Don Winslow - Manhattan (Suhrkamp)

Don Winslow – Manhattan (Suhrkamp)

Auf der Suche nach der Wahrheit – in der Stadt, die niemals schläft

46440_winslowWeihnachten 1958 in New York: Die künftige First Lady und ihr Mann halten Hof in der Stadt, beglücken die Presse und beleben die Partylandschaft. Für ihre Sicherheit ist Walter Withers verantwortlich. Der Ex-CIA-Mann blickt tiefer hinter die Kulissen des Traumpaars, als ihm lieb ist – und findet sich bald im Zentrum einer Verschwörung wieder…

Walter Withers kündigt seinen einträglichen Job bei der CIA und kehrt als Personenschützer aus Schweden zurück in seine Herzensstadt New York. Es ist Weihnachten 1958, ein gutes Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl gilt der junge Senator Joe Keneally als heißester Anwärter der Demokraten auf den Posten. Ihn und seine Frau Madeleine soll Withers während ihres Aufenthalts in New York beschützen. Er kommt ihnen so nahe wie kaum ein anderer, flaniert mit ihnen über den Broadway, trifft auf Beat-Poeten und die High Society der Stadt, ist von Stars und Sternchen umgeben. Bis Marta Marlund tot in Withers’ Hotelzimmer gefunden wird – und er alle Hände voll zu tun hat, seine Unschuld zu beweisen…

Don Winslow wurde 1953 in der Nacht zu Halloween in New York geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in South Kingstown, Rhode Island, einer Kleinstadt am Atlantik. Sein Vater, der ihm Geschichten von seiner Zeit bei der Marine erzählte, beflügelte seine Fantasie und erweckte in ihm den Wunsch, eines Tages Schriftsteller zu werden.

Schon früh kam Winslow mit den Themen und Figuren in Berührung, die später eine so prominente Rolle in seinen Büchern spielen sollten. Einige Mafiagrößen des Patriarca-Syndikats lebten in seiner Nachbarschaft, und seine eigene Großmutter arbeitete Ende der 60er für den berüchtigten Mafiaboss Carlos Marcello, den mutmaßlichen Drahtzieher des Kennedy-Attentats, der den späteren Autor mehrere Male zu sich einlud.

Nach seinem Schulabschluss kehrte Don Winslow in seine Geburtsstadt New York zurück. Bevor er mit dem Schreiben begann, verdiente er sein Geld unter anderem als Kinobetreiber, als Fremdenführer auf afrikanischen Safaris und chinesischen Teerouten, als Unternehmensberater und immer wieder als Privatdetektiv.

Auch als Schriftsteller ist Don Winslow unermüdlich. Jeden Morgen um fünf setzt er sich an den Schreibtisch. Mittags läuft er sieben Meilen, in Gedanken immer noch bei seinen Figuren, um dann am Nachmittag weiterzuarbeiten. Dabei schreibt er mindestens an zwei Büchern gleichzeitig. Schreibblockaden kennt er nicht, im Gegenteil: Winslow sagt von sich, dass er bislang nur fünf Tage durchgehalten habe, ohne zu schreiben. Es ist eine Sucht, die bis heute ein Werk hervorgebracht hat, dessen Qualität, Vielseitigkeit und Spannung Don Winslow zu einem der ganz Großen des zeitgenössischen Krimis machen.

Don Winslow wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Krimi Preis (International) 2011 für Tage der Toten. Für die New York Times zählt Don Winslow zu einem der ganz Großen amerikanischen Krimi-Autoren.

Meinung zum Buch:

Wir befinden uns im New York des Jahres 1958. Der Fokus der Leser wird dabei auf die Tochter einer der reichsten Familien Neuenglands gerichtet: Madeleine Keneally, denn sie ist die Frau an der Seite Senator Joe Keneallys, der als einer der jüngsten Präsidentschaftskandidaten für die Demokratische Partei ins Rennen geht. Doch das Paar sind nicht die Hauptfiguren in Manhatten, der Autor lässt uns das Geschehen aus der Perspektive des Personenschützers Walter Withers betrachten, der einen zu intensiven Blick hinter die Kulissen des Glamours geworfen hat und dafür nun die Folgen zu spüren bekommt.

Don Winslow

Don Winslow

Als Leser merkt man Don Winslow seinen Spaß an dieser Zeit deutlich an. Es handelt sich hier um eine Zeit, in der er groß geworden ist, die er seine ihn prägende Jugendzeit nennt. Eine Zeit, wo der Mobster die heimliche Macht einer Stadt darstellte und Starlets durch die Medien gingen. Dabei merkt man es dem Autor an, dass er alle Aspekte dieser Zeit akribisch in seine Geschichte einfließen lassen will, um somit ein authentisches und greifbares Bild zu kreieren. Ebenfalls bemerkt man an einigen Stellen jedoch auch, dass man hier einen Schriftsteller hat, der noch am Beginn seiner Karriere steht und seinen ihm eigenen Schreibstil noch nicht zur Gänze gefunden zu haben scheint.

Manhattan (Suhrkamp, 404 Seiten, €9,99) ist ein frühes Werk des Autors und wurde im Jahr 1996 unter dem Originaltitel „Isle of Joy“ veröffentlicht (1997 dann in der deutschen Übersetzung als „Manhattan Blues“). Hier vorliegend haben wir nun die Neuauflage mit dem prägnanten Titel Manhattan. Schon hier zeigt sich Don Winslow, es handelt sich hier um seinen vierten Roman, als fundierter Erzähler, der die Hintergründe seiner Geschichte hervorragend recherchierte, was sich gerade in den sehr detaillierten Beschreibungen der im Roman verwendeten Zeit und den damit verbundenen Gepflogenheiten zeigt.
Was man jedoch vergeblich sucht sind seine markanten Satzgestaltungen, die in seinen späteren Romanen so prägnanten auf Effizienz ausgerichtet sind. Ausschweifende Erklärungen und lange Dialoge sind meilenweit von seinen beispielhaften Romanen (ich denke da an „The Kings of Cool“) entfernt, wo ein Kapitel mal nur aus einem bis zwei Sätzen bestehen kann!

24326965zManhattan ist eine Liebeserklärung an das New York der späten 50’er, wie man es in verklärenden Bildern aus den nostalgisch anmutenden Gangsterfilmen kennt. Dass er sich jedoch nicht in romantisierenden Klischees verheddert, ist dabei der virtuose Kunstgriff Don Winslows. Stattdessen zeichnet er ein teils hartes, düsteres Bild dieser Zeit, welches sich neben dem Glamour auch durch Verbrechen, Korruption und Gewalt auszeichnete und gelangt dadurch in die literarische Nachbarschaft eines James Ellroy!

Manhattan ist für die Leser, die Don Winslow nicht nur wegen seines lässigen Schreibstils und seiner coolen Drogen- und Surfgeschichten lieben, sondern auch etwas mit seinen epischen und ausschweifenden Werken anzufangen wissen! Eine wunderbare Gelegenheit, sich auch mal mit seinen frühen Romanen auseinanderzusetzen! Es lohnt sich!!

Christian Funke-Smolka