Don Winslow - Pacific Paradise  (Suhrkamp)

Don Winslow – Pacific Paradise (Suhrkamp)

 

Boone Daniels ist schon ein sehr spezieller Mensch. In seinem Job als Privatdetektiv ist der ehemalige Polizist wenig ausgelastet, und findet so mehr Zeit, seinem Hobby zu frönen: am Pacific Beach in Kalifornien zu surfen. Dort trifft er auf die Profis der Dawn Patrol, aber auch auf eine ganze Reihe anderer, skurriler Typen. Die Lebensphilosophie der Hippies ist mittlerweile auch hier längst Geschichte, und so trifft man auf rechtsradikale Surfer, die für einen reinen Strand eintreten, ihren Nachwuchs terrorisierende Väter und Angeklagte, die mit ihren Taten prahlen.
Als er eines Tages von einem alten Freund den Auftrag erhält, dessen Frau zu überwachen, hätte er dies lieber abgelehnt. Als dann aber kurze Zeit später auch noch der Profisurfer Kelly „K2“ Kuhio aus Hawaii erschlagen wird, bedeutet das für Boone, dass er sich mitten in einem brenzligen Fall befindet, und sogar gegen die eigenen Freunde ermitteln muss. Die Luft für unseren Privatermittler wird immer dünner, denn plötzlich steht er unter Mordverdacht, hat ein Drogenkartell am Hals und immer weniger Freunde…

Der Autor Don Winslow führte ein wohl ebenso aufregendes Leben wie die meisten seiner Protagonisten. Der am 31. Oktober 1953 in New York City geborene Schriftsteller studierte afrikanische Geschichte. Nach dem Studium arbeitete er in Kinos oder als Privatdetektiv, später auch als Safarileiter in Kenia und China. Danach folgte ein weiteres Studium mit dem Schwerpunkt Militärgeschichte.

Er begann zu schreiben, und hatte 1997 mit seinem Roman The Death and Life of Bobby Z (wurde auch erfolgreich verfilmt) seinen ersten Durchbruch. Seinen größten Roman jedoch lieferte er mit dem monumentalen Epos über den Drogenkrieg in Mexiko: Tage der Toten.

Don Winslow

Don Winslow ist dafür bekannt, lange und intensiv für seine Bücher zu recherchieren, damit diese einen hohen Grad an Realismus besitzen, und bis ins kleinste Detail authentisch sind. Mittlerweile hat der Workaholic sechzehn Romane (fast alle bei Suhrkamp erschienen, viele davon mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet) und diverse Drehbücher veröffentlicht.

Pacific Paradise ist mittlerweile der zweite Roman um den charmanten Ermittler, der für dieses Genre erfrischend wenig kaputt erscheint. Er hat weder ein Alkohol- oder Frauenproblem, noch irgendwelche Depressionen oder Sinnkrisen, sondern erfreut sich daran, an einem der schönsten Flecken der Erde surfen zu können. Wären da eben nicht die Situationen, in die er immer wieder hineinstolpert.
All dies wird von Don Winslow charmant, ja sogar ziemlich lässig und cool beschrieben und lässt sich auf Grund des sprachgewandten und punktgenau pointierten Schreibstils herrlich flüssig lesen. Der Autor weiß genau, wie er mit wenigen Sätzen Atmosphäre erzeugt, und beim Leser Bilder kreiert. Dadurch ist die Reihe um Boone Daniels zwar stellenweise nicht so ernsthaft und literarisch wie zum Beispiel sein meisterhafter Roman Tage der Toten, bietet aber perfekte, spannende und überaus fesselnde Unterhaltung, die sich auch hervorragend als Strand- und Urlaubslektüre eignet!

Christian Funke-Smolka