Duane Swierczynski Der Wärter (Heyne)

Duane Swierczynski Der Wärter (Heyne)

 

Autor Duane Swierczynski, Jahrgang 1972, war Redakteur des Philadelphia City Paper, ehe er sich ganz der Schreiberei widmete. Neben einigen Romanen und Sachbüchern (teils unter einem Pseudonym verfasst, da die Verlagshäuser seinen Namen zu kompliziert fanden), schrieb er Geschichten für Comic-Serien und Graphik Novels. Hier waren vor Allem seine Beiträge zu den Reihen um den Punisher, die X-Men oder Moon Knight ein großer Erfolg. In der Thriller-Szene erlangte er größere Bekanntheit durch die Kooperation mit dem CSI-Macher Anthony E. Zuiker, und dem gemeinsam verfassten, interessanten Roman Level 26 – Dark Origins (wo der Leser zu jedem Kapitel ergänzende Informationen mit Hilfe eines im Buch erlangten Codes über das Internet abrufen konnte). Hier nun vorliegend haben wir Der Wärter, dem zweiten Teil der Trilogie um den Ex-Cop und jetzigen Polizeiberater Charles Hardie, und gleichzeitig Swierczynskis siebter Thriller.

Die Geschichte setzt direkt dort an, wo der erste Teil, Der Bewacher, endete. Hier hatte Ex-Cop Charles Hardie, ein literarisches Pendant zu Bruce Willis in den Die Hard – Filmen, in Hollywood dank der Schauspielerin Lane Madden den ersten Kontakt mit einer strenggeheimen Organisation von gefährlichen Attentätern, und wird dadurch sehr schnell selbst zur Zielscheibe. Diese entführen ihn, und verfrachten ihn in ein abgelegenes Hochsicherheitsgefängnis. Hier hausen neben den üblichen Gefangenen eine Vielzahl an hochgefährlichen Tätern und Psychopaten, und Hardie wird als deren Wärter eingesetzt. Sollte er dem nicht Folge leisten, tötet man ihn und seine Familie. Eine blöde Situation, aber Hardie wäre nicht der, der er ist, wüsste er nicht eine Möglichkeit, auch diese Situation zu überstehen.

Auch im zweiten Teil der Trilogie erweist sich der Protagonist Charles Hardie als ziemlicher tough guy, der lässig und immer mit dem passenden Spruch auf den Lippen den Bösen in den Hintern tritt. Dabei scheint er übermenschlich und nahezu unsterblich, da selbst die schlimmste Verletzung ihn nicht umbringt, sondern höchstens minimal einschränkt. Als Leser fühlt man sich charmant an die Actionfilme der 80er und 90er erinnert, wo nach einem ähnlichen Prinzip vorgegangen wurde. Erst schießen, dann fragen, Figurenentwicklung ist Nebensache und Kommunikation findet in Form von schmissigen Einzeilern statt.

Duane Swierczynski

Auch wenn der Autor den Inhalt des ersten Teils (Der Bewacher, Heyne, 8,99€) in einer kurzen Zusammenfassung demjenigen darstellt, der diesen nicht gelesen hat, macht die Lektüre mit dem detaillierteren Hintergrundwissen mehr Spaß! Die angefangene Geschichte um die mächtige Geheimorganisation organisierter Attentäter wird fortgeführt, und weiter ausgebaut, aber auch dieser Mittelteil der Trilogie endet mit einem Cliffhänger, der dann im Finale aufgelöst wird.

Stilistisch erinnert die Lektüre an einem schriftlichen Video-Clip. Rasant, hart, und mit einem unglaublichen Tempo wird der Leser mit seinem Helden durch die Geschichte gepeitscht. Das hohe Tempo lässt einen so einige Logiklöcher glatt überlesen, aber selbst wenn man sie bemerken würde, spielt es keine große Rolle, da der Roman sich selbst, zum Glück, nicht wirklich ernst nimmt, sondern nur unterhalten möchte. Wie schon im ersten Teil, werden alle Kapitel mit einem Zitat (in der Regel aus einem Rock-Song) begonnen, und hier ist dies dann auch Programm: it’s only Rock’n’Roll, but I like it!!

Duane Swierczynski hat mit Der Wärter einen buchgewordenen B-Movie geschaffen, der (mit der entsprechenden Einstellung des Lesers) hervorragend unterhält. Wer mal wieder Spaß an rasanter Unterhaltung hat, soll sich bitte jetzt anschnallen, zurücklehnen und Der Wärter lesen!

Christian Funke-Smolka