Bernard Minier - Kindertotenlied (Droemer)

Bernard Minier – Kindertotenlied (Droemer)

Hochsommerliche Hitze und heftige Gewitter belasten die Menschen im Süden Frankreichs, als ein brutaler Mord geschieht. Eine Professorin der Elite-UniversCoverität Marsac liegt ertrunken und grausam gefesselt in der Badewanne. In ihrem Rachen steckt eine Taschenlampe. Ohrenbetäubende Musik von Gustav Mahler schallt durch die Nacht. Kindertotenlieder. Beklemmung macht sich in Kommissar Martin Servaz breit. Ist Mahler doch der Lieblingskomponist des hochintelligenten und seit Monaten flüchtigen Serienmörders Julian Hirtmann. Hauptverdächtig ist jedoch ein Student: ausgerechnet der Sohn von Kommissar Servaz` Jugendliebe. Die Ermittlungen führen den Kommissar zu einem mysteriösen Studentenzirkel und zwingen ihn zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Amicus mihi Plato, sed magis amica veritas – Platon ist mir lieb, aber noch lieber ist mir die Wahrheit, lautet sein Motto. Doch die Wahrheit wird ihn in diesem Fall schmerzhaft an die Grenzen des Vorstellbaren bringen.

Bernard Minier, Jahrgang 1960, ist im Südwesten Frankreichs, in den Ausläufern der Pyrenäen, aufgewachsen. Für seine Thriller wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet. Neben dem Spannungsliteraturpreis Prix Polar de Cognac gewann er unter anderem den Prix polar pourpre sowie den Publikumsleserpreis der Zeitschrift Elle. Monatelang standen „Schwarzer Schmetterling“ und „Kindertotenlied“ in Frankreich auf der Bestsellerliste. Auch in Deutschland hat Bernard Minier erfolgreich den Sprung auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe von Paris.

Meinung zum Buch:

Die Vorkommnisse aus seinem vergangenen Fall beschäftigen Kommissar Martin Servaz immer noch, da kommt es ganz gelegen, dass er nach Marcaz gerufen wird. Er soll an einer Eliteschule, die auch seine Tochter besucht, einer alten Jugendliebe helfen. Ihr Sohn steht unter Mordverdacht. Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Eifersuchtsdrama aussieht, erinnern Servaz einige Aspekte an den immer noch flüchtigen Serienmörder Hirtmann. Der Fall offenbart immer mehr verwirrende Details, die nicht nur für den Kommissar, sondern auch für die Personen seines Umfelds gefährlich werden können…

Der Schriftsteller und Fotograf Bernard Minier beweist in seinem zweiten Roman Kindertotenlied, dass er die Qualität seines fesselnden Debüts auch mit der Fortsetzung halten kann. Klassisch angeordnet nach Wochentagen, aufgeteilt in Prolog, Zwischenspiel und Epilog, kreiert Minier sprachgewaltig ein komplex aufgebautes Szenario, welches in ihrer Prosa wie eine düster-melancholische Melodie ihre Kraft entfaltet. Man hat als Leser den Eindruck, Minier sei ein Komponist der Worte, der den Leser auf einem Melodiebogen des Schreckens in eine grausame Welt aus Mord und Brutalität entführt. Dabei bezieht er sich inhaltlich häufig auf den Vorgänger „Schwarzer Schmetterling“, weshalb es ratsam ist, diesen im Vorfeld gelesen zu haben.

Bernard Minier © Droemer Knaur

Bernard Minier
© Droemer Knaur

In seinem zweiten Roman Kindertotenlied zeigt sich der französische Autor Bernard Minier erneut von seiner morbide-atmosphärischen Seite. Die gebundene, hochwertig verarbeitete Ausgabe erscheint mit einem stimmungsvollen schwarz-weißen Covermotiv und rotem Titelschriftzug bei Droemer (656 Seiten, € 19,99).

Auch die Fortsetzung Kindertotenlied kommt langsam aber gewaltig. Packend, kritisch und tiefgründig gelingt es Bernard Minier, den Leser mit einem ruhig inszenierten, auf mehrere Erzählstränge angelehnten, vielschichtigen Einstieg langsam aber stetig in die Geschichte zu ziehen und dabei viele neue Facetten seiner Hauptfigur darzulegen. Ein Roman, der den Leser mit einer spannenden, dichten und gut konstruierten Geschichte rundum zufriedenstellt!

Christian Funke-Smolka