Donald Ray Pollock - Das Handwerk des Teufels (Heyne Hardcore)

Donald Ray Pollock – Das Handwerk des Teufels (Heyne Hardcore)

Die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Aber sie stirbt.

Das Handwerk des Teufels von Donald Ray PollockAnfang der Sechzigerjahre kollidieren in einer abgelegenen Gegend in Ohio die Lebenswege eines Serienkillerpaares, zweier religiöser Fanatiker, eines korrupten Sheriffs und eines jungen Mannes, dem der Glaube an das Gute abhandengekommen ist. Seit Langem hat sich kein Erzähler mehr mit einer solchen Wucht in die erste Reihe der amerikanischen Literatur katapultiert. In seinem Debütroman entwirft Donald Ray Pollock eine Schreckensvision menschlicher Abgründe, brutal, nachtschwarz und ohne Hoffnung.

Donald Ray Pollock, geboren 1954, wuchs im US-Bundesstaat Ohio auf. Mit siebzehn Jahren brach er die Highschool ab und nahm einen Job in einer Fleischfabrik an. Danach arbeitete er über dreißig Jahre in einer Papiermühle, zumeist als Lastwagenfahrer. Ende der achtziger Jahre holte er in Abendkursen seinen Schulabschluss nach und schrieb sich an der Ohio State University ein. 2008 erschien sein literarisches Debüt, der von der amerikanischen Presse gefeierte Erzählband »Knockemstiff«. Donald Ray Pollock lebt mit seiner Frau in Chillicothe, Ohio.

Meinung zum Buch:

Es gibt Bücher, die stellen den Leser vor grundlegende Fragen. Diese müssen primär nicht unbedingt den Inhalt betreffen, sondern fangen schon an dem Punkt an, ob einem das Buch gefällt, oder nicht. Hier wiederum stellt sich dann für den Leser die Frage, wie man „gefällt“ definiert. Hat mir das Buch Spaß gemacht, hat es mich unterhalten? Ist es automatisch gut, wenn es einen unterhält? Oder der Umkehrschluss: ist es schlecht, wenn es das eben nicht tut? Um auf den Punkt zu kommen! Das Handwerk des Teufels hat mich nicht unterhalten, besser formuliert: es hat mir keinen Spaß gemacht! Ist es deswegen automatisch schlecht? Nein! Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, das Romandebüt des Amerikaners Donald Ray Pollock ist ein kleines literarisches Meisterwerk, eine Perle der zeitgenössischen Literatur, welches jedoch so böse, bitter und niederschmetternd in seiner Geschichte, ja sogar in seiner gesamten Weltanschauung ist, dass die Lektüre zwar fasziniert, jedoch alles andere als ein Vergnügen ist. Das Handwerk des Teufels versammelt Charaktere, die dermaßen unsympathisch, verkommen, korrupt und kaputt sind, dass man ihnen im wahren Leben nie begegnen möchte, ihnen sogar beim lesen des Buches im freundlichsten Fall mindestens die Pest wünscht. Ob es das in Serie mordende Pärchen ist, der pädophile, alkoholabhängige Wanderprediger, oder der kriegstraumatisierte Willard, der letztendlich verrückter als eine Scheißhausfliege ist, sie alle verkörpern eine gesellschaftliche Schicht, die unter einem Mantel der Gleichgültigkeit einen Zorn tragen, der sich wie ein brodelnder Vulkan jederzeit unkontrolliert entladen kann.

In drei parallel laufenden Handlungsebenen konfrontiert uns der sehr spät zur Schriftstellerei gekommene Donald Ray Pollock mit einer verfaulten und verrotteten Gesellschaft, wie sie dabei schlimmer kaum sein kann. Unter dem Deckmantel der Gläubigkeit präsentiert sich ein Alptraum aus Dreck und Zerstörung, der schonungslos das überall lauernde Böse darstellt. In einer unprätentiösen, auf Effizienz ausgerichteten Prosa seziert der Autor ungeschönt seine Sicht einer Normalität des amerikanischen Lebens der 50er und 60er. Gerade diese Schnörkellosigkeit ist es, die Das Handwerk des Teufelsdie Subtilität eines Vorschlaghammers beschert.

 Donald Ray Pollock

Donald Ray Pollock

Heyne Hardcore veröffentlicht Das Handwerk des Teufels (304 Seiten, € 9,99) in einer visuell schön gestalteten Taschenbuchausgabe mit Klappbroschur.

Donald Ray Pollock katapultiert sich nach seinem Erzählband mit seinem hier vorliegenden Romandebüt Das Handwerk des Teufels an die Spitze amerikanischer Chronisten. In seiner Schonungslosigkeit bieten sich Vergleiche mit Ellroy zwangsläufig an, dem der Autor jedoch noch eine Prise „Die Nacht des Jägers“ beigemischt hat. Ein Buch, so angenehm wie ein Flugzeugabsturz, welches mit seiner Wucht jedoch von der ersten bis zur letzten Seite gefangen nimmt… wenn man als Leser gute Nerven und einen starken Magen mitbringt.

Christian Funke-Smolka