Arkadi & Boris Strugatzki: „Hotel Zum verunglückten Bergsteiger“ (Golkonda)

Arkadi & Boris Strugatzki: „Hotel Zum verunglückten Bergsteiger“ (Golkonda)

Eigentlich möchte Polizeiinspektor Glebski nur Urlaub machen. Doch die anderen Hotelgäste, mit denen er im Hotel Zum verunglückten Bergsteiger untergebracht ist, entpuppen sich als ein Haufen schräger Vögel. Da wären unter anderem das Millionärsehepaar Moses, Brun, ein kleiner Junge – oder ein Mädchen (man weiß es nicht so genau), der unscheinbare Olaf Andvarafors und der vermeintlich lungenkranke Anwalt für Minderjährige namens Hinkus. Und als wäre das nicht genug, munkelt man, dass der Geist eines verunglückten Bergsteigers hier herumspukt. Fehlen nur noch Außerirdische und die Mafia. Aber die lassen auch nicht mehr lange auf sich warten…

© Golkonda

Meinung zur Veröffentlichung:

Noch ein Requiem auf den Kriminalroman

Inspektor Peter Glebski möchte etwas Abstand zu seinem stressigen Alltag gewinnen und besucht deshalb auf Rat seines Freundes und Kollegen Sgut das abseits gelegene Hotel Zum verunglückten Bergsteiger. Dort hofft er, bewirtet vom Besitzer Alec Snewar und der total verblödeten Kaisa, Ruhe und Frieden zu finden. Doch nicht nur haftet dem Hotel der tragische Vorfall des namensgebenden verunglückten Alpinisten an, sondern ist es zudem noch mit allerlei sichtbaren und unsichtbaren merkwürdigen Gästen belegt. Der Frieden findet ein jähes Ende, als man den Gast Olaf Andvarafors tot in seinem Zimmer auffindet. Und dies ist erst der Anfang…

Arkadi (* 28. August 1925; † 12. Oktober 1991) und Boris Strugazki (* 15. April 1933; † 19. November 2012) waren zwei sowjetische Schriftsteller, die als die bedeutendsten Autoren der sowjetischen Phantastik gelten und gemeinsam eine Vielzahl an Büchern geschrieben haben. Ihr Werk ist genreübergreifend, sowohl in der russischen Erzähl- und Märchentradition, als auch der Phantastik und dem Science Fiction angesiedelt und sind bei ihrem anerkannt literarischem als auch inhaltlich hohem Stellenwert gleichzeitig höchst unterhaltsam und humorvoll. Der hier vorliegende, im Jahr 1979 auch verfilmte Roman Hotel Zum verunglückten Bergsteiger ist solch ein genresprengender Glücksfall, der auf äußerst virtuose, verspielt-humorvolle weise mit den Versatzstücken der Kriminalliteratur spielt und diese mit vielen kleinen Ausflügen in andere literarische Gattungen anreichert. Ihr hintersinniger Humor trifft auf teils herrlich absurde Situationskomik und schafft es trotzdem, einen Spannungsbogen aufzubauen und zu halten, im Verlauf der Handlung allerdings auch immer ernsthafter und inhaltlich düsterer zu werden. Lange Zeit verschollen, beziehungsweise in Deutschland nur in einer deutlich gekürzten Version erhältlich (der Roman wurde seinerzeit in Russland in einer Art Heftroman veröffentlichten Version angefertigt), liegt hier erstmals die ungekürzte Fassung vor.  

Hotel Zum verunglückten Bergsteiger (Originaltitel: Отель „У погибшего Альпиниста“, Russland 1970) erscheint bei Golkonda (schon im Verlagsnamen wird die Affinität zum Werk der Autorenbrüder deutlich) als eBook und  Paperback mit Klappenbroschur (254 Seiten, €18,00). Die hier vorliegende, wie immer bei Golkonda schön gestaltete Buchausgabe ist eine überarbeitete und ergänzte Neuausgabe, die auf der Übersetzung von Ruprecht Willnow basiert und von dem renommierten Übersetzer, Lektor und Herausgeber Erik Simon mit dem Originaltext abgeglichen, überarbeitet und um fehlende Textfragmente ergänzt wurde. Dadurch haben wir hier erstmals die vollständige Ausgabe des schrägen und schwarzhumorigen Romans der Strugatzki-Brüder vorliegen, deren Werk laut der FAZ zum festen Bestandteil der Weltliteratur gehört.   

Der Roman Hotel Zum verunglückten Bergsteiger ist ein Beispiel des herrlich skurrilen Humors der Brüder Strugatzki. Spielerisch vermengen sie in diesem lange Zeit verschollenen Roman Zutaten des klassischen Kriminalromans a’la Agatha Christie mit Elementen des Mystery- und Science Fiction-Genres und schaffen so einen äußerst kurzweiligen, schwer unterhaltsamen Roman, den man unbedingt gelesen haben sollte. Dank Golkonda nun auch in seiner vollständigen, ungekürzten und überarbeiteten Fassung!   

Christian Funke