Edward Rutherfurd - Im Rausch der Freiheit: Der Roman von New York (Blessing Verlag)

Edward Rutherfurd – Im Rausch der Freiheit: Der Roman von New York (Blessing Verlag)

Edward Rutherfurd wurde 1948 als Francis Edward Wintle in Salisbury, England geboren. Nach seinem Studium in Cambridge und Stanford arbeitete er in der Buchbranche, und widmete sich nebenbei dem Schreiben historischer Romane. 1987 erschien sein erster Roman namens Sarum, der sich der Geschichte Salisburys und Stonehenge widmete, indem der Autor die Geschichte einiger Familienstämme über einen Zeitraum von zehntausend Jahren erzählte. Der Roman wurde ein internationaler Bestseller, der sich über 23 Wochen auf der New York Times Bestseller Liste halten konnte, und dem Autor den Weg für weitere historische Romane über London und Dublin ebnete.

Hier vorliegend haben wir nun seinen großen historischen Roman Im Rausch der Freiheit – Der Roman von New York (Blessing Verlag, gebundene Ausgabe, 1152 Seiten), der wahrhaft episch ist! Erneut erzählt er die Geschichte einer Stadt an Hand der Lebenswege verschiedener Familien über einen Zeitraum von dreihundert Jahren.

Auf der einen Seite haben wir die niederländische Einwandererfamilie der van Dycks, die dank der indianischen Mohawks, welche am Hudson Valley lebten, zum Pelzhandel kamen, und sich hiermit eine übergeordnete berufliche Position in New Amsterdam erarbeiten konnten.
Dann wären da die Kellers, eine deutsche Gelehrtenfamilie, welche im 19. Jahrhundert nach New York umsiedelten. Ihre Familie war geprägt von Künstlern und Gelehrten, die sich in den wilden 20ern des vorletzten Jahrhunderts in den damals dort angesagten Kneipen und Jazzclubs aufhielten.
Einen Abschnitt widmet der Autor der puritanischen englischen Kaufmannsfamilie Masters, die zur Zeit des Aufstandes der amerikanischen Kolonien gegen das Mutterland angesiedelt ist, und somit auch den Bürgerkrieg und die damit zusammenhängende Sklavenfrage miterlebte. Später treffen diese auf die van Dycks, um sich mit diesen zusammenzuschließen. Außerdem treffen wir hier auch auf Quash, einen ehemaligen afrikanischen Sklaven, der sich im neuen New York zurechtzufinden versucht.
Im Jahre 1901 beginnt dann die Geschichte der Carusos, die aus Neapel kommend sich im Stadtteil Little Italy ansiedeln. Das Großstadtleben fordert bei Ihnen seinen Tribut, scheint es doch eine ganz andere Welt als die der alten Heimat zu sein. Hier findet der Leser die zwar schönste, aber auch tragischste Liebesgeschichte dieses Romans.

Es ist schwierig, alle Abschnitte und Teile adäquat widerzugeben. Im Rausch der Freiheitist eine farbenprächtige, an Informationen und Anekdoten überbordende Geschichte, die die Entstehung einer Stadt über einen Zeitraum von dreihundert Jahren erzählt. Die fiktiven Familien erleben dabei alle relevanten historischen Ereignisse, und treffen im Verlauf der Geschichten auf bekannte Persönlichkeiten wie etwas Theodore Roosevelt, Abraham Lincoln, George Washington, den Großunternehmer J.P. Morgan oder den Multimillionär Johann Jakob Astor.

Edward Rutherfurd

Im Rausch der Freiheit ist in der vorliegenden deutschen Version die derzeit längste Fassung des Romans. Die US-Version zum Beispiel wurde auf 862 Seiten heruntergekürzt. Edward Rutherfurd gewann mit seiner detaillierten und lebendigen Beschreibung zu Recht den Langum Prize for American Historical Fiction 2010!

Im Rausch der Freiheit ist ein wundervolles Buch, welches wunderbar mit antiken Karten von Mike Morganfield illustriert wurde. Die weit über 1000 Seiten sind prall voll mit historischen Episoden, und die lebendigen Beschreibungen lassen die Entstehungsgeschichte bildhaft werden. Als Leser erlebt man New York als eine lebendige, farbenfrohe Stadt, die mit den Menschen, die in dieser Stadt leben, viel erlebt hat, und noch erleben wird. Dies wird auf der persönlichen Seite durch die Schicksale der genannten Familien geschildert, auf der nichtfiktionalen Ebene geschieht dies durch die Bezüge zu realen Vorkommnissen wie dem Bürgerkrieg bis hin zu den Terroranschlägen vom 11.09.2001. Detailliert, anschaulich und auch lehrreich erzählt der Autor seine Geschichte, und vermittelt damit ein lebhaftes Bild einer ganzen Stadt! Episch und sehr empfehlenswert!

Christian Funke-Smolka