Bernard Minier - Schwarzer Schmetterling  (Droemer)

Bernard Minier – Schwarzer Schmetterling (Droemer)

Wow! Ein Debütroman mit einem Umfang von knapp 700 Seiten, einem Inhalt, der spannend, gruselig, tiefsinnig und kritisch ist, zum mitfiebern genauso wie zum nachdenken anregt, und beinahe über die gesamte Buchlänge ein unglaubliches Spannungsniveau hält, das nenn ich mal einen großartigen Psychothriller!
Schwarzer Schmetterling von Bernard Minier ist solch ein Roman!

Die Geschichte spielt im Dezember in dem französischen Dorf Saint-Martin, es ist eisig kalt, und alles versinkt im tiefen Schnee. Eines Morgens findet eine Gruppe Arbeiter an ihrer Dienststelle, dem in 2000m Höhe gelegenen Wasserwerk von Arruns, einen grausigen Fund: einen verstümmelten, kopflosen Pferdekadaver, welcher grauenvoll in Form eines Schmetterlings arrangiert wurde.
Das Pferd gehörte einem der reichsten Männer Frankreichs, dem Großindustriellen Eric Lombard. DNA-Spuren am Tatort weisen auf den hochintelligenten aber soziopathischen Serienmörder Julian Hirtmann hin, welcher jedoch seit Jahren im abgeriegelten Hochsicherheitstrakt einer Psychiatrie sitzt, und sich einer aus Sicht der hinzugezogenen Psychologin Berg sehr fragwürdigen pharmazeutischen Therapie unterzieht.
Der Ermittler Commandant Servaz und die Schweizer Psychologin Diane Berg stehen vor einem Rätsel, denn schon bald gibt es ein weiteres Opfer, den örtlichen Apotheker, welcher halbnackt an einer Brücke hängt. Servaz und Berg führen ihre Ermittlungen getrennt durch, und begeben sich damit in große Gefahr, denn nichts ist, wie es zuerst scheint!

Schwarzer Schmetterling von Bernard Minier ist ein Psychothriller, der nach einer aus meiner Sicht, trotz der Thematik, eher schleppenden Einführung nach relativ kurzer Zeit eine Sogwirkung entwickelt, die mit ihrer mysteriösen und düsteren Atmosphäre den Leser komplett in ihren Bann zieht, und dabei in ihren besten Momenten frappierend an den großartigen Grangé (Die purpurnen Flüsse)erinnert. Stilistisch sehr gradlinig und umgangssprachlich, erzählt der Autor seine Geschichte temporeich und trotzdem bildhaft, ohne dabei den intellektuellen Anspruch zu vernachlässigen, den der Autor an seinen Roman gesetzt hat.

Bernard Minier

Seine Charaktere sind, auch wenn sie die Genreüblichen Probleme haben, interessant aufgebaut, und die Perspektivwechsel durch die Sprünge in der Erzählung schaffen dabei eine spannende Ebene, da man als Leser beide Ermittlungsstrategien verfolgen kann. Hier treffen Polizeiarbeit und Psychologie auf faszinierende Weise aufeinander.

Schwarzer Schmetterling (Droemer, 684 Seiten, Klappenbroschur, €14,99) ist der Debütroman des Franzosen Bernard Minier.
Minier, Jahrgang 1960, wuchs im Südwesten Frankreichs in den Ausläufern der Pyrenäen auf. Erfahrung mit der Schriftstellerei sammelte er durch das Verfassen von Kurzgeschichten, ist aber auch sehr interessiert an Musik, Kunst, Comics und der französischen Küche. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in der Nähe von Paris.
Schwarzer Schmetterling soll nach seiner Aussage nicht nur spannend unterhalten, sondern auch ein Bild unserer Zeit darstellen. Meiner Meinung nach ist ihm dies durchaus gelungen, im Vordergrund jedoch steht die atemlose Spannung, die sich durch eine unglaublich interessante Geschichte, starken, und hervorragend ausgearbeiteten Charakteren und einer faszinierenden Kulisse zusammensetzt, und im Endergebnis eine fesselnde und gnadenlose Atmosphäre kreiert.
Freunde spannender Thriller-Unterhaltung kommen hier voll auf ihre Kosten, und sollten sich das Buch unbedingt zulegen!

Christian Funke-Smolka