mit den höchsten IRA-Kreisen, wo Duffy auf eine Mauer des Schweigens trifft, da jeder, der den Mund aufmacht, mit dem Schlimmsten rechnen muss …

Adrian McKinty, geboren 1968, wuchs in Carrickfergus in der Nähe von Belfast auf. An der Oxford University studierte er Philosophie, dann übersiedelte er nach New York. Sechs Jahre lebte und arbeitete er in Harlem, u. a. als Wachmann, Vertreter, Rugbytrainer, Buchhändler und Postbote. 2001 zog er nach Denver, seit 2008 wohnt er mit seiner Familie in Melbourne.

Meinung zum Buch:

Es gibt bessere Zeiten, einen Dienst anzufangen! Wir schreiben das Jahr 1981, befinden uns in Nordirland, welches sich gerade auf dem Höhepunkt seines Konflikts befindet. Die Hauptfigur ist der junge, gebildete jedoch dienstlich unerfahrene Detective Sergeant Sean Duffy, der zudem noch Katholik ist! Die IRA setzt in dieser brisanten Zeit Kopfgelder auf „katholische Bullen“ aus, die Nerven in dem protestantischen Viertel, in welchem sich Duffy zudem noch ein Haus gekauft hat, liegen blank. Es ist die Zeit der Autobomben und der politisch motivierten Hungerstreiks, als Duffy zu einem Mordfall gerufen wird. Ein Serientäter scheint Jagd auf Homosexuelle zu machen. Doch hat es in Belfast bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Serienmörder gegeben und steht Homosexualität noch unter Strafe. Keine guten Vorzeichen für unseren „katholischen Bullen“!

Die gebundene Ausgabe von Der katholische Bulle, dem fünften Roman des nordirischen Schriftstellers Adrian McKinty (er ist Autor der Dead-Trilogie, so wie dem Spin-Off „Ein letzter Job“) erscheint bei Suhrkamp nova (384 Seiten, €19,95) in einer ansprechenden Ausgabe mit einem gelungenen Cover-Motiv.

Adrian McKinty (© James Braund)

Adrian McKinty (© James Braund)

Der katholische Bulle ist der Beginn einer Trilogie um Detective Sergeant Sean Duffy, die im Original Anfang 2013 fortgesetzt und 2014 beendet werden soll. Man merkt dem Autor sein fundiertes politisches Wissen bezüglich des Nordirland-Konfliktes deutlich an, als Leser bedeutet dies, das man entweder ein paar grundlegende Informationen zu dieser Thematik haben, oder sich vorab etwas mit der Materie auseinandersetzen sollte, um die häufig verwendeten Abkürzungen verstehen zu können. Dem Autor gelingt ein nicht nur, ein gut lesbares, spannendes, sondern auch interessantes und intellektuell forderndes Buch, welches gerade denjenigen empfohlen werden kann, die gerne neben der fesselnden Lektüre inhaltlich etwas aus einer Geschichte mitnehmen wollen. Zudem kreiert er ein lebhaftes, authentisches Bild der 80’er Jahre durch die geschickte Verknüpfung fiktiver und historischer Geschehnisse, so das man sich als Leser kaum dem Sog, den die Story ausübt, entziehen kann! Politisch interessierte Leser, die gerne ein intelligentes wie spannendes Buch lesen, sei Der katholische Bulle von Adrian McKinty dringend ans Herz gelegt!

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Christian Funke-Smolka