Ed Falco/ Mario Puzo: Die Corleones - Die Vorgeschichte zu “Der Pate” (Klett-Cotta)

Ed Falco/ Mario Puzo: Die Corleones – Die Vorgeschichte zu “Der Pate” (Klett-Cotta)

 

Jedem Liebhaber guter, intelligenter und epischer Krimiunterhaltung läuft bei der Erwähnung der Familie Corleone, besser bekannt als Der Pate, das Wasser im Munde zusammen! Roman als auch die kongeniale Verfilmung setzten Maßstäbe und werden zurecht als Meisterwerke bezeichnet. Eng verbunden mit der Geschichte des Paten ist die des Autors Mario Puzo. Geboren als Sohn italienischer Einwanderer im Jahr 1920 in New York, gelang es ihm, ein auf persönliche Erfahrungen beruhendes authentisches Bild in seinen Geschichten zu entwerfen. Seine letzte Geschichte um den Mafia Clan schrieb er 1996, und verstarb drei Jahre später auf Long Island. Sein Vermächtnis war ein Drehbuch, welches die Vorgeschichte des Paten Vito Corleone beleuchtet, und zu Beginn der 30er Jahre angesiedelt ist. Dieses nahm Edward Falco als Grundlage für seinen hier vorliegenden Roman Die Corleones – Die Vorgeschichte zu „Der Pate“ (Klett-Cotta, 477 Seiten, gebundene Ausgabe). Ed Falco wurde 1948 in Brooklyn geboren, und hat bisher vier Romane, mehrere Kurzgeschichtensammlungen sowie zahlreiche Theaterstücke veröffentlicht. Derzeit lehrt er an der Virginia Tech University. Kleines Detail am Rande: Ed Falco ist der Onkel der Schauspielerin Edie Falco, die die Rolle der Carmela Soprano in ebendieser Serie verkörpert.

Edward Falco

Die Geschichte der Corleones spielt in einem Zeitraum des Winters 1933 bis Frühjahres 1934 (aufgeteilt auf zwei Buchabschnitte namens „Mostro“ und „Guerra“), und zeigt uns den etwa vierzig Jahre alten Vito Corleone, der lernen muss, in der kriminellen Unterwelt zu überleben, und an diesen Anforderungen zu wachsen. Wir lernen seine Familie kennen, vor Allem die jungen Söhne Michael, den jähzornigen Sonny und Fredo, später dann auch den Ziehsohn Tom.
Als Olivenölhändler führt er nach außen ein solides Leben, widmet sich aber im Hintergrund ganz seinen kriminellen Geschäften, wie zum Beispiel dem Alkoholschmuggel. Als die Regierung 1933 das Alkoholverbot aufhebt, gilt es für Vito, neue Geschäftszweige zu erschließen, doch die Konkurrenz ist groß und brutal.

Mario Puzo

Ed Falco gelingt hier ein kleines Meisterwerk. Geschickt erzählt er seine komplexe Geschichte auf mehreren Erzählebenen, beleuchtet die vielen Seiten der Handlung aus unterschiedlichen Perspektiven, und wenn man sich als Leser an die Vielzahl der Namen und den dazugehörigen Familien gewöhnt hat, taucht man tief in die

epische Welt des Paten ein, und erlebt einen allumfassenden Roman, der sich detailgetreu an die literarischen Vorgaben hält, und diese im Stile Puzos weiter ausbaut! Der Autor ist offensichtlich bemüht, auch die letzte Nebenfigur aus den bekannten Romanen irgendwie in die Geschichte einzubinden, was sie zu einer sehrausschweifenden, epischen heranwachsen lässt, aber auch Andeutungen, wie zum Beispiel die früheren Taten des Auftragskillers Luca Brasi, mit aufzunehmen. Dabei werden den bekannten Figuren neue, interessante Nuancen hinzugefügt.

Stilistisch ist der Roman sehr souverän und anschaulich-beschreibend verfasst, und erzählt trotz der Dramatik der Geschichte diese angenehm ruhig. Am Ende des Buches findet man ein Glossar, welches Übersetzungen der genutzten fremdsprachigen Begriffe, Schimpfworte und so weiter erklärt.

Die Corleones – Die Vorgeschichte zu „Der Pate“ ist packend, faszinierend und bietet einen unverzichtbaren, fesselnden Blick auf eine der wohl populärsten Familien des Mafia-Genres. Hervorragend erzählt schwelgt der Roman in seiner Geschichte und den darin vorkommenden Figuren, und bietet dadurch ein dichtes Bild mit einer unglaublichen Atmosphäre.

Christian Funke-Smolka