Andrew Brown - Würde  (btb)

Andrew Brown – Würde (btb)

Es ist erstaunlich, dass aktuell eine große Zahl südafrikanischer Thriller in Deutschland veröffentlicht wird, die nahezu alle spannend sind und ein durchweg sehr hohes Niveau halten können. Hier vorliegend haben wir den Roman Würde (btb, 384 Seiten) von Autor Andrew Brown (Schlaf ein, mein Kind), der sich hier nahtlos einreihen kann.

Nach seinem Deutschlanddebüt Schlaf ein, mein Kind ist Würde nun sein neuer Roman und handelt von dem Strafverteidiger einer angesehenen Rechtsanwaltskanzlei in Kapstadt, Richard Calloway. Angewidert von dem Leben in der Vorstadtidylle, einer tristen Ehe mit seiner frustrierten Frau Amanda und den ewig nichtssagenden Dinnerparties ändert sich sein Leben, als er den Fall des wohlhabenden russischen Geschäftsmannes Stefan Svritsky annimmt, welcher es durch einen gut getarnten Drogen- und Waffenhandel so wie einem Prostituiertenring in ganz Afrika zu großem Reichtum gebracht hat. Svritsky soll einen Jungen überfahren haben, jedoch ist der einzige Augenzeuge verschwunden. Obwohl sein Mandant aufbrausend mit Hang zu Gewalttätigkeiten ist, übt er neben Abscheu und Ekel auch eine gewisse Faszination auf Calloway aus. Wissend von den kriminellen Energien seines Mandanten bringt dieser jedoch seiner Kanzlei eine Menge Geld.
Als Calloway auch noch die arme nigerianische Einwanderin Abaymi und ihre Familie kennenlernt und diese ihn um Hilfe bittet, gerät seine Welt komplett aus den Fugen. Schritt für Schritt bewegt er sich immer weiter in eine ihm unbekannte und gefährliche Welt, die ihn immer mehr in ihren gewalttätigen Bann zieht.

Andrew Brown

Andrew Brown, 1966 in Kapstadt geboren, war während der Apartheid unter anderem in der United Democratic Front aktiv, weswegen er mehrfach verhaftet wurde. Heute ist er als Anwalt am Cape High Court tätig, und nebenbei als Reservepolizist in den Straßen Kapstadts und in den Townships im Einsatz. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Man merkt deutlich, dass der Autor weiß, wovon er schreibt. Detailliert beschreibend in einer bildgewaltigen, beinahe lyrischen Sprache zeichnet er den Weg seines Protagonisten glaubhaft und nachvollziehbar. Beginnend als klassischer Gerichtsthriller wandert Würde immer weiter in Richtung eines gewalttätigen Dramas mit sozialpolitischem Hintergrund. Wissend von der Gewalt, der Korruption und dem komplexen, drastischen Kontrast zwischen Reichtum und Armut in der Gesellschaft Südafrikas zeigt Brown deutlich die Mechanismen der Ausbeutung auf und bezieht klar Stellung.
Ein galanter Dreh ist dabei der Perspektivenwechsel, den er durch die unterschiedliche Sicht auf die südafrikanische Verhältnisse in Form seiner zwei verschiedenen Protagonisten, dem Anwalt Calloway und der sehr armen Masseuse und Prostituierten Abaymi vollführt. Hier werden die jeweiligen Abhängigkeiten und die Bedürfnisse differenziert dargelegt.

Würde ist ein grandioser, die menschlichen Verhaltensweisen akkurat sezierender und entlarvender Roman, der seinen Autoren Andrew Brown in sprachlicher und inhaltlicher Höchstform zeigt. Ein eindringlicher und aufrüttelnder Roman, der sich nicht scheut, die essentiellen Fragen nach Würde und Gerechtigkeit zu stellen, dabei aber seine Story so spannend vorantreibt, dass man als Leser das Buch nicht zur Seite legen mag!

Christian Funke-Smolka