Emil Ferris: "Am liebsten mag ich Monster" (Panini Comics)

Emil Ferris: „Am liebsten mag ich Monster“ (Panini Comics)

Die zehnjährige Karen Reyes führt ein ganz besonderes Tagebuch: Neben ihren Alltagsbeobachtungen zeichnet sie Monster aus Trash-Horrorfilmen und alten Pulp-Magazinen. So bewältigt sie ihren Alltag in den USA der 1960er-Jahre und sammelt Spuren und Hinweise, die zur Aufklärung des Mordes an ihrer Nachbarin Anka Silverberg beitragen sollen.

Emil Ferris verarbeitet in Am liebsten mag ich Monster ihre eigene Vorliebe für Horror-B-Movies und Grusel- Groschenhefte und bettet dies in eine Geschichte ein, die die sozialen Spannungen im Chicago der 1960er Jahre mit einer Geschichte des Erwachsenwerdens verknüpft.

© Panini Comics

Meinung zur Veröffentlichung:

Es gibt sie noch, die Graphic Novels, die man in die Hand nimmt, die einen komplett überraschen und mit ihrer Geschichte und der gesamten Gestaltung so in den Bann ziehen, dass man sie gar nicht mehr weglegen möchte! Am liebsten mag ich Monster, dass Erstlingswerk der Autorin und Zeichnerin Emil Ferris ist solch ein Glücksfall! Ihre Geschichte ist angesiedelt im Chicago der 1960er Jahre und handelt von der zehnjährigen Karen Reyes, die den Tod ihrer Nachbarin aufzuklären versucht. Doch die 1962 in Chicago geborene Autorin und Cartoonistin Emil Ferris beschränkt sich natürlich nicht nur auf diese Erzählebene, sondern bietet eine anrührende Coming-of-Age-Geschichte, die das Leben der jungen Karen, einem Unterschichtenkind mit Latino-Herkunft, die sehr unter den Hänseleien und tätlichen Angriffen ihrer Schulkameraden leidet, gleichzeitig jedoch die Wirren der Pubertät durchläuft und feststellt, dass sie sich eher zu Mädchen, als zu Jungs hingezogen fühlt, erzählt. Ferris hat sich dabei für ihre Geschichte einen besonderen Kniff ausgedacht, der Am liebsten mag ich Monster zu etwas ganz Besonderem macht. Denn ihre Graphic Novel ist ein gezeichnetes Tagebuch, welches die zehnjährige Karen, die Monsterfilme und Groschenromane liebt, in genau diesem Stil verfasst. In ihrem mit Blei- und Buntstiften auf liniertem Papier gezeichneten Tagebuch schafft sie sich eine von Monstern bevölkerte Phantasiewelt, in welcher sie sich als junge Werwölfin bewegt und bietet so ein ungewöhnliches, ja außergewöhnliches Lesevergnügen.

Emil Ferris, die als Illustratorin und Spieleherstellerin arbeitete, infizierte sich 2001 durch einen Moskitostich mit dem West-Nil-Virus und war seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt und konnte zudem ihre rechte Hand nicht mehr bewegen. Mühsam erkämpfte sie sich ihren Weg zurück, wobei ihr das Zeichnen nicht nur eine mentale Stütze war, sondern auch die Möglichkeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu trainieren. Sie erlangte ihren Abschluss im „Kreativen Schreiben“ an der School of the Art Institute of Chicago und begann ihre Arbeit an Am liebsten mag ich Monster, welches sie sechs Jahre später beendete. Der Lohn dieser Arbeit war nicht nur ein bahnbrechendes Debüt, sondern neben drei Eisner Awards auf der San Diego Comic Con auch noch zwei Ignatz Awards zu erhalten.

Der Ausnahme-Comic Am liebsten mag ich Monster (Originaltitel: My Favorite Thing Is Monsters, USA 2017) erscheint bei Panini Comics als großformatiges, wunderschön und aufwändig gestaltetes Softcover (420 Seiten, 39,00€).

Wer Spaß an einem außergewöhnlichen Buch hat, welches in beeindruckender Kleinarbeit von Panini Comic für den deutschen Markt adaptiert wurde, der kommt an diesem unglaublichen Debüt Am liebsten mag ich Monster nicht vorbei! Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung!

Christian Funke