Dean Koontz - Blindwütig  (Heyne)

Dean Koontz – Blindwütig (Heyne)

Es ist erstaunlich, wie festgefahren man doch manchmal mit seiner Meinung ist, wie schnell man jemanden in eine persönliche Schublade steckt. Dies fiel mir wieder deutlich auf bei der Lektüre des neuen, hier vorliegenden Dean Koontz

Dean Koontz

Romans Blindwütig (Heyne, 432 Seiten). Bei der Sichtung des Klappentextes und meiner Erfahrung aus vorausgegangenen Büchern von ihm, war ich auch hier auf einen spannungsgeladenen, solide geschriebenen Thriller eingestellt. Was hier aber überwiegt, und da hatte ich überhaupt nicht mit gerechnet, ist der Humor, der sich vor Allem in den zum Teil herrlich pointierten Dialogen zwischen den einzelnen Charakteren abspielt, hier insbesondere zwischen den Eltern Cubby und Penny und ihrem Sohn Milo, aber auch in Beschreibungen überwiegt der geschliffene Wortwitz und die Situationskomik. Dies macht Blindwütig zu einem unglaublich gut lesbaren, sehr kurzweiligen und extrem unterhaltsamen Buch, geht aber auf Kosten so manchen Spannungsbogens. Aber ich greife vor….

Die Geschichte handelt von dem Bestsellerautor Cubby Greenwich, verheiratet mit Penny, beide haben einen gemeinsamen, hochbegabten Sohn so wie einen Familienhund namens Lassie, also eine klassische Bilderbuchfamilie.
Als das neuste Werk des Autors von einem Kritiker namens Shearman Waxx komplett verrissen wird, beschließt Cubby Greenwich, gegen jeden gutgemeinten Rat, diesen Kritiker aufzusuchen.
So was kann gutgehen, muss es aber nicht, und da wir uns in einem Thriller befinden, wäre Option A die denkbar langweiligere für den Leser gewesen. So jedoch ist Waxx ein unglaublich bösartiger, sehr sadistischer Psychopath mit mörderischen Gelüsten, der nun seinerseits Jagd auf unsere Kleinfamilie macht.

Blindwütig wird, straff und temporeich geschrieben, aus der Ich-Perspektive des Autors Cubby Greenwich erzählt, welcher diese mit einem humorvollen und lässigen Plauderton vorträgt. So ist man als Leser nahe an der Geschichte, jedoch mit dem Nachteil, dass man als kundiger Thrillerfan weiß, dass einem Ich-Erzähler in der Regel eher wenig passieren darf, da er ja schließlich die Geschichte am Ende vortragen kann. Nun gut, da bin ich vielleicht ein wenig pingelig, aber ich mag es, wenn in einem Psychothriller der Ausgang für die Hauptperson ungewiss ist.
Was jedoch überzeugt, ist die Mischung aus harten und teils wirklich spannenden Situationen, und dem unglaublich lässigen Humor. Diese Kombination ist mir bisher lediglich bei Joe R. Lansdale oder Kinky Friedman begegnet, wo ich sie sehr genossen habe. In diese Aufzählung nun aber auch Dean Koontz mit einzureihen, wäre mir vorher im Traum nicht eingefallen. Nun gut, wie ich schon sagte, ich lasse mich gerne überraschen, und kann mir vorstellen, dass man als Bestsellerautor, der jährlich mindestens ein Buch im Rahmen seines Erfolgsschemas veröffentlicht, auch mal einen diebischen Spaß dabei hat, einen Roman zu veröffentlichen, der gegen alle Erwartungshaltungen verstößt, und mal eine ganz andere Seite, beziehungsweise den zusätzlich ausgestreckten Mittelfinger eines Schriftstellers zeigt.

Heyne veröffentlicht den Roman hier erstmals als Taschenbuch, das Covermotiv ist dabei schön gewählt, ohne zu viel von der Story preiszugeben. Im Anhang befindet sich noch zusätzliches Informationsmaterial in Form einer Kurzbiografie des Autors und einem umfangreichen Werkverzeichnis, sortiert nach Einzel- und Reihentiteln.

Man merkt als Leser deutlich den Spaß, den Koontz bei seiner Geschichte hatte, und dieser überträgt sich an vielen Stellen auch auf den Leser. Allerdings muss man sich dafür auf so manche skurrile Situation in der Geschichte einlassen können, um es vollends genießen zu können, denn es handelt sich hier um ein teils irrwitziges Humorstück im Kostüm eines beinharten Psychothrillers. Ungewöhnlich, aber nicht uninteressant, als humorvoll-augenzwinkernde Kritiker-Kritik eines Bestsellerautors jedoch grandios!

Christian Funke-Smolka