Ewart Hutton - Die Guten und die Bösen  (Heyne)

Ewart Hutton – Die Guten und die Bösen (Heyne)

Detective Sergeant Glyn Capaldi ist ein dickköpfiger und unbequemer Zeitgenosse. Als er in seinem Dezernat in Cardiff für den Tod eines Mannes verantwortlich gemacht wird, versetzt man ihn gegen seinen Willen in die ländliche Gegend imNorden Wales.
Die dortige Dorfbevölkerung ist erst mal skeptisch, und beäugt den Neuling und Stadtmenschen Capaldi misstrauisch. Keine einfache Situation, um einfach nur seinen Dienst zu absolvieren. Als er eines Tages zu einem Fall gerufen wird, wo es augenscheinlich um einen von einer Gruppe Männer nach einem Trinkgelage „geborgten“ Minibus geht, stößt er jedoch auf Ungereimtheiten. Denn offensichtlich waren noch eine Frau und ein farbiger Soldat mit an Bord, von denen aber nun jede Spur fehlt. Auch wenn dies seine Beliebtheit im Dorf nicht steigert, recherchiert Capaldi stur weiter, denn wenn er eines hat, dann ist es eine ausgeprägte Neugier und ein starkes Gerechtigkeitsempfinden. Je tiefer er gräbt, desto mehr Geheimnisse fördert er jedoch ans Licht, denn anscheinend gibt es unter dem Deckmantel der zurückhaltenden und gut bürgerlichen Dorfgemeinschaft ein ganzes Netzwerk, bestehend aus Verrat, Feindschaft und Missbrauch, dem in der Vergangenheit schon wesentlich mehr Menschen zum Opfer gefallen sind. Denn alle, die durch das relativ simple gut/böse-Schema fallen, werden anscheinend ausgesondert. Plötzlich wird es für Capaldi in dem eigentlich friedlichen Dorf nicht nur ungemütlich, sondern richtig gefährlich!

Ein wenig erinnert mich Die Guten und die Bösen an den Simon Pegg & Nick Frost – Film Hot Fuzz, wo ein unbequemer Großstadt-Cop über das Ziel hinausschießt, und in ein kleines, eigentlich Verbrecher freies Kaff versetzt wird. Sobald er dort jedoch auftaucht, häufen sich plötzlich erst die merkwürdigen Vorkommnisse, und später auch die Leichen. Die Guten und die Bösen jedoch ist absolut nicht auf Slapstick und schenkelklopfenden Humor ausgelegt, sein cooler Protagonist bewegt sich, ausgestattet mit einem klaren Gerechtigkeitsempfinden und einer lakonischen Ausdrucksweise, immer tiefer in eine düster-morbide Geschichte voller Gewalt und Grausamkeiten. Deshalb würde ich hier eher, wenn man denn Vergleiche braucht, an einige Romane von Joe R. Lansdale oder John Connolly denken.

Ewart Hutton wurde in Glasgow geboren und studierte später in Manchester. Nach dem Studium arbeitete er in London für das Radio und Theater, wobei er für seine Hörspiele für verschiedene Radiostationen zahlreiche Preise gewann. Heute lebt er mit seiner Frau in Wales und legt mit Die Guten und die Bösensein Romandebüt vor.

Ewart Hutton

Mittlerweile scheint sich der literarische Trend, welcher uns einen lakonischen, eigenbrötlerischen Polizisten präsentiert, der in der Großstadt suspendiert wurde, und nun in der ländlichen Provinz seinen Dienst verrichten muss, zu etablieren. Waren es im Film die klassischen, und vor Allem immer gewalttätigen Backwood-Motive, werden diese in ihrer literarischen Form, wenigstens in dem hier vorliegenden Romandebüt von Ewart Hutton, Die Guten und die Bösen, wesentlich subtiler eingefügt.

Stilistisch solide und durch häufigen Gebrauch der Umgangssprache einfach und flüssig lesbar orientiert sich der britische Ewart Hutton an den amerikanischen Vorbildern der Hard Boiled und Pulp-Szene, nutzt seinen Protagonisten, den sperrigen und unbequemen, dabei aber ziemlich lässigen Detective Sergeant Glyn Capaldi, der mich an einen Bogart des neuen Jahrtausends erinnert, als Sprachrohr, und schildert uns durch seine Augen die Vorkommnisse der Geschichte.

Wer also mal wieder richtig Lust auf einen harten und düsteren Thriller hat, der sollte auf jeden Fall das Debüt von Ewart Hutton lesen!

Christian Funke-Smolka