Dalí. Tarot (TASCHEN)

Dalí. Tarot (TASCHEN)

Salvador Dalís Tarotdeck: Surrealismus trifft Symbolismus

In diesem außergewöhnlichen, vom Künstler selbst gestalteten Tarotdeck posiert Dalí als „Magier“, seine Frau Gala wird zur „Herrscherin“, und der Tod des Julius Cäsar wird umgemünzt in „Zehn der Schwerter“.

Das Werk erschien 1984 in einer limitierten, mittlerweile längst vergriffenen Art Edition Dalí war damals der erste renommierte Künstler, der ein völlig neues Kartenset entwarf. Dabei stützte er sich auf Meisterwerke von der Antike bis zur Moderne, zitierte u. a. Jacques-Louis Davids Tod des Marat oder Lucas Cranachs Drei Grazien (natürlich findet man auch Dalí selbst und seine Gala auf den Karten) und verknüpfte sein Wissen über das Arkane mit seinem unverwechselbaren Witz. Das Ergebnis ist ein surreales Kaleidoskop europäischer Kunst- und Kulturgeschichte.

Nun hat TASCHEN dieses seltene Werk wieder aufgelegt. Es enthält sämtliche 78 Karten und zeigt Figuren wie den Magier, die Liebenden, den Mond, den Tod, die Hohepriesterin und die Kaiserin. Im umfangreichen Begleitheft hält der international renommierte Tarotexperte Johannes Fiebig die angemessene Festrede zu dieser Traumhochzeit von Surrealismus und Esoterik.

© TASCHEN

Meinung zur Veröffentlichung:

Der Magier, der Mond und der Tod

Salvador Felipe Jacinto Dalí i Domènech, ab 1982 Marqués de Púbol, besser bekannt als Salvador Dalí (* 11. Mai 1904; † 23. Januar 1989) war ein spanischer Maler, Grafiker, Schriftsteller, Bildhauer und Bühnenbildner. Vor allen Dingen aber war er ein Surrealist par excellence, ein Träumer und Phantast, der die Kunstwelt des letzten Jahrhunderts prägte und nachhaltig beeinflusste. Er war ein Exzentriker, der sich, oder anders formuliert: der die Kunstfigur Dalí ein Leben lang formte und so nicht nur einer der produktivsten, sondern auch einer der auffälligsten Lichtgestalten der Kunstszene des 20. Jahrhunderts wurde.

Der Legende zufolge gab der legendäre Filmproduzent Albert Broccoli, ein großer Bewunderer des spanischen Künstlers, bei den Vorbereitungen zu dem 1973 aufgeführten achten James-Bond-Film Leben und sterben lassen bei Salvador Dalí einen Satz Tarotkarten in Auftrag. Der Grund war Bonds Gegenspieler Kananga, der sich im Film von dem Medium Solitaire die Zukunft aus den Karten lesen ließ. Die Zusammenarbeit zwischen Broccoli und Dalí kam aufgrund vertraglicher Differenzen zwar nicht zustande, aber inspiriert von seiner Frau Gala, die ihn in seinen mystischen Interessen bestärkte, setzte Dalí das Projekt trotzdem fort. So entstand Mitte der 1970er Jahre das Tarot Universal Dalí und wurde als signierte Grafikserie in limitierter Auflage veröffentlicht. Basierend auf der jahrhundertealten Tarot-Tradition, so schreibt Annette Kröger in ihrem interessanten Essay, gestaltete Dalí ein neues Tarot mit 78 Bildzitaten aus der abendländischen Kunst, die von der Antike bis zur Neuzeit, zu seinen eigenen Kunstwerken reichte. Damit reiht sich der damals bereits 70-jährige Künstler ein in eine Riege weiterer großer Namen der Kunstgeschichte, die sich ebenfalls mit der künstlerischen Gestaltung der Spielkarten beschäftigt haben. Dalí bleibt sich natürlich auch hier treu und kombiniert künstlerisch virtuos surrealistische Elemente mit provokanter Derbheit.

Die Neuauflage von TASCHEN ist schon ein echter Hingucker! Eine großformatige, aufklappbare, in lila Samt gefasste Box, welche die 78 hervorragend verarbeiteten Spielkarten in einer goldenen Schachtel beinhaltet. Dazu gibt es ein 186 Seiten starkes, informatives und reich bebildertes Begleitbuch, welches neben einem interessanten Vorwort von Annette Köger gut verständliche Erläuterungen der Komposition jeder Karte, ihrer Bedeutung sowie praktische Hinweise zur Lesbarkeit der Spielkarten von Johannes Fiebig, einer der erfolgreichsten Autoren auf dem Gebiet des Tarot und einer der führenden Experten für die psychologische Interpretation von Symbolen und Orakeln, bietet.

Dank TASCHEN haben wir hier die Gelegenheit, dieses seltene Werk, in seiner ursprünglichen Veröffentlichung längst vergriffen, in einer wunderschönen, liebevoll gestalteten Neuauflage erleben zu können. Eine herrliche Veröffentlichung, nicht nur für Liebhaber der Werke des großartigen Dalí.

Christian Funke