Ennis & Robertson: “The Boys” - Gnadenlos - Edition (Dynamite/Panini Comics)

Ennis & Robertson: “The Boys” – Gnadenlos – Edition (Dynamite/Panini Comics)

Sex, Gewalt und völlig enthemmte Superhelden! Der erste gnadenlose Hardcover-Sammelband der tabulosen, für den Eisner Award nominierten Hit- Serie THE BOYS, geschrieben von Superstar Garth Ennis (PREACHER, CROSSED) und mit Zeichnungen von Darick Robertson (TRANSMETROPOLITAN).

© Dynamite/Panini Comics

Meinung zur Veröffentlichung:

Der dem etwas abseitigen Lese-Spaß nicht abgeneigte Comic-Freund weiß, dass der irische Autor Garth Ennis, der uns schon mit so manchem unterhaltsamen Meisterwerk beglückte, eines nicht mag: Superhelden! Er akzeptiert die großen Werke mancher Künstler, empfindet aber nach eigener Aussage die meisten Abenteuer der bunt kostümierten Helden als redundante und bedeutungslose Allmachts-Fantasien. Wenn er sich also mit Zeichner Darick Robertson zusammensetzt, um eine Geschichte über Superhelden zu schreiben, dann ist entsprechend Vorsicht geboten, beziehungsweise weiß der geneigte Leser, dass hier etwas ganz Großes und höchstwahrscheinlich herrlich bissiges auf einen zukommt. Denn in The Boys sind es keine strahlenden Superhelden, die im Minutentakt die Welt retten, sondern es sind Figuren, die von ihrer Macht korrumpiert, keinen Sinn mehr für Moral haben und entsprechend ohne Rücksicht auf Kollateralschäden über die Stränge schlagen. Dem gegenüber stehen Butcher und seine Jungs (und Das Weibchen), die in einem Geheimauftrag des CIA versuchen, in diesem ruchlosen Treiben für ein bisschen Gerechtigkeit zu sorgen. Dabei ermitteln sie nicht nur in der Schwulenszene, um den Mord an einem jungen Mann aufzuklären, sondern müssen sich auch im eiskalten Russland mit dem „glorreichen Fünfjahresplan“ auseinandersetzen!

Darick Robertson, später, in den Folgen 11 bis 13 kommen noch Rodney Ramos und Peter Snejbjerg dazu, setzen die Ideen Ennis‘ in dynamische, detailverliebte Bilder um und erwecken die manchmal ziemlich respektlose und krude Geschichte zu Leben. Dabei zelebriert man verschrobene Charaktere, absurde Situationen und respektlose Anspielungen auf bekannte Comic-Größen, scheut sich nicht, derbe Sprache und entsprechende Bilder zu nutzen und schafft so ein etwas anderes Superhelden-Universum, welches definitiv nicht in Kinderhände gehört.

The Boys erschien im Original zwischen Oktober 2006 und November 2012 bei Dynamite und brachte es auf insgesamt 72 Veröffentlichungen. Die ersten 14 Hefte präsentiert Panini Comics nun im Rahmen ihrer Gnadenlos-Edition als 340 Seiten starkes Hardcover mit einer Altersempfehlung ab 18 Jahren. Im Anhang befinden sich Skizzen mit Erläuterungen zu den einzelnen Charakteren, Kurzbiografien der Künstler und ein Vorwort von Christian Endres.

Ein extrem schwarzer Humor, dabei die allgemeinen Geschmacksgrenzen lustvoll auslotend, scheut sich The Boys jedoch nicht, auch ernste Themen anzusprechen und bietet dadurch eine in ihrer gesamtheitlichen Absurdität irgendwie realistische Annährung an ein spannendes und facettenreiches Thema, welches ein pointiertes Spiegelbild gegenwärtiger korrumpierter politischer Machtverhältnisse darstellt. So zeigt Ennis erneut, dass er es meisterhaft versteht, ein überzogenes, sehr kritisches Bild der Realität zu zeichnen, welches durch seine maßlose Übersteigerung erst greifbar wird. Grandios und absolut lesenswert!

Christian Funke