Alison Gaylin - Dornröschenschlaf  (Ullstein)

Alison Gaylin – Dornröschenschlaf (Ullstein)

Das Buch Dornröschenschlaf (Ullstein, 464 Seiten) von der amerikanischen Autorin Alison Gaylin handelt von der Privatdetektivin Brenna Spector. Diese hat eine besonders ungewöhnliche Erkrankung, nämlich das hyperthymestische Syndrom, welches bedeutet, dass sie, ohne dies steuern oder kontrollieren zu können, durch besondere Reize (wie zum Beispiel Gerüche, Worte oder Geräusche) an vergangene Situationen und Erlebnisse erinnert wird, und dies so klar und deutlich, als ob ihr das Erlebte erst kürzlich wiederfahren wäre. Dies jedoch ist Segen und Fluch, denn die genaue Erinnerung an Daten und Nummern mag in ihrem Bereich hilfreich sein, jedoch auch die negativen Dinge wie Schmerz und Trauer können so unverhofft aufkommen, dass es hinderlich ist und ihren Alltag sehr einschränkt.
Als Privatdetektivin hat sich Brenna und ihr Assistent Trent darauf spezialisiert, verschwundene Menschen aufzuspüren. Dies mag damit zusammenhängen, dass Brennas Schwester Clea verschwand, als sie noch ein Kind war, denn seitdem ist sie getrieben von dem Wunsch, diesen Fall zu klären.
Ihr neuer Fall treibt die Detektivin dabei an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
Carol Wentz fühlt sich verantwortlich für das Jahre zurückliegende Verschwinden der kleinen Iris, und beschäftigt sich seitdem damit. Als sie von Brenna und ihrem Spezialgebiet hört, möchte sie Kontakt zu ihr aufnehmen, verschwindet aber ebenfalls. Der Kontakt zu Brenna wird nun durch Carols Mann Nelson aufgebaut, der jedoch, als man die Leiche Carols findet, des Mordes an seiner Frau beschuldigt wird. Irgendwie scheinen aber alle Vorkommnisse eng mit dem lange zurückliegenden Verschwinden der kleinen Iris zusammenzuhängen, und schon bald kommt es zu weiteren Toten im beschaulichen Ort Tarry Ridge.

Alison Gaylin

Dornröschenschlaf ist der neuste Roman der Autorin Alison Gaylin, und wird der Start einer Reihe um die Privatdetektivin Brenna Spector sein.

Der Autorin gelingt mit Dornröschenschlaf ein rundum gelungener Krimi, der sich, anders als der Großteil der aktuellen Veröffentlichungen, weniger in der expliziten Beschreibung von Brutalitäten suhlt, sondern viel mehr auf einen zwar ruhigen aber abwechslungsreichen Handlungsaufbau, einen klaren und durchgehenden Spannungsbogen durch geschickt gesetzte Zeitsprünge und eine realistische Charakterisierung ihrer Figuren achtet. Ob dies die alleinerziehende, eigentlich sehr selbstsichere Brenna im Umgang mit ihrer pubertierenden Tochter ist, oder ihr Kontakt zum sie unterstützenden Detective des örtlichen Polizeireviers Nick Morasco, alles wirkt nachvollziehbar, ist gut und flüssig lesbar und macht Lust auf weitere Bücher über die Detektivin. Von mir deshalb eine klare Empfehlung!

Christian Funke-Smolka