D.E. Meredith - Der Leichensammler: Historischer Kriminalroman (Goldmann)

D.E. Meredith – Der Leichensammler: Historischer Kriminalroman (Goldmann)

 

Der historische Krimi erfreut sich gerade einer großen Beliebtheit, ob es dabei eine moderne Aufarbeitung eines klassischen Stoffes, wie zum Beispiel die erfolgreiche TV-Serie Sherlock, ist, oder ein historischer Thriller, welcher die Ursprünge unserer jetzigen Ermittlungsmethoden zeigt.

Hier vorliegend haben wir das Romandebüt der britischen Autorin Denise Ellen Meredith, die mit ihrem historischen Roman Der Leichensammler (Goldmann, 352 Seiten) anhand einer fesselnden, allerdings fiktiven Geschichte die Ursprünge der modernen Forensik erklärt.

Wir befinden uns im London des Jahres 1856, und Professor Adolphus Hatton, eine Koryphäe auf seinem Fachgebiet der Rechtsmedizin und Chirurgie, befindet sich gerade in seinem Labor, dem Leichenkeller des St. Bartholomew’s Hospital, als ihn Inspector Adams von Scotland Yard behelligt, und ihn zu einem Tatort eines Mordfalles mitnimmt. Da er interessiert in der Wissenschaft neuer Ermittlungsmethoden ist, scheint er der Richtige für einen brenzligen Fall zu sein. Das Mordopfer Lady Katherine Bessingham war ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, und als Boheme in der Künstlerszene verwurzelt. Ihr Haus ist mit allerlei obskuren Sammlerstücken vollgestellt, und bot Dichtern, Künstlern und Wissenschaftlern Raum für regelmäßige Treffen.
Anscheinend scheint nichts zu fehlen außer einigen Briefen eines befreundeten Forschers, der dank ihrer Unterstützung nach Borneo reisen konnte. Was stand in diesen Briefen, dass sie einen Mord rechtfertigen?
Doch die Ermordung Lady Bessinghams war erst der Anfang, es folgen ihr weitere Wissenschaftler, und nun ist es an Hatton und Adams, die Schuldigen zu überführen. Werden ihnen die neuen, forensischen Methoden helfen können?

D. E. Meredith

Die Autorin D. E. Meredith beschreibt mit ihrem Debüt anschaulich die Anfänge der forensischen Ermittlung, und zeigt auf, mit welch ablehnenden Meinungen diese Methoden bei den ermittelnden Polizeibeamten ankam, beziehungsweise wie schnell Hinweise durch die Unachtsamkeit bei der Hausdurchsuchung zerstört werden können.
Der Mordfall ist interessant und komplex bis verwirrend, dies ist aber auch ein wenig der Autorin geschuldet, die zwischen verschiedenen Handlungssträngen und Ebenen hin- und herspringt, auch wenn diese zum, Teil keine große Bedeutung für die ursprüngliche Geschichte haben, sondern nur atmosphärische Staffage darstellen.

Man merkt dem Inhalt die biografische Vergangenheit der Schriftstellerin an, die lange Zeit mit dem Roten Kreuz in Afghanistan oder in Ruanda tätig war, Landminen entschärfte oder die dortige Bevölkerung anderweitig unterstütze. Nach der Gründung einer eigenen Familie widmet sie sich nun der Arbeit für den WWF und Greenpeace, und so ist ein kritischer Blickpunkt jederzeit in ihrem Roman erkennbar.

Stilistisch kann man ihrem Debüt nicht viel vorwerfen, es ist anschaulich und plastisch geschrieben, vermittelt aber trotz der teils explizit harten Story ein beschauliches Tempo und erinnert an klassische britische Krimis. Ihr Protagonist könnte noch einen gewissen Schliff gebrauchen, da dieser noch ein wenig bieder und blass wirkt, und man als Leser so nur schwer Zugang zu ihm bekommt.

Der Leichensammler ist ein überaus interessantes Buch mit einer soliden und komplexen Story, die durchaus zu fesseln weiß, auch wenn man an manchen Stellen noch ein wenig hätte nachbessern können.

Christian Funke-Smolka