Garth Ennis, Will Simpson & Steve Dillon -  John Constantine: Hellblazer - Royal Blood (Vertigo/ Panini Comics)

Garth Ennis, Will Simpson & Steve Dillon – John Constantine: Hellblazer – Royal Blood (Vertigo/ Panini Comics)

Wenn ich als Comicfan die Namenskombination Garth Ennis und Steve Dillonauf dem Cover einer Veröffentlichung lese, dann weiß ich, dass ich eigentlich blind zugreifen kann, denn nicht nur, dass in meinen Augen die beiden Herren als

Garth Ennis

Duo zusammengehören wie Simon & Garfunkel, Ren & Stimpy oder Laurel & Hardy, auch die Qualität der Endprodukte ist immer auf einem sehr hohen Niveau, da Geschichte und visuelle Umsetzung, oder eben Ennis und Dillon sich wunderbar ergänzen. Beide zusammen schufen geschichtsträchtige Reihen wie den Preacher für DC Vertigo oder das großartige Punisher – War Zone für die Konkurrenz Marvel, aber begonnen hat die fruchtbare Zusammenarbeit Anfang der 90er Jahre, als Steve Dillon zu der damals von Garth Ennis geschriebenen Serie Hellblazer bei DC Vertigo stieß (einen Großteil der Geschichten im vorliegenden Band stammen jedoch von Zeichner William Simpson – Batman, Punisher, Aliens, Rouge Troopers, dazu hat man noch das Vergnügen, einige wirklich gelungenen Cover von Glen Fabry bewundern zu dürfen!).
Dieser fruchtbare Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit liegt hier nun als Teil des umfangreichen, gebundenen Band 2 der Garth Ennis – Collection von Panini Comics vor.

Hellblazer ist eine seit den 80er Jahren erscheinende US-Comicserie, die die Abenteuer des übernatürlich begabten, Trenchcoat tragenden Magiers und Detektivs John Constantine (verfilmt unter dem Titel Constantine mit Keanu Reeves) behandelt. Als ursprünglicher, von Alan Moore (Watchmen, From Hell) erdachter Ableger der Swamp Thing – Reihe wurden die folgenden Geschichten später unter DC Vertigo als eine an ein erwachsenes Publikum gerichtete Serie vermarktet, und erlangte eine große Popularität bei den Comiclesern.

Hier vorliegend haben wir die John Constantine: Hellblazer – Original-Storys Nummer 50, 52-55 und 57-61, welche einen guten und intensiven Blick in das Universum des Protagonisten liefern.
Die Stories sind knackig, und bieten Herrn Ennis ein gutes Forum, seinem phantastischen literarischen Wahnsinn freie Bahn zu lassen.

John Constantine erhält in der ersten Geschichte eine unmissverständliche Aufforderung zu einem Treffen in einem nahegelegenen Waldstück. Kein geringerer als der König der Vampire versucht, den ketterauchenden, Trenchcoat tragenden Magier auf seine Seite zu ziehen, um ihn als Informationsträger zu benutzen. Doch dieser hat seine eigenen Ansichten zu seiner weiteren Zukunftsplanung.

In der folgenden Geschichte, dem aus vier Teilen bestehenden, titelgebenden Royal Blood, befinden wir uns in London, wo ein brutaler Mörder sein Unwesen treibt. Auffällig ist, dass die Untaten Parallelen zu den Morden des legendär-berüchtigten Jack the Ripper aufweisen. John Constantine stößt bei seinen Ermittlungen jedoch nicht auf einen Nachahmungstäter, sondern es ist viel schlimmer: ein Dämon, der damals schon sein Unwesen trieb, hat Besitz von einem Mitglied des Königshauses ergriffen.

Auch die weiteren Stories erzählen von dem abwechslungsreichen und faszinierenden Leben des Magiers und zeigen sowohl die verschiedenen Facetten seines Jobs als auch seiner Persönlichkeit.

Der 1970 in Holywood, Nordirland geborene Garth Ennisist einer der bekanntesten und beliebtesten Comicautoren der Gegenwart. Sein Markenzeichen, intelligente, vielschichtige Geschichten mit beißendem, bitterbösen Humor (oftmals

auch auf Kosten von Minderheiten und Benachteiligten) und einer großen Dosis exzessiver Gewalt anzureichern, dabei provokante Themen nicht zu scheuen, und seiner überbordenden Phantasie freien Lauf zu lassen, brachten ihm einen soliden Ruf unter den Comicfans ein, und lassen die meisten seiner Storys zu etwas Besonderem, unverwechselbaren werden.

Steve Dillon

Seine wohl bekannteste Arbeit ist die für DC Vertigo in den Jahren 1995 – 2000 in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Steve Dillon entstandene Reihe Preacher, welche all seine relevanten Themen wie zum Beispiel Religion, Männerfreundschaften und ausufernde Gewalt vereinte.
Doch schon im Jahr 1991 arbeitete er für DC mit dem britischen Comic-Künstler Steve Dillon (dieser zeichnete zum Beispiel neben den genannten Titeln auch für 2000 AD einige Judge Dredd-Geschichten) zusammen, nämlich an der hier vorliegenden Reihe Hellblazer, welche hier von Panini Comics als Hardcover mit einem Umfang von 276 Seiten mit dem Titel Royal Blood veröffentlicht wird.

Royal Blood zeigt einen umfassenden Blick auf die Welt des John Constantine. Alle Geschichten wurden von Garth Ennis geschrieben, was sich in der Tiefe und Abwechslung deutlich zeigt. Man bekommt als Leser einen gelungenen Überblick über das Universum des Magiers, erlebt ihn aber auch von den unterschiedlichsten Seiten: mal als harter Gegner, dann wiederum als ausgeglichener und friedliebender Mensch (eine Rolle, in der man ihn normal eher selten antrifft). Auch biblische Bezüge kommen vor, und zeigen schon deutlich die verschiedenen Interessengebiete, die der Autor hier bearbeitet. Die Illustrationen der beiden Zeichner sind sehr unterschiedlich, aber hier ist jedem Leser selber überlassen, welche er eher favorisiert (ich persönlich bin nun mal ein großer Fan von Steve Dillon und seinen klaren Linien und Strukturen)

Royal Blood ist allen Freunden der Constantine – Geschichten zu empfehlen, da sie abwechslungsreich und gut erzählt sind, aber auch Neueinsteiger finden sich hier sofort zurecht, da man direkt mit der ersten Geschichte einen gut integrierten Überblick über das Leben und Schaffen des Magiers erhält. Somit ist es definitiv ein Buch, welches in keiner gut sortierten Comicsammlung fehlen darf!

Christian Funke-Smolka