Antonio Hill: Der einzige Ausweg - Ein Barcelona-Krimi (suhrkamp)

Antonio Hill: Der einzige Ausweg – Ein Barcelona-Krimi (suhrkamp)

Verräter müssen sterben

CoverEine junge Frau wird von der U-Bahn erfasst, und Inspektor Salgado muss raus in die kalte Nacht von Barcelona: War es Selbstmord? Aber was bedeutet dann das einzige Foto auf ihrem Handy: die steifen Körper von drei erhängten Hunden?

Salgado macht sich an die Arbeit, auf seine eigene kompromisslose Art, die ihn in der Vergangenheit schon mehr gekostet hat, als ihm lieb sein kann. Er spricht mit den Kollegen des Opfers bei einem Kosmetikhersteller, doch ihre Chefin begegnet ihm ausweichend, und die jungen Kollegen kriegen kein gerades Wort heraus. Niemandem in dieser Firma ist zu trauen, und dann erfährt Salgado von einer weiteren Tragödie: Ein anderer Mitarbeiter hat sich eine Kugel in den Kopf gejagt – nachdem er seine Frau und seine kleine Tochter regelrecht hingerichtet hatte…

Antonio Hill, geboren 1966 in Barcelona, arbeitete nach dem Psychologiestudium als Übersetzer (u. a. Jonathan Safran Foer und A. L. Kennedy). Er lebt und arbeitet in Barcelona.

Meinung zum Buch:

Mit dem Roman Der einzige Ausweg (Suhrkamp, 390 Seiten, €9,99) präsentiert Autor Antonio Hill seinen zweiten Barcelona-Krimi um den argentinisch-stämmigen Inspektor Héctor Salgado. Hier hat dieser es mit dem vermeintlichen Suizid einer jungen Frau zu tun, die kurz vor ihrem Tod ein mysteriöses Foto auf ihrem Handy erhalten hat. Es zeigen sich schnell Parallelen zu einem weiteren Toten, der vor seinem Ableben seine ganze Familie hinrichtete. Beide scheinen ein düsteres Geheimnis zu haben. Aber auch auf privater Ebene hat der Ermittler alle Hände voll zu tun. Immer noch wird seine Ex-Frau Ruth vermisst, was sich nicht nur auf die Psyche des Inspektors auswirkt, sondern ihn auch um den Schlaf bringt.

Antonio Hill © Christiane von Enzberg

Antonio Hill
© Christiane von Enzberg

Antonio Hill gelingt hier mit seinem, zweiten Roman der Salgado-Reihe ein dicht inszenierter Thriller, der von Seite zu Seite mehr Spannung aufbaut. Seine Kapitel sind nach den dort vorkommenden Protagonisten benannt, was dem Leser einen guten Überblick verschafft. Hier arbeitet er kapitelweise mit geschickt gesetzten Cliffhängern, die einen ziemlich schnell an das Buch fesseln. Kleinschrittig baut er die Beziehungen zwischen seinen Hauptfiguren auf, so dass im Verlauf der Geschichte ein komplexes, vielschichtiges Netzwerk besteht. Dabei kann ich jedem Einsteiger raten, sich zuerst den ersten Teil „Der Sommer der toten Puppen“ zu gönnen, denn dadurch werden viele Hintergrundinformationen und Handlungsweisen der Hauptfiguren verständlicher.

Antonio Hill ist kein Autor mit brachialen Holzhammer-Methoden. Durch den geschickten Einsatz seiner subtil wirkenden aber lange nachwirkenden Stilmittel gelingt es ihm, ein virtuos gesponnenes, düsteres Bild Barcelonas zu entwerfen. Man muss sich auf diesen Roman einlassen, wird dabei aber mit einer intensiven und atmosphärisch-spannungsgeladenen Geschichte und facettenreichen Charakteren belohnt. Ich freue mich schon auf den dritten Teil!

Christian Funke-Smolka