Garth Ennis & Russ Braun: "Jimmys Bastarde" (Panini Comics)

Garth Ennis & Russ Braun: „Jimmys Bastarde“ (Panini Comics)

Autor:

Garth Ennis

Zeichner:

Russ Brown

Jimmy Regent, Großbritanniens Superspion Nummer Eins, lässt James Bond aussehen wie kalter Kaviar! Sein Motto: Zwischen Agentendasein und Abenteuer passt immer noch eine heiße Liebesnacht, denn er hat die Lizenz zum Schießen, wann immer er will. Leider hat er auch einen neuen Partner, der von Jimmy nicht ganz so beeindruckt ist… und jede Eroberung hat ihren Preis.

© Panini Comics

Meinung zur Veröffentlichung:

Getriggert

Jimmy Regent ist Großbritanniens bester Geheimagent, den man getrost als Superagent bezeichnen darf. Sehr smart, clever, abenteuerlustig und mit einem permanent hohem Testosteronspiegel ausgestattet, kann ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Doch sein neuer Fall treibt selbst ihn an seine Grenzen. Nicht nur, dass er eine Partnerin, die toughe Nancy McEwan, an seiner Seite hat, die seinem Charme und übergroßen Ego widerstehen kann, droht eine geheime Terrororganisation mit einem mysteriösen Geschlechtssaft, der fatale Folgen für die Bevölkerung hat. Und das ist für den Agenten im Auftrag Ihrer Majestät noch nicht mal das Schlimmste an diesem kniffeligen und lebensgefährlichen Fall…

Das Genre der Superspione bietet unzählige Möglichkeiten der Parodie. Dies weiß natürlich auch Garth Ennis, der sich hier hemmungslos austobt und seinen sowieso schon derben Humor noch einmal zu Hochtouren aufpeitscht. Sein Jimmy Regent ist ein snobistischer, sexistischer, selbstgefälliger Pfosten, dessen schnelle (und nicht immer wählerische) Schusshand einher geht mit seinem erschreckenden Selbstbewusstsein. Doch reicht dies nicht aus, sein Informant ist der untergetauchte Diktator Idi Amin, der wiederum von Terroristen seiner Männlichkeit beraubt manipuliert wird. Natürlich ist der Topspion ein sexuell sehr aktiver, in der Wahl seiner Partnerinnen nicht wählerischer Chauvinist, seine Partnerin eine toughe und politisch korrekte Powerfrau und die Gegner allesamt extrem gefährlich, unberechenbar bis saublöd. Doch die anfangs etwas ausufernd wirkende Geschichte kommt irgendwann erfreulich stringent in die Spur, so dass man von der Story gefangen genommen wird und sich ein typischer Ennis-Lesespaß entwickelt. Etwas irritiert hat mich am Anfang der flapsige Tonfall mit zahlreichen Wortkreationen, bei denen ich nicht weiß, ob dies so im Original vorgegeben war, oder dem übersetzenden Hennes Bender zu verdanken ist. Doch was bei der 70er Jahre Krimiserie Die 2 funktioniert haben mag, hat mich hier lediglich gestört, so dass ich erleichtert war, als sich nach dem ersten Drittel der Tonfall etwas mäßigte und die Story dadurch besser lesbar wurde. Russ Braun, der sowohl als Animationskünstler für Disney, aber mit Ennis auch die Boys zum Leben erweckt hat, liefert auch hier wieder überzeugende und sehr detailverliebte Arbeit ab.

Jimmys Bastarde – Getriggert (Originaltitel: Jimmy’s Bastards Volume 1: Trigger Warning, USA 2017) beinhaltet die ersten fünf Hefte der Reihe. Erdacht von Garth Ennis und in Szene gesetzt von Russ Braun, ist für die Übersetzung der Komiker und Synchronsprecher Hennes Bender verantwortlich, der dem Text anfangs seine ihm eigene (Mundart-) Note verliehen hat (was man entweder mag, oder…). Im Anhang der schön gestalteten Klappenbroschur befindet sich eine Galerie mit alternativen Covermotiven und Künstlerbiografien (136 Seiten, €17).

Jimmys Bastarde – Getriggert ist eine herrlich respektlose Parodie sämtlicher Agenten-Klischees, hier speziell denen der James Bond-Reihe. Wenn Garth Ennis sich dieses Genres annimmt, weiß der/die geneigte Leser*in, was einen erwartet. Sexuelle Anspielungen, derbe Gewalt und überbordender Irrsinn mit hohem Unterhaltungswert. Wer nicht besonders zimperlich oder empfindsam ist, sollte deshalb unbedingt zugreifen. Ich persönlich hoffe, dass es bald eine Fortsetzung geben wird.

Christian Funke