"Batman Noir: Gotham by Gaslight" (DC/Panini Comics)

„Batman Noir: Gotham by Gaslight“ (DC/Panini Comics)

Batman-Steampunk im viktorianischen Zeitalter!

Dieser Band der Reihe BATMAN NOIR enthält zwei der legendärsten Alternativwelt-Sagas mit dem Mitternachtsdetektiv. In stimmungsvollem Schwarz-Weiß jagt Batman in einem viktorianischen Gotham erst Jack the Ripper und wird als Bruce Wayne selbst zum Hauptverdächtigen, dann will ein altmodischer Schurke in einem Luftschiff die Zukunft aufhalten.

Die beiden Elseworlds-Sagas zum ersten Mal in einem Band auf Deutsch!

© DC/Panini Comics

Meinung zur Veröffentlichung:

Auch der Mai steht bei Panini Comics ganz im Zeichen des dunklen Ritters Batman. Eines der für mich ganz besonderen Highlights ist dabei die Veröffentlichung der beiden BATMAN NOIR-Hardcover. Den Anfang mache ich hier mit Doppelband Gotham by Gaslight (Großformatiges Hardcover, 124 Seiten, 23,00€)!

Den Anfang macht die Elseworlds-Saga Blutiger Schatten der Vergangenheit (A Tale of the Batman: Gotham by Gaslight aus dem Jahr 1989) aus der Feder von Brian Augustyn (Flash, Painkiller Jane). Besondere Aufmerksamkeit erlangt dieser One-shot jedoch durch einen Zeichner, der kurze Zeit später mit seiner Serie über einen Höllenjungen Weltruhm erlangen sollte: Mike Mignola!

Da der Jahreswechsel 1988/89 ganz im Zeichen des 100. Jahrestages von Jack the Ripper stand, war dies eine gute Gelegenheit, diese Ereignisse in einer viktorianischen Alternativwelt aufzuarbeiten. Dazu stimmt Autor Robert Bloch mit einem abgewandelten Auszug aus seinem Roman The Night of the Ripper stimmungsvoll ein. Bruce Wayne zieht es nach einem langen Auslandsaufenthalt, wo er die Bekanntschaft mit Dr. Freud und anderen Persönlichkeiten des späten 19. Jahrhunderts machte und ihre Lehren studierte, wieder zurück nach Gotham. Schon bald geschehen Morde, die in ihrer Brutalität an die grausamen Geschehnisse aus dem verruchten Londoner East End erinnern…

Brian Augustyn bedient sich in der offiziell ersten Veröffentlichung von DCs Elseworlds-Reihe zahlreicher bekannter Versatzstücke jener Zeit und speziell der Ripper-Mythologie. Währenddessen zeigt Mignola stilistisch schon zahlreiche der später für ihn typischen Elemente und schwelgt in einem markant skizzierten schwarz-weißen viktorianischen Setting. Seine Bilder, auf den ersten Blick grob skizziert wirkend, zeigen bei einem genaueren Blick eine erstaunliche Detailgenauigkeit und stellen eine Hommage an das expressionistische Kino der Stummfilmära dar.

Der Herr der Zukunft (Batman: Master of the Future aus dem Jahr 1991) ist die zweite Geschichte in dieser wunderschön gestalteten Veröffentlichung und stammt ebenfalls aus der Feder von Brian Augustyn, wird jedoch von dem Südamerikaner Eduardo Barreto (Batman/Daredevil, Green Arrow) in Szene gesetzt. Zeitlich angesiedelt nach den Ereignissen aus Gotham by Gaslight hat sich Batman zurückgezogen. Gotham, wirtschaftlich kurz vor dem Bankrott, soll durch eine Weltausstellung, die den Besuchern eine mögliche Zukunft aufzeigt, einen finanziellen Aufschwung erfahren. Ein Treffen des Planungskomitees unter der Leitung des Oberbürgermeisters jedoch wird von Alexandre LeRoi, der sich selbst der Herr der Zukunft nennt, gestört. Er warnt die anwesenden Planer, diese Ausstellung zu eröffnen und droht drastische Konsequenzen an, sollte man ihm nicht gehorchen. Schon bald kommt es zu Zwischenfällen…

Inhaltlich etwas abwechslungsreicher, besticht diese Geschichte speziell durch die grandiose Umsetzung von Eduardo Barreto. Sehr dynamisch und detailverliebt erinnern sie stilistisch an die Zeichnungen der herrlichen EC-Comics. Barreto schwelgt im Spiel mit Licht und Schatten, schwarz und weiß und zaubert so unglaublich bildgewaltige, sehr kraftvolle Zeichnungen, die in ihrer ursprünglichen, getuschten Form ein außergewöhnliches Erlebnis darstellen. Batman Noir: Gotham by Gaslight wirft mit seinen zwei, inhaltlich wie stilistisch sehr unterschiedlichen Geschichten einen spannenden Blick in ein Paralleluniversum des Dunklen Ritters. Speziell in dieser wirklich schönen Ausgabe sollte der Band in keiner gut sortierten Sammlung fehlen!   

Christian Funke