Alex Adams - White Horse  (Piper)

Alex Adams – White Horse (Piper)

Eine Welt, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. Als die junge Zoe in ihrer Wohnung ein merkwürdiges Glasgefäß entdeckt, und dieses öffnet, bereitet sich eine Seuche aus, die 90% der Weltbevölkerung tötet. 5% der Menschen scheinen immun, die anderen werden zu Monstern.
Zoe, die durch die Seuche ihre gesamte Familie verliert und deren Lebenspartner spurlos verschwunden ist, macht sich trotz der ungewöhnlichen und grausamen Umstände auf den Weg, ihn zu suchen. Denn sie ist schwanger von Nick und glaubt nicht daran, dass er tot ist. Außerdem möchte sie dem Geheimnis der Seuche, deren Name „White Horse“ lautet, auf die Spur kommen. So macht sie sich auf ihre lange Reise, auf welcher sie spannende aber auch erschreckende Bekanntschaften schließt und vielen Gefahren trotzen muss.

Die Autorin Alexia Adams, oder Alex Adams, wie sie sich in der Kurzform nennen lässt, wurde 1973 in Auckland, Neuseeland geboren. Sie lebte in Australien und Griechenland, bevor sie nach Portland, Oregon auswanderte. Die Mutter einer kleinen Tochter veröffentlichte mit dem vorliegenden White Horse ihr Romandebüt, welches den beginn einer Trilogie darstellt und Mitte nächsten Jahres mit dem Folgeband Red Horse (derzeitiger Arbeitstitel) fortgesetzt werden soll.
White Horse ist in Deutschland bei Piper in einer wunderschön gestalteten broschierten Ausgabe mit einem ästhetischen, sehr düsteren Klapp-Cover erschienen (448 Seiten, €16,99) erschienen.

White Horse ist der Beginn einer Trilogie, die sich in einer inhaltlich ansprechenden, interessanten Form mit dem Weltuntergangsszenario auseinandersetzt.
Die durch eine Seuche beinahe komplett ausgerottete Menschheit versucht sich neu zu finden, geschildert wird dies aus Sicht der jungen, schwangeren Zoe, die uns ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt. Der Leser erfährt dabei Dinge aus der Vergangenheit und der Gegenwart, da die Autorin hier sprunghaft in den Zeiten hin- und herwechselt. Diese teils sehr kurzen, mit „Damals“ und „Jetzt“ gekennzeichneten Abschnitte sind tempo- und actionreich geschrieben und vom Stil leicht lesbar.

Alex Adams

White Horse ist eine interessante und spannende Story, die zeigt, was es anrichten kann, wenn man die „Büchse der Pandora“ öffnet und welche Folgen es für die Gesellschaft hat. Aufgeteilt in drei Teile erzählt das Buch seine in sich relativ abgeschlossene Geschichte, die jedoch noch genug offene Fragen und lose Enden übrig lässt, um sich als Leser auf die Fortsetzung zu freuen.

Man merkt der Autorin Alex Adams an einigen Stellen an, dass es sich um ein Debüt handelt. Die sprunghaften Wechsel in den Zeiten wirken manchmal etwas holprig, behindern aber zum Glück nicht (und das war zuerst meine Befürchtung) die Spannung und Atmosphäre. Stattdessen sorgt es eher für ein höheres Lesetempo, so dass man den Roman schnell, beinahe viel zu schnell ausgelesen hat.
Auch wenn die Geschichte in groben Zügen inhaltlich an „The Stand“ von Stephen King, oder in Ansätzen an „Der Untergang“ von Justin Cronin erinnert, kann es aus meiner Sicht nicht an die genannten Vergleiche heranreichen, da es, und hier muss ich wieder auf die teils sehr knappen Abschnitte verweisen, an der nötigen Epik fehlt. Die Autorin nimmt sich manchmal nicht die nötige Zeit für lange und ausschweifende Beschreibungen, sondern lässt ihre interessante und starke Protagonistin, die sie zwar sehr lebensnah und realistisch darstellt, durch eine verrückte Welt voller geheimnisvoller und grausamer Weggefährten und Situationen ziehen, beschreibt hier aber immer nur das der Geschichte dienliche und notwendige.

Als Leser ist man von Beginn an direkt in der Geschichte, muss sich nicht mit langen Vorgeschichten aufhalten, sondern erfährt die Hintergründe nach und nach durch die Rückblicke. Wer also auf eine rasante, überaus spannend und lebendig beschriebene Weltuntergangsgeschichte mit abwechslungsreichen Charakteren abfährt, der wird mit White Horse von Alex Adams hervorragend unterhalten.

Christian Funke-Smolka