Andreas Winkelmann - Deathbook (Wunderlich)

Andreas Winkelmann – Deathbook (Wunderlich)

Auf den Gleisen liegt ein Mädchen. Das jämmerliche Kreischen von Metall auf Metall. Ein zerstörter Körper. Unmengen an Blut. Ein Selbstmord?

CoverDie 15-jährige Kathi war Andreas Winkelmanns Lieblingsnichte. Der Thrillerautor kann nicht glauben, dass sich das lebenslustige Mädchen das Leben genommen hat, und macht sich auf die Suche nach Hinweisen.
Auf ihrem Computer findet er seltsame Videos. Videos, die zeigen, dass Kathi verfolgt wurde. Die Spur führt immer tiefer ins Netz hinein, zu immer grausameren Videos. Worauf hat sich Kathi da eingelassen? Und in wessen Hände ist sie dabei geraten? Als Andreas Hinweise auf eine Webseite namens Deathbook entdeckt, ahnt er, dass Kathi ein tödliches Spiel gespielt hat – und dass sie nicht die Einzige war. Denn wer einmal in die Fänge des Deathbook geraten ist, den lässt es nicht mehr los…

„Deathbook“ erschien zuerst als digitaler, interaktiver Serien-Thriller in 10 Episoden. Diese gedruckte Ausgabe ist eine vom Autor ergänzte reine Textfassung, mit zahlreichen neuen Passagen. Hochspannung garantiert!

Andreas Winkelmann, geboren im Dezember 1968 in Niedersachsen, ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldesrand nahe Bremen.
Er studierte Sport in Saarbrücken, war vier Jahre Soldat und arbeitete unter anderem als Fitnesslehrer, Taxifahrer, Versicherungsfachmann und freier Redakteur, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete.
Seine Leidenschaft für unheimliche Geschichten entwickelte er bereits in jungen Jahren. Mit seinen Büchern „Blinder Instinkt“, „Bleicher Tod“ und „Wassermanns Zorn“ eroberte er die Bestsellerlisten.
Wenn er nicht gerade in menschliche Abgründe abtaucht, geht er einer weiteren Leidenschaft, dem Outdoorsport nach. Er überquerte bereits zweimal zu Fuß die Alpen, steigt dort auf die höchsten Berge und tiefsten Canyons oder fischt und jagt mit Pfeil und Bogen in der Wildnis Kanadas.

Meinung zum Buch:

Dass Literatur andere Wege gehen kann, hat uns schon Anthony E. Zuiker mit „Level 26“ gezeigt. Einen ähnlichen Weg schlägt nun der deutsche Autor Andreas Winkelmann ein, der für seinen Roman Deathbook einen interessanten Inszenierungsweg konzipiert hat. Begonnen hat er seine Geschichte als auf zehn Teile ausgelegte Episodenerzählung in digitaler Form, wo er als Protagonist seiner Geschichte den Tod seiner Nichte versucht aufzuklären. Dabei begibt er sich im Rahmen seiner Recherche immer tiefer in die komplexe Welt des Internets und der sorglose aber auch gefährliche Umgang mit diesem. Denn wir befinden uns hier in einer Welt, in der nichts geheim bleibt, alles offen gelegt werden kann. Ein idealer Ort für böse Kräfte…

Andreas Winkelmann © by Gregor Middendorf

Andreas Winkelmann
© by Gregor Middendorf

Andreas Winkelmann hat hier ein interessantes und äußerst spannendes Projekt gewagt. Er schreibt über sich, natürlich in der entsprechenden, umgangssprachlich gehaltenen ich-Form und lässt sich selbst dabei einen wahren Horror-Trip durchlaufen. Sein Vorgehen in diesem Psycho-Thriller ist dabei realistisch dargestellt, nämlich oftmals laienhaft. Er verknüpft dabei geschickt die modernen Kommunikationsformen mit klassischen Genre-Zutaten, mischt diese mit eingefügten Links zu Handlungsunterstützenden Film-Clips und setzt dabei voll auf die Interaktion des Lesers. Dazu hat er die Print-Ausgabe von Deathbook vollständig überarbeitet, so dass diese eine komplett andere Erfahrung darstellt, als die digitale Version. Deathbook (448 Seiten, €14,95) erscheint bei Wunderlich als Klappenbroschur mit einem sehr düsteren, auf B-Movie-Horrorfilm getrimmten Titelbild.

Andreas Winkelmann gelingt mit Deathbook ein spannender und interessanter Roman, der einen großen Teil seines Reizes dadurch gewinnt, dass man ihn interaktiv nutzen kann und so eine viel engere Bindung an die Geschichte erhält. Zudem erhält man (vermeintliche) Einblicke in das Leben des Autors, was wiederum ein sowohl mutiger als auch interessanter Kniff des Autors ist. Ein packendes und wendungsreiches literarisches Experiment, was mich angenehm kurzweilig unterhalten hat.

Christian Funke-Smolka