Darwyn Cooke & Richard Stark: Parker - Das Syndikat (Eichborn)

Darwyn Cooke & Richard Stark: Parker – Das Syndikat (Eichborn)

Graphic Novel nach dem Roman „The Outfit“ von Richard Stark

Parker hat alle offenen Rechnungen mit den Gangstern beglichen, die ihn hintergangen haben. Seither lebt er auf großem Fuß. Er wohnt in prunkvollen Hotels und genießt endlich die schönen Dinge des Lebens. Bis ein Denunziant ihn beim Syndikat verAdobe Photoshop PDFrät, um das auf Parker ausgesetzte Kopfgeld zu kassieren. Ein tragischer Fehler. Denn wer sich mit Parker anlegt, sollte besser bereit sein, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen…

Darwyn Cooke ist ein Designer und bekannter Trickfilm-Künstler. In den späten neunziger Jahren wandte er sich der Comic-Branche zu. Vorrangig ist er bekannt für seine Arbeit mit DC-Superhelden, doch er verlor nie sein Faible für Krimis und hat oft erwähnt, dass die Parker-Romane für ihn ein großer Inspirationsquell waren. Cooke hat mehrere Eisner-, Harvey- und Shuster-Awards gewonnen sowie den National Cartoonist Society’s Award für die beste Serie. 2008 wurde Cooke für sein Comic-Opus The New Frontier für den Emmy nominiert.

Richard Stark ist das berühmteste Pseudonym des weltbekannten Autors Donald Westlake (1933-2008). 1962 schuf er den Meisterdieb Parker und schrieb eine Reihe von Romanen, die zu wegweisenden Werken der Kriminalliteratur wurden. Einige von Westlakes Büchern wurden von Hollywood verfilmt. Sein Drehbuch zu The Grifters bescherte ihm eine Oscar-Nominierung. Er gewann zahlreiche Awards für seine Werke und 1993 verliehen ihm die Mystery Writers of America den Titel Grand Master, die höchste Ehre, die von dieser Angesehenen Gesellschaft verliehen wird.

Meinung zum Buch:

Als der amerikanische Krimiautor Donald E. Westlake im Jahr 1962 unter seinem wohl letztendlich populärsten Pseudonym Richard Stark seine Titelfigur Parker auf die nichts ahnende Leserschaft losließ, war keinem klar, dass diese Figur solche eine hypnotische Ausstrahlung haben würde und sein literarisches Schaffen bis zu seinem Tod 2008 massiv beeinflussen und prägen würde. Dabei ist Parker kein Sympathieträger. Er ist ein Mann, der von kalter Wut getrieben wird. Knallhart, eiskalt berechnend und rücksichtslos bahnt er sich seinen Weg, um das zu befriedigen, was ihn antreibt: Geld zu erlangen, um sich seinen persönlichen Luxus leisten zu können. Dabei findet er immer Wege, die Leute aus dem Weg zu räumen, die ihm bei diesem Vorhaben hinderlich sein könnten. Man merkt schon an dieser kurzen Beschreibung, dass wir es hier mit keinem Sonnenschein zu tun haben. Parker ist eiskalt, skrupellos und nahezu völlig ohne Empathie. Aber anscheinend machte genau das seinen Reiz aus, denn neben insgesamt vierundzwanzig literarischen Auftritten (die erst durch den Tod des Autors ihr Ende fanden) wurde der Rachefeldzug seines ersten Auftritts erstmals unter dem Namen Point Blank und Jahrzehnte später erneut unter dem Titel Payback verfilmt. Aber auch andere Geschichten oder Drehbücher des Autors fanden den Weg auf die große Leinwand.

Doch damit nicht genug, denn im Jahr 2009 nahm sich der Künstler Darwyn Cooke dieser faszinierenden Figur an. Cooke ist ein kanadischer Comic-Autor, Grafikdesigner und Animationskünstler, der mit seinen Werken, beispielsweise DC: The New Frontier, oder jüngst seinem Beitrag zu der Before Watchmen-Reihe einen Namen machte und schon viele Preise verliehen bekam. Eichborn veröffentlicht mit Parker – Das Syndikat nun den fortsetzenden Band seiner Parker-Adaption, die bis zum heutigen Zeitpunkt bereits vier Bände umfasst.

Parker – Das Syndikat (Eichborn, 160 Seiten, €19,99) ist eine Graphic Novel nach der Romanvorlage The Outfit, in der sich Darwyn Cooke künstlerisch, wie schon in dem Vorgängerband, ganz dem ihn so faszinierenden Stil der 50er-Noir und dem Hard Boiled verschrieben hat. Kräftige Pinselstriche, ein perfektes Spiel mit Licht und Schatten, dabei immer den lakonisch-trockenen Stil der Vorlage treffend, zeichnet er hier die Geschichte eines Gejagten, der seinen Verfolgern jedoch immer einSzene 1en deutlichen Schritt voraus ist und es geschickt vermag, den Spieß zu seinen Gunsten umzudrehen. Dabei atmet seine grafische Inszenierung das Flair des Film Noir, der hier sowohl in seinen Bildern als auch seinen Charakterzeichnungen jederzeit zu spüren ist. Die zweite Adaption Das Syndikat, aufgeteilt in vier Buchabschnitte, zeichnet sich dabei im Vergleich zu seinem Vorgänger durch eine grafische Verspieltheit aus, die sich stellenweise ungewöhnlich, aber interessant, zum tatsächlichen Inhalt der Story entgegenstellt. Auffallend ist ein hoher Textanteil im mittleren Part der Adaption, die einen mehrseitigen Auszug aus dem Roman von Richard Stark in Form eines Artikels des „Wöchentlichen Kriminalanzeigers“ einbaut.

Eichborn veröffentlicht Parker – Das Syndikat als sehr stimmungsvolle, hervorragend gestaltete gebundene Ausgabe in einer hochwertigen Verarbeitung mit einem markanten Covermotiv.

Freunde künstlerisch anspruchsvoller und spannend erzählter Comics kommen auch an der an den Vorgänger anschließenden Graphic Novel Parker – Das Syndikat von Grafikkünstler Darwyn Cooke nicht vorbei. So faszinierend die Geschichte, so bestechend finster und visuell abwechslungsreich die Umsetzung. Von mir gibt es dafür eine eindeutige Empfehlung!

Christian Funke-Smolka