Claudio M. Mancini: La Nera - Ein Mafia-Roman  (Knaur)

Claudio M. Mancini: La Nera – Ein Mafia-Roman (Knaur)

Wenn man an die italienische Mafia und ihre Abhandlung in Literatur und Film denkt, fällt einem höchstwahrscheinlich zuerst der Klassiker von Mario Puzo, Der Pate, ein. Dieser behandelte die Machenschaften der ehrenwerten Gesellschaft bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Seitdem hat sich jedoch viel in ihren Strukturen verändert, und dies wird hier, hervorragend recherchiert und geschrieben, von Autor Claudio M. Mancini in seinem Roman La Nera: Ein Mafia Roman verarbeitet. Nach  Aussage des Autors handelt es sich bei jeder seiner Geschichten um „Reality Crime“ wo 10% Fiktion sind, der Rest der beschriebenen Situationen sich aber so oder in leicht abgeänderter Form zugetragen haben. Um diese Authenzität zu gewährleisten, recherchiert Mancini ausgiebig vor Ort und befragt Ermittler, Betroffene, Staatsanwälte, aber auch Informanten aus dem Millieu.

Die Geschichte spielt in einem Zeitraum von 1985 bis 2010, und handelt von der jungen, aus einfachen Verhältnissen kommenden Frau Sophia D´Arenal, wegen ihrer schwarzen Haare „La Nera“ genannt, welche aus einem kleinen Bergdorf nahe Corleone auf Sizilien stammt. Als sie den vermögenden Arzt Guilio Saviani, Betreiber mehrerer Schönheitskliniken für die High Society, kennenlernt (und später heiratet), merkt sie schnell, dass die Kliniken nur die Tarnung für einen straff organisierten Organhandel sind. Als Guilio ermordet wird, übernimmt Sophia die Leitung der Geschäfte. Aber eines schwelt in ihr: das Verlangen nach Rache für die Ermordungen der von ihr geliebten Menschen.

La Nera: Ein Mafia Roman taucht sehr tief in die Machenschaften krimineller Organisationen ein, und zeigt ein vielschichtiges, fundiertes und realistisches Bild dieser ehrenwerten Gesellschaft.
Aber auch der Blick auf das gefährliche Leben der Polizeibeamten kommt in Mancinis Buch nicht zu kurz, und so widmet er sich ebenso dem Leben und der Sichtweise der im Roman vorkommenden Ermittler und Staatsanwälte, die ihr Leben dem Kampf gegen die Kriminalität gewidmet haben. Dadurch gewinnt der Roman deutlich an Tiefe, und liefert ein umfassendes und nachvollziehbares Bild.

Claudio M. Manciniwurde kurz nach Kriegsende als Kind einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters geboren, und wuchs in der Provinz Verbania am Lago Maggiore auf. 1964 machte er sein Abitur und studierte in München Psychologie. Nach seinem Studium arbeitete er als Unternehmensberater in Frankreich, Italien, Deutschland und den USA, und lebt derzeit in der Nähe seines Geburtsortes. Im Jahr 2003 veröffentlichte er einige humorvolle Texte, ehe er sich dem Thriller, und hier den Strukturen der Mafia, widmete. 2006 erschien sein Romandebüt Infamitá, 2009 Mala Vita. Auffallend sind in seinen Romanen das umfangreiche Wissen über Aufbau und Strukturen der Mafia, ihren Geldverschiebungen auf karibische Steueroasen, ihrem Netzwerk und insbesondere ihren Verbindungen zu westlichen Regierungen, Banken und Geheimdiensten.

Claudio M. Mancini

La Nera: Ein Mafia Roman ist ein klar strukturiertes Buch, welches in zwei Teilen die Zeiträume März 1985 bis März 1991 und April 2009 bis Juli 2010 behandelt. Zu Beginn des Buches findet man eine Liste der wichtigsten Figuren, was für den Leser sehr hilfreich ist, da man sich sonst schnell im Gewirr der verschiedenen Charaktere und ihren Familien verirren könnte.
Spröde, und formal auf das Nötigste reduziert, erzählt der Autor beinah dokumentarisch seine Geschichte, welche jedoch inhaltlich extrem fesselnd und überaus spannend ist, da sie so ein fundiertes und umfangreiches Wissen des Autors aufzeigt, dass man trotz der Fiktion eine unglaubliche Realitätsnähe erkennt.
An Hand der Protagonistin Sophia D´Arenal wird ein Bild einer modernen kriminellen Organisation aufgezeigt, welches deutlich macht, wie weit der Einfluss einer solchen Organisation in die aktuelle Politik und Wirtschaft hineinreicht. Fans von Alleine gegen die Mafia und Der Pate werden La Nera: Ein Mafia Roman lieben, alle anderen Thrillerfans sollte auf Grund der fesselnd-faszinierenden und authentisch wirkenden Geschichte zugreifen!

Christian Funke-Smolka