Chuck Palahniuk - Verflucht (Manhattan)

Chuck Palahniuk – Verflucht (Manhattan)

»Hallo, Mr. Satan, hier spricht Madison.«

Verflucht von Chuck PalahniukDas sind Madisons erste Worte in ihrem neuen Zuhause – der Hölle. Wie sie dahin gekommen ist? Ihre Eltern sind nicht ganz unschuldig daran. Ihre Mutter, eine selbstverliebte Schauspielerin, und ihr Vater, ein geldverliebter Millionär, lassen ihre Tochter über Weihnachten in einem Schweizer Internat zurück, während sie selbst weitere Waisen adoptieren. Madison katapultiert sich derweil mittels einer Überdosis Marihuana ins Jenseits. Dort trifft sie unter anderem auf einen Cheerleader, eine Sportskanone, einen Außenseiter und einen Punk. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, Satan zur Rede zu stellen, aber so leicht können sie der Hölle nicht entkommen…

Der amerikanische Autor Chuck Palahniuk, geboren 1962, träumte lange davon, Schriftsteller zu werden. Doch erst ein persönlicher Einschnitt in seinem Leben gab ihm schließlich den Impuls, seinen Traum zu verwirklichen. Seit seinem Überraschungserfolg »Fight Club« genießt Palahniuk nicht nur bei zahllosen Lesern Kultstatus, er hat sich mit seinen folgenden Romanen auch in die Riege amerikanischer Bestsellerautoren geschrieben. Chuck Palahniuk lebt in Portland, Oregon.

Meinung zum Buch:

Das Leben ist kurz.
Der Tod ist ewig.

Nach eigener Aussage ist Chuck Palahniuk ein hoffnungsloser Romantiker. Eine Einschätzung, die ich persönlich nach der Lektüre seiner sowohl abwechslungsreichen als auch schwarzhumorigen, intellektuell fordernden Romane und Novellen so erst mal nicht erwartet hätte.

Charles Michael Palahniuk wurde 1962 in Pasco, Washington geboren und ist freiberuflicher Journalist und Autor. Gleich sein Debütroman „Fight Club“ (erschien 1996) brachten ihm sowohl Ruhm als auch anerkennende Kritiken. Mit seinen weiteren Werken bewies er, dass er seine zynisch-bissige Weltsicht und seinen teils unglaublich bösen Humor auch in anderen Geschichten auf intelligente Weise einbringen konnte. So wurden auch die nachfolgenden Romane Erfolge und festigten seinen Ruf als freidenkenden, anarchistischen Autor (er ist Mitglied der „Cacophony Society“, eine anarchistische Gesellschaft, die dem „Suicide Club of San Francisco“ entsprang. Viele der dort vertretenen Grundgedanken verarbeitete er in seinem Debütroman „Fight Club“), aber auch seine anderen Geschichten, wie etwa „Der Simulant“ oder „Bonsai“ strotzen vor irrwitzigen wie wilden Ideen und Gedanken!

Chuck Palahniuk

Chuck Palahniuk

In dem vorliegenden Roman Verflucht treffen wir auf die 13 Jahre alte Madison Spencer, die es mit den Drogen wohl ein wenig zu locker nahm und sich nun in der Hölle wiederfindet. Da das Mädchen jedoch der Überzeugung ist, hier nicht hinzugehören, macht sie sich auf den Weg, den Chef persönlich zu treffen und ihn darauf hinzuweisen. Während die junge Maddy sich auf ihren ungewöhnlichen Weg macht, trifft sie eine Vielzahl an merkwürdigen Gestalten, da sie aber mit einem wachen Verstand und einer scharfen Zunge ausgestattet ist, weiß sie sich zu helfen. Doch genau diese Fähigkeiten bringen sie zu einer Tätigkeit, in der sie einigen Leuten echt den Nerv rauben kann: einer Arbeit in einem Call Center. Mit der Hilfe einiger Weggefährten versucht sie, der Hölle zu entkommen, doch die vielen Fragen, die sie hat, die kann leider nur einer beantworten: Satan… und der ist sehr beschäftigt!

Verflucht erscheint bei Manhattan (304 Seiten, €19,99) als gebundene Ausgabe mit einem auffallenden Covermotiv. Im Prägedruck starrt einen ein rotgesichtiges Teufelsgesicht vor einem weißen Untergrund an, umrahmt von den markant gestalteten Schriftzügen.

In Verflucht zeigt sich Chuck Palahniuk von seiner eher satirischen bis sehr absurden Seite. Den Blick auf die Massenkompatibilität konnte man seinen Arbeiten nie nachsagen, ganz im Gegenteil, manchmal hatte man den Eindruck, dass er von Buch zu Buch irrwitzigere und abstrusere Ideen unterzubringen versuchte. In dem vorliegenden Verflucht, welches im Herbst 2013 mit „Doomed“ fortgesetzt werden soll, toppt er sich jedoch noch einmal selbst. Sperma-Seen, groteske Monster und so allerlei gefürchtete Prominenz tummeln sich in seinem Buch und lassen zwischen all den situationsbezogenen Lachern so manchen tiefsinnigen, nachdenklichen Gedanken erblicken. Verflucht zeigt dem Leser eine andere Seite des Autors, es mag nicht der Klassiker seines Schaffens sein, bietet aber gute, zynisch-schwarzhumorige und teils nachdenklich stimmende Unterhaltung!

Christian Funke-Smolka