Daniel Woodrell - Im Süden: Die Bayou-Trilogie (Heyne)

Daniel Woodrell – Im Süden: Die Bayou-Trilogie (Heyne)

5652Einem größeren Publikum dürfte der 1953 in Missouri geborene Autor Daniel Woodrell durch die Oscar-nominierte Verfilmung seines erfolgreichen Romans Winters Knochen (Winters Bone) bekannt geworden sein.
Woodrell heuerte früh bei den Marines an, wurde aber nach 18 Monaten wegen eines Drogendelikts entlassen. Er studierte und besuchte die Writers School, aktuell lebt und arbeitet er zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Katie Estill, in West Plains, Missouri.

Hier vorliegend haben wir den Sammelband Im Süden – Die Bayou-Trilogie (Heyne, 656 Seiten, €10,99), welcher aus dem Frühwerk des Autors die drei Romane um seinen Protagonisten Detective Rene Shade, Ex-Boxer und nun Cajun-Ermittler beinhaltet. Shade lebt in der Bayou-Gemeinde St. Bruno, welche sich mitten in den schwülen Sümpfen Louisianas befindet. Hier leben die Gestrandeten, die, die an den Rand der Gesellschaft gedrückt wurden, für die sich der amerikanische Traum nicht erfüllt hat. Kriminalität, Glücksspiel und Prostitution sind hier an der Tagesordnung, entsprechend hart agiert Shade. Mit einem lakonischen Humor, immer einen passenden Spruch und einer eher zynischen Weltsicht versucht er jeden Tag aufs Neue zu überleben. Der Schauplatz der Bayou – Geschichten Woodrells ist beherrscht von einem regen Treiben einer bunt gemischten Gesellschaft: Deutsche, Iren, Franzosen, Afrikaner und Mexikaner. Doch Rene Shade kennt diese Menschen genau, lebt er doch schon sein gesamtes Leben unter ihnen.

Die Trilogie besteht aus dem Romandebüt Cajun Blues des Autors aus dem Jahre 1986, wo Shade erstmals die Bildfläche betritt und den Mord an einem farbigen Lokalpolitiker aufklären muss. Bei seinen Ermittlungen tritt er jedoch in ein Wespennest aus Verrat und Korruption, wobei Personen bis auf den höchsten Rängen darin verwickelt sind.

Teil zwei ist der Roman Zoff für den Bossaus dem Jahr 1988 wo sich Shade auf die Fersen dreier entflohener Strafgefangener machen muss, und hierbei mit Personen aus seiner Vergangenheit kooperieren muss.

Photo credit: Sam Kerr

Photo credit: Sam Kerr

Den Abschluss bildet John X von 1992, wo Shade seinem Vater bei großen Problemen helfen muss. Dieser sollte auf einen hohen Geldbetrag eines Verbrechers aufpassen, nun hat man ihm jedoch dieses Geld entwendet.

Daniel Woodrell gelingt es, durch seine Sprache und seine bildhaften Schilderungen ein authentisches Bild mit lebhaften Charakteren zu zeichnen. Der umgangssprachliche Stil wird schnodderig aber realistisch, deutlich ist jedoch zu erkennen, wie sich der Autor in den drei Romanen literarisch gesteigert und entwickelt hat. Wirkt die erste Story noch ein wenig zerfahren und zu betont lässig, wandelt sich dies in den späteren Geschichten, wo es ihm durch Dialoge und Figurenzeichnungen gelingt, Tiefe, Spannung aber auch Emotionalität zu erzeugen.

Auch wenn die Bayou-Trilogie nicht die literarische Reife von Winters Knochen vorweisen kann ist es ein spannender und unterhaltsamer Ausflug in die Bayous, auf den uns einer der derzeit interessantesten Autoren Amerikas mitnimmt.

Christian Funke-Smolka