Derek B. Miller: "Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika" (rowohlt POLARIS)

Derek B. Miller: „Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika“ (rowohlt POLARIS)

Sie hat einen Menschen erschossen. Im Dienst und aus Notwehr, das hat sie schwarz auf weiß. Doch Chefinspektorin Sigrid Ødegård kommt über den Vorfall nicht hinweg. Denn in Norwegen schießt die Polizei nun mal keine Leute tot. Oslo ist nicht Amerika.
In Amerika sehen Polizisten anders aus. Manche, wie Sheriff Irv Wylie, tragen sogar Cowboyhut und Stiefel. Irv ist auf der Suche nach einem Mann, der seine Freundin umgebracht haben soll. Ein Europäer. Aus Norwegen. Und plötzlich hat Irv die Schwester des Flüchtigen am Hals. Will die Inspektorin aus Oslo Amtshilfe leisten? Oder Fluchthilfe?

Derek B. Miller, geboren in Boston und nach Stationen in Israel, England, Ungarn und der Schweiz seit längerem in Norwegen lebend, hat nach einer Promotion an der Universität Genf eine beeindruckende Karriere als Spezialist für Sicherheitspolitik absolviert. Er arbeitet für zahlreiche Gremien der UNO und Universitäten weltweit und ist Direktor eines Forschungsinstituts. «Ein seltsamer Ort zum Sterben» ist sein erster Roman, der zunächst auf Norwegisch veröffentlicht und seitdem in zahlreiche Länder (u.a. USA, Großbritannien, Australien, Frankreich, Israel, Niederlande, Spanien) verkauft wurde.

© rowohlt POLARIS & Camilla Waszink

Meinung zur Veröffentlichung:

Sigrid Ødegård, Chefinspektorin der Osloer Polizei, erschoss bei einem Einsatz einen Menschen. Auch wenn ihr Vorgehen korrekt und nach Dienstvorschrift war, kommt die Polizistin nicht über den Vorfall hinweg. Sie braucht eine Auszeit, die sie bei ihrem Vater, der abgelegen in den Bergen lebt, suchen möchte. Doch dieser erteilt ihr einen Auftrag: sie soll nach Amerika fliegen und dort ihren verschwundenen Bruder Marcus finden, den man verdächtigt, seine Lebensgefährtin ermordet zu haben…

Der seit längerer Zeit in Norwegen lebende amerikanische Autor Derek B. Miller präsentiert nach seinem fesselnden Debüt Ein seltsamer Ort zum Sterben, der im Original Norwegian By Night hieß, mit dem vorliegenden Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika seinen neusten, mittlerweile dritten Roman. Erneut präsentiert sich der Autor als virtuoser Erzähler, der mit pointierten Dialogen und einer Prise Humor auf kulturelle Unterschiede eingeht, die er aus eigener Erfahrung kennengelernt haben dürfte. Erneut nutzt er den Rahmen eines Kriminalromans, um seinen facettenreich gezeichneten Figuren die Bühne zur Entfaltung zu bieten. Hier liegt auch die wahre Stärke dieser Geschichte, die durch ihre Charaktere zum Leben erweckt wird. Starke Dialoge, punktgenaue Beobachtungen und zum Teil herrliche Situationskomik, gepaart mit dramatischen und tragischen Momenten machen aus Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika eine fesselnde Geschichte, bei der die Protagonisten greifbare Persönlichkeiten und ihre Handlungen größtenteils nachvollziehbar sind.

Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika (Originaltitel: American by Day, UK 2018) erscheint in einer Übersetzung aus dem Englischen von Jan Schönherr als Paperback mit Klappenbroschur bei rowohlt POLARIS. Im Anhang befindet sich eine Danksagung des Autors.

Derek B. Miller belegt mit Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika erneut seine erzählerische Stärke, auf humorvolle, teils nachdenklich stimmende Weise kulturelle Unterschiede aufzuzeigen und als festen Bestandteil in seine Geschichte einzubauen. Da er sein Sprachtalent seit seinem Debüt Ein seltsamer Ort zum Sterben kontinuierlich verfeinern konnte, haben wir hier eine so anregende wie unterhaltsame tragische Komödie, die im Gewand eines Kriminalromans daherkommt. Ein sehr lesenswertes Buch, welches ich gerne empfehlen kann.

Christian Funke