Das Heyne Zombie-Special: Robert Kirkman - The Walking Dead & Z.A. Recht - Die Jahre der Toten

Das Heyne Zombie-Special: Robert Kirkman – The Walking Dead & Z.A. Recht – Die Jahre der Toten

 

Wenn mich als Genreliebhaber eines in den letzten Jahren überrascht hat, dann war es definitiv der Punkt, wie Zombies plötzlich salonfähig wurden und als kultureller Bestandteil in unserer Gesellschaft einen festen Platz einnahmen. Ich komme noch aus einer Generation, wo ein Zombie und seine ihm typischen Nahrungsaufnahmerituale im Film die sofortige Indizierung oder gar Beschlagnahmung nach sich zog. Mittlerweile gibt es zu dieser Thematik nicht nur Filme, sondern auch noch Comics, TV-Serien, Webisodes, Mockumentaries, Fake-Sach- und Survivalhandbücher, und hier das erstaunlichste: die meisten Beiträge haben den qualitativen C- bis B- Sektor verlassen, und befinden sich auf einem ansprechend hohen Niveau!
Das dem so ist, verdankt man natürlich einigen Menschen, die sich bewusst mit ihrer Kreativität und ihrem Können für dieses Genre stark gemacht haben.
Allen voran steht wahrscheinlich der Großvater des Zombie-Genres: George Romero, der mit Night of the Living Dead 1968 den filmischen Grundstein legte.

Was dann folgte, waren Unmengen an teils billig produzierten Genrebeiträgen, die nie das Niveau des Originals erreichten. Erst wesentlich später brachte der Meister persönlich einen weiteren Beitrag der Geschichte schrieb, Dawn of the Dead, und das Genre auf ein intellektuelles hohes, sozialkritisches Niveau hob. Plötzlich war deutlich, dass das Genre so viel mehr zu bieten hat, als unappetitliche Matschereien.

Es sollte aber trotzdem noch viele Jahre dauern, bis dieser eingangs erwähnte Schritt kam, und Zombie-Beiträge ihre ihnen zustehende Anerkennung erhielten. Verantwortlich dafür waren einige Personen, die sich der Thematik auf humorvolle und überaus intelligente Weise nährten. Max Brooks veröffentlichte seinen Survival-Guide, um die Menschheit im Falle einer Seuche gewissenhaft vorzubereiten, Robert Kirkman erschuf eine bahnbrechende Comicserie namens The Walking Dead, die sich thematisch mit dem Überleben in einer zombifizierten Welt am Beispiel verschiedener Gruppen orientierte, und Z. A. Recht, der mit Die Jahre der Toten den Beginn einer Trilogie schuf, die aufzeigte, wie eine, hier detaillierter beschriebene Seuche weltweit die Menschheit ausrottet, so dass bisher gelebte Normen und Gesetze so wie moralische Vorstellungen außer Kraft gesetzt werden.

Robert Kirkman präsentiert hier nun nach dem Erfolg der Comics und der sagenhaften TV-Serie in Zusammenarbeit mit dem Autor Jay Bonansinga den ersten Roman The Walking Dead, der in dem bekannten Universum spielt, aber die Ideen der Comics weiterentwickelt. Die Zivilisation ist nach Ausbruch der Seuche zusammengebrochen, Recht und Ordnung werden von nun an anders definiert. Die Menschen, die die Seuche überstanden, befinden sich nun, zahlenmäßig unterlegen, in einem täglichen Kampf ums Überleben. Der Protagonist und Erzähler dieser Geschichte ist der zurückhaltende Brian, der mit seinem jähzornigen Bruder Philip Blake und dessen sieben Jahre alten Tochter Penny unterwegs sind. Außerdem gehören die Freunde Bobby und Nick zur Gruppe.
Der Roman gliedert sich in drei Teile. Abschnitt eins beleuchtet die Situation in einer von Zombies bevölkerten Welt mit all ihren Gefahren, während der zweite Abschnitt das Überleben in

Robert Kirkman

einer kleinen Gemeinschaft in einem etwas sicheren Umfeld einer Farm beleuchtet. Der dritte Teil zeigt dann den Aufbruch und die Suche nach einer neuen Heimat. Parallel wird man als Leser Zeuge, wie Menschen mit einer Vision und dem nötigen Charisma es schaffen, sich als Führer einer Gruppe hervorzuheben, um dann durch die dadurch entstehende Machtposition eine Diktatur durchsetzen, der sich die Mitglieder der Gruppe zu beugen haben. Hier erlebt man diesen Werdegang an Hand des Beispiels des Governor, der später einen zweifelhaften Ruf als wahrer Diktator hat, und mit harter Strenge seine Gruppe führt.

The Walking Dead ist eine interessante Ergänzung zur bisher bekannten Geschichte, die auch demjenigen, der sowohl Comics und Serie kennt, einige faszinierende Neuigkeiten zu bieten hat, aber auch von allen Lesern verstanden werden kann, die weder das eine, noch das andere kennen. Das Buch ist stilistisch simpel und temporeich geschrieben, bietet aber eine ziemliche Tiefe bei der Charakterisierung seiner Protagonisten, und damit für jeden Fan gute Unterhaltung.

Z.A. Recht

Der leider mit 26 Jahren viel zu früh verstorbene Z. A. Recht zeigt in dem Auftakt seiner Romantrilogie Die Jahre der Toten eine ähnliche Grundsituation, hier jedoch wird näher auf die Entstehung der Seuche, einem Virus namens „Morgenstern“ eingegangen, und der Versuch der Regierung, dies und seine Wirkung auf den Menschen zu vertuschen. Man erlebt als Leser, wie schnell sich solch ein Erreger durch die moderne Technologie weltweit ausbreiten kann, und wie schwer eine effektive Bekämpfung dann letztendlich ist. Somit ist dieser Roman eher vergleichbar mit einer Zombieversion des Films Contagion. Ärzte, Politik und Militär sind bemüht, die Lage in den Griff zu bekommen, stehen aber machtlos der Überzahl an Untoten gegenüber.

Die Jahre der Toten erzählt seine Geschichte anschaulich in Form von Mails und Situationsbeschreibungen, und verleiht der Geschichte dadurch stellenweise einen beinahe dokumentarischen Charakter. Gut und anschaulich beschrieben fasziniert der Roman dadurch, dass er bemüht ist, die strategischen Möglichkeiten der Überlebenden aufzuzeigen, und weniger den Kampf kleiner Gruppen in den Fokus stellt.

Sowohl Die Jahre der Toten als auch The Walking Dead (beide bei Heyne erschienen)beweisen, wie frisch und spannend das Genre auch heute noch sein kann. Kein Zeichen von Ermüdungserscheinungen, sondern der Willen, frische, spannende und interessante Geschichten zu erzählen, die jeden Fan begeistern werden.

 

Christian Funke-Smolka