Frank Miller’s  Holy Terror (Legendary/ Panini Comics)

Frank Miller’s Holy Terror (Legendary/ Panini Comics)

HOLYTERRORDer 1957 in Maryland geborene Comicautor, Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur Frank Miller gehört zu den ganz Großen in der Comicszene. Seine richtungsweisenden Geschichten, allen voran seine legendäre Batman- Erneuerung „The Dark Knight Returns“, „Sin City“ und „300“ vereinen ein hohes grafisches Niveau, eine durchdachte und auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtete Geschichte und seinen markanten, immer erkennbaren Stil.
Hier vorliegend haben wir sein neustes Werk Holy Terror, welches aus visueller Sicht ein typisches Miller– Kunstwerk darstellt: krass akzentuierte, an den Noir erinnernde schwarz-weiß Zeichnungen, unterbrochen von farbigen Einsprengseln, und lakonische, auf ein Minimum beschränkte Dialoge seiner desillusionierten Figuren.

Die Geschichte handelt von einem doch arg an Batman erinnernden Superhelden namens „The Fixer“, der eine katzenähnlich agierende Diamanten-Diebin namens Natalie Stack, auch bekannt als „The Catburglar“ (sic!!), dingfest machen will, sich jedoch ihrem Charme und ihren Verführungskünsten kaum widersetzen kann. In diesem Moment wird durch Amina, eine Austauschstudentin, mitten in einer Menschenmenge eine Nagelbombe gezündet, die alle verletzt, die sich in ihrem Umkreis befanden. „The Fixer“ zieht los, um die Drahtzieher, die in diesem Fall Al-Quaeda- Terrorristen sind, auszuschalten.

Panini Comics veröffentlicht Holy Terror (120 Seiten, €29,95) als großformatigen Kunstband im Hardcover in einer sehr edel und luxuriös wirkenden Aufmachung. Auffallend ist das ungewöhnliche Querformat, welches in den meisten Fällen, nämlich dann, wenn Miller dieses gesamt ausfüllt, hervorragend wirkt, an anderen Stellen jedoch künstlich gezogen erscheint, so als habe er erst auf das normale Heftformat hingearbeitet. Zudem lässt Miller an einigen Stellen seinen feinen Strich vermissen, was in einigen Momenten einen etwas groben Eindruck hinterlässt. In gewohnter Weise zitiert Miller auch hier wieder gerne Miller, so tauchen immer wieder eingestreute Versatzstücke anderer Werke auf.

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Der Individualist Frank Miller zeigt sich auch in seinem neusten Werk Holy Terror von einer Seite, die man an ihm kennt, und die ich in ihrer Kompromisslosigkeit schätze. Er macht es einem nicht leicht, biedert sich nicht an oder zielt auf ein Massenpublikum, und genau das ist es auch, was ihn ausmacht und sich so auch auf das vorliegende, teils etwas zu plakativ wirkende Werk übertragen lässt.

Holy Terror ist kein Meisterwerk wie es etwa „Sin City“ oder „300“ waren, dafür ist er zu oberflächlich mit seinen beinahe skizzierten Zeichnungen und dem verbissenen Willen, mit seiner Theo van Gogh gewidmeten Geschichte einigen Menschen an den Karren zu fahren, aber ein Frank Miller, der nicht ganz auf der Höhe ist, ist immer noch um Längen besser, als so manch anderer Künstler, und so bekommt man hier immer noch ein extravagantes, toll gestaltetes und kunstvolles Werk eines der interessantesten Künstler der letzten Jahrzehnte!

Christian Funke-Smolka