Anya Lipskas "Sündenfall"

Anya Lipskas „Sündenfall“

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Anya Lipska

In Sündenfall steht die junge Londoner Polizistin Natalie Kershaw vor ihrem ersten Mordfall, als eine Frauenleiche aus der Themse geborgen wird. Und es bleibt nicht bei einem Opfer. Gleichzeitig wird der polnische Privatdetektiv Janusz Kiszka gebeten, eine verschwundene, junge Kellnerin zu suchen. Schnell muss er feststellen, dass dies kein gewöhnlicher Vermisstenfall ist. Zeugen verschwinden und werden grausam ermordet. Als im Mund eines weiteren Mordopfers Janusz’ Visitenkarte gefunden wird, erkennt er, dass er einen mächtigen, zu allem entschlossenen Gegner herausgefordert hat …

Meinung zum Buch:

Anya Lipska ist eine in London lebende Dokumentarfilmerin, die sich innerhalb ihrer Filmbeiträge intensiv mit den Gebieten Politik, Geschichte, Kunst und Wissenschaft auseinandergesetzt hat. Sündenfall (Goldmann, 448 Seiten, €9,99) ist ihr spannendes Romandebüt. Man merkt der Autorin ihr Wissen sowohl über die Mechanismen der Spannungserzeugung als auch der beschriebenen Inhalte an. Alleine über den Prolog gelingt ihr ein Einstieg in die Geschichte, der man sich als Leser nur schwer entziehen kann, die Story jedoch baut sich nahtlos weiter auf, so dass man das Buch nur schwer zur Seite legen kann. In jedem Satz merkt man, dass Anya Lipska die von ihr beschriebenen Bräuche, Gepflogenheiten und Lebensumstände der in England lebenden polnischen Bevölkerung bis ins kleinste Detail kennt, denn ihre Beschreibungen wirken bis in das kleinste Detail authentisch und an keiner Stelle aufgesetzt oder deplaziert.

Ihre Hauptfigur ist Janusz Kiszka, ein Mittvierziger, der seit knapp zwei Jahrzehnten in der englichen Metropole lebt. Trotz seienr Tätigkeit als Privatdetektiv verdient er sich nebenher auch gerne mal ein wenig Geld mit illegalen Geschäften, zudem ist er ein fester Bestandteil in seiner Gemeinde. Der Fall, den er hier bearbeitet, zwingt ihn jedoch, sich mit seiner verdrängten Vergangenheit in Polen auseinanderzusetzen.

Anya Lipska baut in ihrem Debüt geschickt zwei solide erzählte Parallelhandlungen auf, denn gleichzeitig verfolgt man als Leser auch den Weg der jungen, intelligenten aber auch dickköpfigen  Polizistin Natalie Kershaw, und erfährt zudem in Rückblenden eine Menge über die jüngste politische Geschichte Polens, den schwierigen Umbruch vom Kommunismus in eine Demokratie. Dies gibt dem Roman einen realistischen Bezug, so dass der Spannungsbogen, der sich schlüssig und gekonnt aufbaut, über die gesamte Länge der Geschichte halten kann.

Sündenfall ist ein wirklich fesselndes Debüt mit einer vielschichtigen und spannenden Geschichte, welches mich von der ersten Seite an gepackt hat! Hoffentlich gelingt es der Autorin, dieses Niveau auch in ihrem nächsten Roman zu halten!

Christian Funke-Smolka

Leseprobe