Charlie Huston - Die Hank Thompson – Trilogie

Charlie Huston – Die Hank Thompson – Trilogie

(Der Prügelknabe/Der Gejagte/Ein gefährlicher Mann)
(Heyne)

Einstecken will gelernt sein! Eigentlich soll sich Hank von einer Nierenoperation erholen, doch plötzlich tauchen von überall her merkwürdige Typen auf, die es auf ihn abgesehen haben und die auch über Leichen gehen. Was folgt, ist eine huston-die-hank-thompson-trilogie-2.jpg w=450unglaubliche Odyssee durch den New Yorker Großstadtdschungel bis nach Mexiko und über Kalifornien zurück nach Manhattan, an die sich der Leser noch lange Zeit erinnern wird. Die perfekte Kulttrilogie für Fans von „The Big Lebowski und Pulp Fiction“.

Charles Huston ist Roman-, Comic- und Drehbuchautor. „Der Prügelknabe“ war der Auftakt einer Trilogie um den liebenswerten Verlierertypen Hank Thompson. Für den zweiten Band der Trilogie – „Der Gejagte“ – wurde Huston für den wichtigsten amerikanischen Krimipreis, den Edgar Award, nominiert. Mit „Stadt aus Blut“ startete Huston seine auf fünf Bände angelegte Vampirserie um Privatdetektiv Joe Pitt. „Killing Game“ war sein erster Stand-Alone-Roman, weitere folgten. Der Autor lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Virginia Louise Smith, in Los Angeles.

Meinung zum Buch:

Henry „Hank“ Thompson ist der Urtyp eines sympathischen Losers. Ein Baseball-fixierter, alkoholabhängiger Barkeeper, der sich im Verlauf der Geschichte vom eher jammerlappigen Schluffi zum souverän agierenden Gangster entwickelt. Im Verlauf der drei Romane erlebt der Leser neben den primären Thriller – Geschichten eine Handlungsübergreifende Story, die als Rahmenhandlung die drei Romane verbindet. Dabei wird der Charakter der Hauptfigur von Geschichte zu Geschichte weiter ausgebaut und erhält dadurch immer mehr inhaltliche Tiefe.

Charles „Charlie“ Huston hat einen sehr speziellen Schreibstil. Bewusst auf den literarischen Pulp schielend präsentiert er seine drei Romane in der „Ich“-Form, wählt einen schnodderigen Tonfall und lebt seine Liebe zum Sport in teils sehr langen Erklärungen und Abhandlungen voll aus. Auch bei hoher Konzentration fällt es manchmal schwer, seinen Dialogen zu folgen, da er die einzelnen Inhalte nicht immer einer bestimmten Person zuordnet, sondern die einzelnen Sätze nur durch Gedankenstriche abgrenzt. So kann es schnell passieren, dass man in den schmissigen Dialogfetzen, die einem da temporeich um die Ohren fliegen, ein wenig den Überblick verliert, wer denn jetzt was gesagt hat.
Man merkt deutlich die Vergangenheit des Autors im Comic-Sektor. Sowohl inhaltlich als auch in der Personenzeichnung wirkt die Trilogie wie ein Cartoon. Die Gewalt grenzt teils an brutale und total

Charlie Huston

Charlie Huston

überspitzte Raserei, die Geschichte gewinnt so rasend an überbordenden Tempo, als schaue man sich einen Cartoon an, der schneller und lauter als die Realität ist. Das wirkt im ersten Teil, Der Prügelknabe (2004), noch gewöhnungsbedürftig, doch schnell hat man sich als Leser in diesen Stil hineingelesen, so dass schon im zweiten Part, Der Gejagte (2005), die Gewöhnung einsetzt, man bei der Beschreibung der ganzen Gewalt diese beinahe sogar schon als „normal“ empfindet. Willkommen im Hank Thompson – Universum der unkontrollierten Gewalt-Eskapaden.
Mit Ein gefährlicher Mann (2006) endet die Trilogie, die Heyne hier lobenswerter Weise als über 1000 Seiten starkes Gesamtwerk veröffentlicht. Denn in meinen Augen baut jeder Roman auf den vorangegangenen auf, so dass sich eine komplexe, übergeordnete Geschichte entwickelt, die ihren eigenen Sog auf den Leser ausübt. Denn bei all der Schnodderigkeit und dem sehr hohen Tempo der einzelnen Geschichten bleibt der Fokus doch auf den Protagonisten, der in der Rahmenhandlung eine rasante Entwicklung hinlegt. Aus diesem Grund ist es nur sinnvoll, die Stories in der chronologischen Reihenfolge zu lesen, da sie nur so ihr Unterhaltungspotential voll entfalten können.

Charlie Huston hat mit seiner Hank-Thompson-Trilogie eine rasante und temporeiche Serie über einen irgendwie charmanten und sehr speziellen Protagonisten geschrieben. Blutig-brutal, sehr schwarz-humorig mit Hang zu Zynismus und Ironie blitzt zwischen den Zeilen immer wieder ein ernsthafter, gesellschaftskritischer Unterton auf, der die Geschichten auf den Boden der Realität zurückholt. Genau hier liegt die Stärke der einzelnen Romane, da sie in meinen Augen ohne diese Zwischentöne zu sehr im Cartoon verankert gewesen wären. So jedoch haben wir hier eine Trilogie, die die Gratwanderung zwischen Irrwitz und Melancholie großartig zu meistern weiß und aus diesem Grunde mehr als nur pure Krimiunterhaltung zu bieten hat.

Christian Funke-Smolka