Darren Shan - Die Toten, die ich rief (rowohlt POLARIS)

Darren Shan – Die Toten, die ich rief (rowohlt POLARIS)

Vertraue niemandem. Nicht einmal deinem eigenen Verstand.

978-3-86252-037-4.jpg.630788Ed Sieveking schreibt Horrorromane. Sein Leben ist mindestens so gruselig wie seine Bücher: unerbittlich verfolgen ihn die Geister der Vergangenheit. Richtige Geister. Geister, die er allzu deutlich sehen kann.
In London sucht Ed Inspiration für ein neues Projekt. Doch er findet etwas anderes: Auf einer Bootsparty auf der Themse lernt er die schöne und unnahbare Andeanna kennen. Sie verschweigt Ed vieles, doch etwas findet er bald heraus: Sie ist die Frau des «Türken» Mikis Menderes. Und der ist einer der berüchtigsten Gangsterbosse der Stadt.
Ed weiß, Andeanna zu lieben, könnte tödlich sein. Denn auch er ist nicht der, der er zu sein vorgibt. Und der Türke ist kein Fremder für ihn…

Darren Shan ist das Pseudonym des Schriftstellers Darren O’Shaughnessy, der 1972 in London geboren wurde. 1978 zog seine Familie nach Limerick in Irland, doch seinen Londoner Akzent hat er nie verloren. Darren studierte Soziologie und Englisch und arbeitete danach einige Jahre für eine Fernsehfirma, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. „Der Mitternachtszirkus“, erster Band einer zwölfbändigen Vampirserie, wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt. Die Serie verkaufte sich weltweit bereits über zwölf Millionen Mal.

Meinung zum Buch:

Darren Shan zeigt auch in Die Toten, die ich rief (rowohlt POLARIS, 413 Seiten, €14,95) das, was er am Besten kann, denn er verknüpft gekonnt die Elemente des Psychothriller mit denen der Mystery

Darren Shan

Darren Shan

und des Übernatürlichen. Dabei splittet sich sein neuster Roman spürbar in zwei Teile auf. Zu Beginn widmet er sich ausgiebig der Beschreibung seiner Charaktere und richtet seinen Fokus auf den innerlich zerrissenen, geheimnisvollen Ed Sieveking der sich seinen Gefühlen gegenüber Andeanna hingibt. Hier beschreibt der Autor gut lesbar in seiner ihm typischen Weise sehr ausschweifend und bildhaft erklärend, was allerdings etwas auf Kosten des Tempos geht, ohne dabei jedoch zu langweilen. Deutlich Fahrt aber nimmt die Geschichte im weiteren Verlauf der Handlung auf. Hier gelingt es ihm, wendungsreich und dadurch immer wieder überraschend seine Story zu inszenieren, die er mit einer Menge skurriler Einfälle und zynischem Humor angereichert hat. Virtuos legt er falsche Fährten, um den Leser immer wieder augenzwinkernd in eine neue Richtung zu schubsen. Dadurch bleibt das Buch nach einem eher gemächlichen Einstieg permanent spannend und wird zu einem wahren Page-Turner den man nicht mehr weglegen kann.

Darren Shans Die Toten, die ich rief ist schon alleine durch seine Buchgestaltung auffällig. Das Covermotiv ist ein übergroß fotografiertes Auge, deren gelbe Iris einen Totenkopf ziert. Dazu sind Schriftzug und der Klappeinband in einem grellen gelb gehalten.

Die Toten, die ich rief ist der erste Psychothriller von Darren Shan, beinhaltet aber immer noch große Anteile des vom Autor so geschätzten Horrorgenres. Wer Lust auf einen Roman hat, der sich in der Grauzone zwischen Thriller und Horror befindet, bei dem die Grenzen von Realität und Schattenwelt nicht klar zu erkennen sind, der ist bei diesem sehr unterhaltsamen und überaus spannenden Roman gut aufgehoben!

Christian Funke-Smolka