Andreas Eschenbach: "NSA" (Lübbe)

Andreas Eschenbach: „NSA“ (Lübbe)

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet…

Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?

Andreas Eschbach, geboren am 15.09.1959 in Ulm, ist verheiratet, hat einen Sohn und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis 1996 war er geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma. Als Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung „für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs“ schrieb er seinen ersten Roman „Die Haarteppichknüpfer“, der 1995 erschien und für den er 1996 den „Literaturpreis des Science-Fiction-Clubs Deutschland“ erhielt. Bekannt wurde er vor allem durch den Thriller „Das Jesus-Video“ (1998), der im Jahr 1999 drei literarische Preise gewann und zum Taschenbuchbestseller wurde. ProSieben verfilmte den Roman, der erstmals im Dezember 2002 ausgestrahlt wurde und Rekordeinschaltquoten bescherte. Mit „Eine Billion Dollar“, „Der Nobelpreis“ und zuletzt „Ausgebrannt“ stieg er endgültig in die Riege der deutschen Top-Thriller-Autoren auf.

Nach über 25 Jahren in Stuttgart lebt Andreas Eschbach mit seiner Familie jetzt seit 2003 als freier Schriftsteller in der Bretagne.

© Lübbe & Olivier Favre

Meinung zur Veröffentlichung:

Wissen ist Macht
Und so etwas wie unwichtige Daten gibt es nicht!

Im Jahr 1851 gelang es Lord Charles Babbage, eine mit Dampf und Lochkarten betriebene „Analytische Maschine“ fertigzustellen. Seitdem hat die maschinelle Verarbeitung von Informationen rasche Fortschritte gemacht und damit den allgemeinen technischen Fortschritt massiv beschleunigt. Unter Kaiser Wilhelm II. entstand der erste Komputer. Ihm gelang es nur kurz darauf, mehrere davon in einem Netzwerk zusammenzuschalten. Man erkannte die dadurch möglicherweise entstehenden Gefahren und gründete das Kaiserliche Komputer-Kontrollamt. In der Weimarer Republik wurden die Aufgaben des Amtes neu geordnet, fortan hieß es Nationales Sicherheits-Amt, kurz NSA. Ziel war es nun, Datenströme im Weltnetz des Komputers und im Netz der beweglichen Telephonie dahingehend zu beobachten, ob sich eine Gefahr für Deutschland abzeichne.

Andreas Eschbach präsentiert in NSA eine fiktionale, alternative politische Geschichtsschreibung, die gut recherchiert und in ihrer Figurenzeichnung facettenreich ist und entsprechend sehr gut unterhält. Seine vor und während der Zeit des zweiten Weltkrieges spielende Geschichte enthält dabei so manche Anspielung auf aktuelle politische und gesellschaftliche Aspekte, die einen durchaus nachdenklich stimmt. Dabei erzählt er seine Geschichte anhand der Erlebnisse der Programmstrickerin Helene Bodenkamp, Tochter eines berühmten Arztes und Eugen Lettke, Sohn eines gefallenen Kriegshelden, dem seine geheime Leidenschaft, im Leben anderer Menschen zu schnüffeln als Grundlage für seine Arbeit im Nationalen Sicherheits-Amt dient. Der Leser lernt einen mehrere Jahre umspannenden Lebensabschnitt beider Figuren kennen und es ist erstaunlich, wie schnell man dank der sehr detaillierten und in sich stimmigen Erzählung man den Aspekt akzeptiert, dass die Bevölkerung der frühen 1940er Jahre mit Handys, EC-Karten und Computern hantieren. Hierbei wird schnell deutlich, dass sich der Kniff der alternativen Geschichtsschreibung nur als Grundidee entpuppt, um die Geschichte in ihrer vorliegenden Form erzählen zu können und gleichzeitig auf die Gefahren der Möglichkeit einer lückenlosen Überwachung hinzuweisen. Denn bis auf den Punkt des Weltkrieges mit seinen Gefahren und materiellen Einschränkungen ist die Gesellschaft und ihr Umgang miteinander ähnlich der unsrigen. Eschbach gelingt mit seinem neuen Roman ein cleverer Geniestreich, der einen von der ersten Seite an fesselt und sich zu einem echten Pageturner entwickelt!

NSA erscheint als Originalausgabe als gebundenes Hardcover mit Lesezeichenband (796 Seiten, €22,90), E-Book und Hörbuch bei Lübbe.

NSA ist ein intelligent aufgebauter, komplexer und sehr unkonventioneller Polit- und Gesellschaftsroman, der einen zum Nachdenken anregt und gleichzeitig extrem spannend unterhält! Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung!

Christian Funke