Elmore Leonard - Road Dogs  (Suhrkamp)

Elmore Leonard – Road Dogs (Suhrkamp)

Man möchte sich vor ihm verneigen: Elmore Leonard! Geboren als Elmore John Leonard, Jr. Im New Orleans des Jahres 1925, begann er schon sehr früh mit der Schreiberei, und veröffentlichte seine Geschichten in einer Schülerzeitung.
Nach seinem Dienst bei der Navy während des zweiten Weltkrieges studierte er, und arbeitete nebenher in einer Werbeagentur.
Gleichzeitig jedoch schrieb er weiterhin Geschichten, so dass es ihm Anfang der 50er gelang, die ersten offiziell zu veröffentlichen. Waren es zu Beginn Westerngeschichten (zum Beispiel Todeszug nach Yuma), so widmete er sich später immer mehr dem Thriller – Genre, erlangte aber erst 1985 mit seinem Roman Glitz größeren Erfolg! Dies mag damit zusammenhängen, dass er sich von jeher den traditionellen Vorgaben des Genres verwehrte, sein Augenmerk weniger auf eine typische Krimihandlung mit den allgegenwärtigen Ermittlern richtete, sondern seinen Schwerpunkt auf eine detaillierte, liebevolle Milieustudie und dem Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, Rassen, Berufen und Ansichten legte. Erst hier, in diesem Miteinander, wo teils Unsicherheiten der einzelnen Charaktere im Umgang mit dem Anderen beschrieben wurde, kam es dann oftmals zu Gewalttätigkeiten, aber auch unerwarteten Kooperationen. Dadurch entwickelten die Geschichten stets eine eigene, Leonard-typische Dynamik!
Dieser ihm eigene Stil wurde zudem noch geprägt von einem fundierten Wissen und einer präzisen Darstellung der jeweiligen Sachkultur (Autos, Hobbies, Musik, Prestigeobjekte, usw.) seiner in der Geschichte beschriebenen Zeit und den darin vorkommenden unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten.

Da sich Elmore Leonard laut eigener Aussage nie als Künstler, sondern eher als Handwerker sieht, fehlt es ihm glücklicherweise oftmals an der falsch eingesetzten Ernsthaftigkeit, die so manchem „künstlerischen“ Autor zu Eigen ist. Dadurch gelingt ihm ein lässiger, cooler Umgang mit Handlung und Charakteren, den er mit einem sarkastischen Witz und den gepfefferten, treffsicheren Dialogen paart.
Dieses Markenzeichen findet sich auch in seinem hier vorliegenden Roman Road Dogs (Suhrkamp Taschenbuch, 304 Seiten).

„Wir sind Road Dogs, Mann, wir helfen einander….“

So lässt sich am Besten der Begriff des Titels erklären. Auf der knapp einstündigen, wortlosen Fahrt ins Gefängnis lernen sich der kubanische Gangster Cundo Rey und der, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, beste Bankräuber der US-Geschichte namens Jack Foley kennen, und werden Freunde. Sogenannte Road Dogs, die im Knast aufeinander aufpassen. Das hat Foley auch dringend nötig, wurde er doch zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Doch der Anwalt seines Kumpels Cundo holt ihn vorzeitig raus, woraufhin dieser ihn bittet, auf Dawn, Cundos Frau, aufzupassen. Diese arbeitet als Hellseherin mit einer eher entspannten Arbeitsmoral, und versucht, Foley erst für ihr Geschäft einzuspannen, und später mit ihm das Vermögen Cundos zu rauben.

Doch eigentlich möchte Foley nur ein neues Leben beginnen, aber ihm auf den Fersen ist ein schräger FBI-Beamter, und eine ganze Reihe anderer skurriler Figuren, was seine Planung letztendlich nicht einfacher macht…

Road Dogs ist ein lässiger, leichtfüßiger Roman in der Tradition der Klassiker Leonards, etwa Schnappt Shorty, Jackie Brown oder Out of Sight (dessen Fortsetzung Road Dogs ist), der hervorragend von Conny Lösch und Kirsten Riesselmann übersetzt wurde. Es ist beeindruckend, dass ein knapp 90 Jahre alter Mann in seinen Geschichten pointierter und cooler schreibt, als dies den meisten Autoren jüngeren Alters je gelingen würde. Hinter- beziehungsweise Tiefsinnige Dialoge, Anspielungen auf frühere Werke, eine unglaubliche Kenntnis über die Handlungsorte, Sprache und den zwischenmenschlichen Umgang machen Road Dogs zu einem unterhaltsamen Meisterstück des großen Alten der Krimiliteratur!

Christian Funke-Smolka