Frederick Forsyth - Cobra (Goldmann)

Frederick Forsyth – Cobra (Goldmann)

 

Der 1938 in Kent geborene Frederick Forsyth gilt als einer der führenden Autoren im Genre des politischen Thrillers. Sein Markenzeichen sind realistische Szenarien, hervorragende Recherche und ein fundiertes Allgemeinwissen in Kombination mit einer anschaulichen, gut erklärenden und bildhaften Sprache.
Mit 19 Jahren war Frederick Forsyth jüngster Pilot der Royal Air Force, und arbeitete später für die Agentur Reuters und die Eastern Daily Press in Norfolk. Mitte der 60er wechselte er zum BBC, und konnte dort seine bisherigen beruflichen Kenntnisse und seine journalistische Erfahrung in seine Geschichten gewinnbringend einbinden. Dies brachte ihm Weltruhm und machte seine Bücher, wie zum Beispiel Die Akte Odessa, Der Schakal, Das vierte Protokoll oder Der Afghane zu modernen Klassikern des Genres.

Hier vorliegend haben wir seinen neusten Roman namens Cobra (Goldmann Verlag, 400 Seiten, Taschenbuch), der sich dieses mal mit einem auch sehr aktuellen, aber weniger politischen Thema befasst: die international agierenden Drogenkartelle!
Diese setzen jährlich Kokain im Wert von mehreren Milliarden Dollar um. Diese Umsätze lassen den Einfluss dieser Kartelle in ungeahnte Größe ansteigen. Jedoch ist dies nicht der Grund, warum der amerikanische Präsident den Kampf gegen die Drogen- Kartelle beschließt, sondern ein viel persönlicherer.
Gemeinsam mit dem Verbündeten Großbritannien beschließt er, neue Wege in der Drogenbekämpfung zu gehen, und engagiert für eine verdeckte Operation, die außerhalb der gängigen Befehlskette arbeiten soll, den Ex-Agenten Deveraux, Tarnname: Cobra, der sich wegen seiner Skrupellosigkeit besonders für diesen Einsatz eignet.

Was dem Leser nun geboten wird ist eine zweigegliederte Erzählung, welche sich einerseits mit der Arbeit des Ex-Agenten beschäftigt, auf der anderen Seite aber auch die Methoden der Kartelle und deren Schmuggler beleuchtet. Dies erinnert etwas an Don Winslows „Tage der Toten“, erreicht aber nicht dessen realistische Tiefe, da Forsyth den Fokus auf die Schilderungen der militärischen Kriegsführung gegen die Drogen und ihre damit handelnden Kartelle legt. Stilistisch ist der Roman sehr routiniert aufgebaut, wird kurzweilig und spannend erzählt, allerdings wird die emotionale Ausarbeitung der einzelnen Charaktere etwas vernachlässigt, so dass seitens des Leser immer eine leichte Distanziertheit zu den Figuren herrscht.

Cobra ist mal ein anderer Roman, als man dies von Frederick Forsyth erwartet hätte. Er erreicht nicht unbedingt die Qualität seiner Klassiker, bietet aber trotzdem spannende und fesselnde Unterhaltung mit aktuellen Bezügen.

Christian Funke-Smolka