Ben Berkeley - Judaswiege  (Piper)

Ben Berkeley – Judaswiege (Piper)

 

Ben Berkeley, Jahrgang 1975, wurde als Sohn deutscher Einwanderer Palo Alto, Kalifornien geboren. Nach seinem Psychologie-Studium wurde er Berater des FBI und gilt als führender Experte für Medien- und Täterpsychologie. Judaswiege ist sein Debütroman.
Normalerweise genießen Debütwerke bei mir einen gewissen Anfängerschutz, und ich schaue gerne über die typischen Anfängerprobleme hinweg. Nicht aber so bei dem vorliegenden Roman von Ben Berkeley, denn hier gibt es nichts, über das man als Rezensent und Vielleser hinwegsehen müsste. Die Geschichte, der Schreibstil oder die Personenentwicklung, all das ist so, als würde der Autor sein Leben lang nichts anderes machen, als hervorragende Thriller zu schreiben!

Die Geschichte beginnt direkt mit einem rasanten Einstieg. Jessica von Bingen, eine junge Frau verschwindet nach ihrem hawaii-urlaub spurlos. Einzig ihr Auto wird in einer verlassenen Gegend gefunden, zerstört von einer Autobombe, von der Frau jedoch fehlt jede Spur. Jahre später stößt ein junger FBI-Ermittler auf Bildmaterial, welches, getarnt als harte Pornografie, ein Zeugnis ihres Todes darstellt. Die Frau wurde mit Hilfe eines mittelalterlichen Folterinstrumentes, der Judaswiege, brutal hingerichtet. Doch Jessica scheint nicht sein einziges Opfer zu sein!
Der Psychologe und Profiler Sam Burke beginnt zu ermitteln, wobei er von seiner früheren Partnerin Klara „Sissi“ Swell Unterstützung erhält. Als sich dann noch der Anwalt Thibault Stein, ein enger Freund von Jessica von Bingens Ehemann, einmischt, und weitere Entführungen bekannt werden, beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod.

Man merkt dem Autor seine berufliche Vergangenheit an. Ihm gelingt es, die Handlung plastisch und lebendig zu gestalten, was aber viel deutlicher ins Gewicht fällt, ist der Aspekt, dass es ihm wichtig ist, seinen Figuren ein realistisches Leben einzuhauchen. Dabei werden so viele Details und eine Menge an Insider-Wissen eingebracht, dass es ein rundes und interessantes Lesevergnügen ist. Die intensiven Einblicke in die Täterprofilerstellung waren für mich persönlich einer der interessantesten Aspekte des Buches, da sie neben einem fesselnden Spannungsbogen auch den Alltag der Ermittler detailliert aufzeigten.

Stilistisch springt der Autor auf verschiedenen Zeitebenen hin- und her, so dass man als Leser konzentriert bei der Sache bleiben sollte, dadurch aber auch intensiv in die Geschichte gezogen wird. Allzu intensive Beschreibungen der blutigen Taten werden dem Leser erspart, was nach dem derzeitig herrschenden Trend, immer gewalttätiger zu schreiben, ganz wohltuend ist, denn blutige Ausschmückungen machen noch lange keine gute Unterhaltung, und intensiver ist eh immer die eigene Phantasie des Lesers!

Ich bin begeistert! Autor Ben Berkeley hat mit seinem Debüt Judaswiege alles richtig gemacht! Die Geschichte nimmt einen sofort gefangen, so dass man das Buch am Liebsten an einem Stück durchlesen möchte. Dabei ist es extrem spannend und realistisch geschrieben, und bietet mit seinen Protagonisten Figuren, die man als Leser als Identifikationsfigur akzeptiert. Von meiner Seite gibt es eine klare Empfehlung!!

Christian Funke-Smolka