Dan Simmons: Die Hyperion – Gesänge (Heyne)

Dan Simmons: Die Hyperion – Gesänge (Heyne)

Die Hyperion-Gesänge handeln von einer Gruppe Reisender, bestehend aus sieben Pilgern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Hat Masteen ist Tempelritter und Kapitän des Baumschiffes Yggdrasil, Martin Silenius ein Dichter, Lenar Hoyt und Paul Duré sind Pater, dazu gesellen sich noch der Ethik – Gelehrte Sol Weintraub mit seiner Tochter Rachel und der Konsul. Alle haben jedoch ein gemeinsames Ziel: die Zeitgräber auf dem Planeten Hyperion. Jeder der Reisenden hat dabei einen persönlichen Grund für die Teilnahme an dieser Pilgerfahrt, so dass sie sich ihre Geschichten gegenseitig erzählen.
Bei ihrer Ankunft sieht man der Begegnung mit dem Hüter der Zeitgräber, dem grausamen Wesen Shrike entgegen, dessen Geheimnis es im Auftrag der Kirche des Shrike zu erforschen gilt. Jedoch nicht nur unsere Pilger sind auf den Weg nach Hyperion, auch eine menschliche Splittergruppe namens Ousters versuchen das Geheimnis der Zeitgräber zu ergründen.
Dem gegenüber steht der Künstler Joseph Servern, der die Gabe besitzt, die tatsächlichen Erlebnisse der Reisenden zu erträumen, und so in einer mentalen Verbindung zu ihnen steht.

Ich könnte noch stundenlang weiter beschreiben, jedoch ist es schwer, die Fülle an Informationen und die unzähligen guten und faszinierenden Ideen, die uns Dan Simmons in seiner monumentalen Geschichte präsentiert, in einer kurzen Zusammenfassung nachzuerzählen.
Mit einer beeindruckenden Leichtigkeit, beinahe spielerisch wird der Leser in die Geschichte geworfen. Hier wird nicht lange erklärt, kein technisches Hintergrundwissen aufgezählt oder sich mit langen Erklärungen aufgehalten, die Story beginnt, und als Leser arbeitet man sich in das Universum ein. Dies ist zu Beginn verwirrend, teils auch etwas mühselig, aber nach einiger Zeit hat man den Bogen raus, und dann gibt es kein entkommen mehr!

Dan Simmons wurde 1948 in Illinois, USA geboren. Nach seinem Studium arbeitete er 17 Jahre lang als Grundschullehrer, ehe er sich der Schriftstellerei widmete. Auch wenn sein literarisches Talent schon lange bekannt war, veröffentlichte er seinen ersten Roman „Song of Kali“ erst im Jahr 1985. Vier Jahre später erschien der erste Band der Hyperion-Gesänge, ein Jahr später folgte die Fortsetzung.
Dan Simmons ist bekannt für seine Produktivität und seine Genrevielfalt. Neben Horrorromanen bewegt er sich noch souverän im Thriller- und Abenteuergenre, oder wie hier im Science Fiction-Bereich, lässt die Genregrenzen aber auch gerne mal fließend ineinander übergehen.

Hier vorliegend haben wir den Doppelband Die Hyperion – Gesänge von Autor Dan Simmons, der die zwei Romane Hyperion und Der Sturz von Hyperion beinhaltet. Heyne veröffentlicht die beiden Romane in einem 1456 Seiten starken Band mit einem Vorwort von Alastair Reynolds und einem ästhetischen Covermotiv, welches innen auch als Kunstdruck eingefügt ist.

Die Hyperion – Gesängenehmen sich auf epischer Weise den monumentalen Themen unserer Zeit an. Auf faszinierende Weise gelingt dem Autor hier eine unterhaltsame Kombination von Religion, Philosophie, Ökologie, Zeitreisen und künstlichen Intelligenzen, die angereichert mit vielen Action- und Spannungselementen in ihrer Summe dem Bereich der Space Opera zugeordnet werden kann. Einige der verwendeten Themen und Geschichten beziehen sich auf Geschichten der griechischen Mythologie oder klassischen Kurzgeschichten und Gedichten von Keats oder Fitzgerald, nutzen aber auch Momente aus der populären Kultur und filmischen Vorbildern.

Dan Simmons

Hyperion und Der Sturz von Hyperion sind in ihrer Summe ein riesiges Füllhorn an guten Ideen, welche zwischen Space Opera und Cyberpunk pendelnd die elementaren Themen aus Weltgeschehen, Religion, Kultur und Politik aufgreifen und auf monumentale Weise verbinden.
Zu Recht gab es dafür neben dem Hugo Award und den Locus Award auch noch den BSFA Award, gelingt es der Geschichte, beziehungsweise ihrem Autor Dan Simmons, den Leser nach einer gewissen Anlaufzeit mitten in die Story zu ziehen, und ihn in die Welt von Hyperion eintauchen zu lassen.
Die Hyperion – Gesänge ist ein fantasievolles, spielerisch-eloquent erzähltes, visuell beschreibendes Science Fiction-Epos, welches in jede gut sortierte Bibliothek gehört. Wer ein Freund des Genres ist, sollte, falls noch nicht geschehen, unbedingt zugreifen!

Christian Funke-Smolka