Cullen Bunn & Neil Edwards -  Spider-Man: Season One  (Marvel/ Panini Comics)

Cullen Bunn & Neil Edwards – Spider-Man: Season One (Marvel/ Panini Comics)

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung!“

 

Ich glaube, kein Satz einer Comicreihe ist bekannter, als dieser, mittlerweile in den normalen Sprachgebrauch übergegangene Satz, den Onkel Ben an Peter Parker, alias Spider-Man richtet.
Die Figur des Peter Parker wurde 1962 von Stan Lee und Steve Ditko erschaffen, und erlebte ihren ersten Auftritt in der Ausgabe Nr. 15 von Amazing Fantasy im August 1962.
Peter Parker ist ein schüchterner, unauffälliger junger Mann, der durch einen unfreiwilligen Spinnenbiss zu seinen Superkräften kam. Neben seinen neuen, speziellen Fähigkeiten hat er jedoch weiterhin in seiner Rolle als Peter Parker mit den Mühen und Problemen des Alltags zu kämpfen.
Hierin liegen wohl auch die Faszination und der Charme dieser Figur, denn als Leser kann man sich dank der Alltagsprobleme des Protagonisten in Schule, Nebenjob und Liebesleben wunderbar hineinversetzen, erlebt aber gleichzeitig das gute Gefühl, Situationen auch meistern zu können und an ihnen zu wachsen, denn nicht immer bringen ihn seine erworbenen Superkräfte ans Ziel.
Dazu sind die Geschichten mit einer moralischen Botschaft versehen, und man trifft in der Regel auf ein klares Gut/Böse- oder Recht/ Unrecht-Schema.

Die Geschichten um Spider-Man sind Klassiker in der Comicszene, oft erzählt, neu variiert und immer wieder weiter ausgebaut und verfeinert. Da die Geschichte selber so universell ist, wird auch jede neue Generation von ihr angesprochen, so dass es in jedem Jahrzehnt unzählige Produktvariationen in Form von Filmen, Büchern und mehr gab.

Derzeit läuft überaus erfolgreich eine Neuvariation der Spinnengeschichte im Kino, parallel haben wir hier nun mit dem vorliegenden Spider-Man: Season One (Panini Comics, 116 Seiten, €14,95) eine Neuinterpretation des Anfangs aus der Feder von Cullen Bunn (Fear Itself, Wolverine) und gezeichnet von Neil Edwards (Fantastic Four). Hierbei handelt es sich um einen Comic-Roman, sprich: es gab ihn vorher nicht in Heftform, sondern er wurde direkt als umfangreicher Comic-Band veröffentlicht.
Marvel veröffentlicht hierbei in ihrer Season One – Reihe die Ursprungsgeschichten ihrer populären Helden, wie zum Beispiel die Fantastic Four, Hulk oder X-Men in einer modernen und zeitgemäßen Form.

Cullen Bunn gelingt es dabei, Spider-Man eine klassische Geschichte zu spendieren, die sich zwar an den bekannten Vorgaben hält, aber genug eigenen Freiraum für Neuinterpretationen nutzt, dass sie auch für Leser interessant ist, die die Geschichte schon mehrfach gehört haben. Auch wenn aus meiner Sicht der Tonfall an einigen Stellen zu flapsig, und Peter Parker etwas selbstherrlich rüberkommt, ist das Gesamtbild der Erzählung stimmig, spannend und gut lesbar.
Hervorzuheben jedoch ist der Stil, den Neil Edwards nutzt, denn ihm gelingt eine temporeiche und lebendig wirkende grafische Gestaltung der Story, die überaus gelungen ist.

Hier zeigt sich, dass die Idee Marvels, junge Talente zu nehmen, um frischen Wind in klassische Geschichten zu bringen, aufgegangen ist. Dynamisch und frisch, teilweise mit subtilem, hintergründigen Humor spielend (man beachte einige der Dialoge, oder-mein Sohn wies mich darauf hin-die Anspielungen über T-Shirt-Motive auf andere Marvel-Serien), gelingt es hier, sowohl alte Fans als auch Neueinsteiger gleichermaßen zu fesseln.

Spider-Man: Season One zeigt deutlich, wie spannend und letztendlich zeitlos die Geschichte um unseren Superhelden ist, und deshalb immer wieder ihren Reiz auch für nachfolgende Lesergenerationen entfalten kann. Wenn dies so gut wie in der hier vorliegenden Form geschieht, kann ich es nur begrüßen und jedem empfehlen!

Christian Funke-Smolka