Berni Mayer  - Black Mandel (Heyne Hardcore)

Berni Mayer – Black Mandel (Heyne Hardcore)

BlackMandel_Heyne_gDie ehemaligen Musikjournalisten Sigi Singer und Max Mandel sitzen in ihrer Erbdetektei und gehen sich auf die Nerven. Der eine hört Bluesrock aus Ostdeutschland, der andere telefoniert mit seiner hysterischen Freundin. Keiner will die beiden engagieren. Da trifft es sich gut, dass sie über einen alten E-Mail-Verteiler zu einem Black-Metal-Konzert nach Bergen in Norwegen eingeladen werden. Nach einer versoffenen Nacht und einem versäumten Konzert erwachen die beiden in einem Battle Of Black Metal, in der ewigen Schlacht Jung gegen Alt. Aber wo steckt Baalberith, der Sänger der legendären Band Dark Reich? Die Suche nach ihm gerät schnell zu einer sozialen Groteske. Begegnungen mit einem Kirchenanzündenden Demagogen, einem verschrobenen Videoregisseur und einer Nachwuchs-Extremisten-Band stellen nicht nur die Freundschaft der Detektive auf die Probe, sondern auch ihre Einstellung zu Religion und Rebellion. Bei übelriechenden Fischgerichten und einem Spezial-Cider aus dem benachbarten Fjord bricht schließlich eine Hölle los, an der vor allem der Mandel nicht ganz unschuldig ist.

Berni Mayer, geboren 1974 in Niederbayern, wohnhaft in Berlin. Nach dem Studium der Anglistik und Germanistik hat er u.a. als Chefredakteur bei MTV und VIVA Online gearbeitet und die Serie „Kavka vs. The Web“ für Myspace produziert. Im Januar 2012 erschien sein erster Kriminalroman „Mandels Büro“, dessen Nachfolger „Black Mandel“ im November 2012 folgt. Seit 2009 ist Berni Mayer freiberuflicher Autor. Außerdem spielt er in der Heavy-Metal-Band „The Gebruder Grim“.

Meinung zum Buch:

Berni Mayer war mal Musikredakteur, nun schreibt er über welche. Mandel und Singer, die sich nun als erfolglose Detektive versuchen, dabei jedoch von einer absurden in die nächste gefährliche Situation stolpern. Man merkt ihm an, wie viel Spaß es dem Autor macht, wahrscheinlich eigene Erlebnisse überspitzt in einer Geschichte zu verknüpfen, die so absurd überzogen erzählt wird, dass man meint, einem Kaurismäki-ähnlichen Black-Metal-Road-Trip zu folgen. Dabei trifft man auf allerlei skurrile Charaktere und abgedrehte Szenarien, die nur im Gesamtkontext des Mandel’schen Universums einen Sinn ergeben, für den Leser aber immer schwer unterhaltsam sind.

Berni Mayer zeigt auch in seinem zweiten Roman Black Mandel (Heyne Hardcore, 384 Seiten, €8,99) eine unglaubliche Lust am fabulieren. Mit einer Selbstsicherheit kreiert er Dialoge, für die ihn so mancher andere Autor beneiden

Berni Mayer

Berni Mayer

wird. Die Kombination der Charaktere, Situationen und deren Kommunikation in Verbindung mit Kapitelüberschriften wie „Massakre“, „Calypso“, „Aasen“ oder „Lutefisk“ machen Black Mandel so reizvoll, nicht nur für Metaller, sondern für all jene, die schon immer Lust auf ein Twin Peaks im Metal-Genre hatten. Sein Credo, Atmosphäre über Songwriting lässt sich dabei 1:1 auf sein literarisches Werk ummünzen, denn auch hier gilt es, eine unnachahmliche Stimmung zu kreieren, die sowohl viele Stilrichtungen als auch diverse künstlerische Einflüsse vereint und geschickt kombiniert, sich dabei jedoch respektvoll in den gängigen Klischees suhlt und diese liebevoll veralbert, ohne dabei plakativ zu agieren.

Black Mandel von Berni Mayer ist all jenen Lesern zu empfehlen, die Spaß an guten Formulierungen, absurder Situationskomik und einer cleveren sowie skurrilen Geschichte haben. Menschen, die über sich und andere lachen können, aber auch die Tragik hinter dem Humor sehen, Musik lieben, ohne dieses zu ernst zu nehmen, kurzum: Allen, die Freude an einem guten Buch haben!

Verlagsseite

Christian Funke-Smolka