George R.R. Martin: Feuer und Blut - Erstes Buch (penhaligon)

George R.R. Martin: Feuer und Blut – Erstes Buch (penhaligon)

Was für Tolkiens Fans das Silmarillion ist, erscheint nun von George R.R. Martin – die epische Vorgeschichte von »Das Lied von Eis und Feuer« / »Game of Thrones«! Drei Jahrhunderte, bevor die Serie beginnt, eroberte Aegon Targaryen mit seinen Schwestergemahlinnen und ihren drei Drachen den Kontinent Westeros. 280 Jahre währte die Herrschaft seiner Nachkommen. Sie überstanden Rebellion und Bürgerkrieg – bis Robert Baratheon den irren König Aerys II. vom Eisernen Thron stürzte. Dies ist die Geschichte des großen Hauses Targaryen, niedergeschrieben von Erzmaester Gyldayn, transkribiert von George R.R. Martin.

George Raymond Richard Martin wurde 1948 in New Jersey geboren. Sein Bestseller-Epos »Das Lied von Eis und Feuer« wurde als die vielfach ausgezeichnete Fernsehserie »Game of Thrones« verfilmt. George R.R. Martin wurde u.a. sechsmal der Hugo Award, zweimal der Nebula Award, dreimal der World Fantasy Award (u.a. für sein Lebenswerk und besondere Verdienste um die Fantasy) und dreimal der Locus Poll Award verliehen. 2013 errang er den ersten Platz beim Deutschen Phantastik Preis für den Besten Internationalen Roman. Er lebt heute mit seiner Frau in New Mexico.

© penhaligon & Thomas Reichl

Meinung zur Veröffentlichung:

Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros

An dieser Stelle erklärende oder vorstellende Worte zu dem Fantasy-Zyklus Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin zu setzen, dürfte nicht nötig sein, denn wer bis hierhin nichts von den Geschichten um Eddard Stark, Tyrion Lennister, den Komplotten, Verschwörungen und Kämpfen um den eisernen Thron von Westeros gehört hat, an dem ist ein großes Stück populären Kulturguts spurlos vorbeigezogen.

George R.R. Martin, 1948 in Baltimore, New Jersey geboren, machte sich schon in den 70er Jahren als preisgekrönter Horror- und Science Fiction-Autor einen Namen, doch erst mit seinem 1996 erschienenen Start des bis heute fortlaufenden Fantasy-Roman-Zyklus Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer stieg er auf in den Olymp der gegenwärtigen Autoren. Sehnsüchtig warten die Fans nun seit mehreren Jahren auf die angekündigte Fortsetzung The Winds of Winter der mittlerweile von den Ereignissen in der TV-Serie eingeholten Buchreihe. Mit dem vorliegenden ersten Band Feuer und Blut schürt der Autor jedoch nur weiter die sehr hohen Erwartungen. Denn hier handelt es sich nicht um einen eigenständigen Roman im bekannten Fantasy-Zyklus, sondern um ein imaginäres Geschichtsbuch. Jeder Fan des Eis und Feuer – Epos kennt das Haus Targaryen, deren wohl bekanntestes Mitglied Daenerys Targaryen, Tochter von König Aerys II. Targaryen und seiner Frau Rhaella Targaryen ist. Ihre Verbündeten und Gegner nennen sie ehrfürchtig die Mutter der Drachen. Doch die Geschichte der Targaryen begann nicht mit Daenerys und ihren Eltern, sondern reicht weit zurück. Die Chronik der Targaryen-Könige von Westeros wurde von Erzmaester Gyldaym aus der Zitadelle von Altsass verfasst, hier liegt es der geneigten Leserschaft erstmals in der Niederschrift von George R.R. Martin vor. Buch eins umfasst dabei den Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros und beleuchtet die Geschehnisse, die etwa 300 Jahre vor den Ereignissen von Das Lied von Eis und Feuer stattfanden. Hier wird beschrieben, wie die Targaryen in Westeros ankommen, beschreibt die Eroberung der Sieben Königslande und beleuchtet die ersten 150 Jahre ihrer Herrschaft. Dabei sind die Geschehnisse gewohnt dramatisch und wenig zimperlich, jedoch aufgrund ihres weniger erzählerischen als mehr beschreibenden Erzählstils nicht so intensiv, wie der Lesegenuss, den man aus den anderen Büchern der Reihe kennt. Denn hier wird man nicht in emotional aufwühlende, dynamische Geschichten hineingezogen, sondern bekommt die lange zurückliegenden Erlebnisse von Erzmaester Gyldaym erzählt. Dieser geizt dabei nicht mit unzähligen bekannten und unbekannten Namen, so dass man schnell ins Trudeln gerät, wer gerade gemeint ist und welche Rolle er/sie in diesem komplexen und weitverästelten Universum innehat. So schwierig und verwirrend die Lektüre in diesem Punkt ist, kommt man jedoch nicht umhin, respektvoll den Hut zu ziehen. George R.R. Martin konzipiert hier ein komplexes Gefüge, welches in seiner Verschachtelung stimmig zusammenpasst (oder ich habe bei der Vielzahl an Charakteren bereits den Überblick verloren und merke Logiklöcher und personelle Unstimmigkeiten nicht mehr) und ein faszinierendes Gesamtgefüge ergibt, welches über mehrere Jahrhunderte ganze Familienstammbäume aufrollt. Mir ist keine Buchreihe bekannt, die derart Detailverliebt und umfangreich ist. Wer weiß, auf was er sich bei Feuer und Blut einlässt, nicht mit einem neuen Roman rechnet und sich gut in der Welt von Eis und Feuer auskennt, den wird dieses Buch begeistern. Neueinsteiger jedoch dürften mit der Lektüre heillos überfordert werden.

George R.R. Martin stellt „Feuer und Blut“ vor


 

Feuer und Blut (Originaltitel: Fire & Blood: 300 Years Before a Game of Thrones – A Targaryen History, USA 2018), Band eins des auf zwei Bände ausgelegten Geschichtsbuches, erscheint in einer Übersetzung aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg als gebundene Ausgabe bei penhaligon (896 Seiten, €26). Teile dieses Buches wurden bereits in zum Teil gekürzten Fassungen veröffentlicht, hier nun liegen sie erstmalig vollständig und ungekürzt in einem Buch vor. Und dieses ist in seinem Umfang und seiner Aufmachung ein wahrer Hingucker. Ein eher großformatiges Hardcover, dank der Seitenzahl sehr schwer und ausgestattet mit einem Lesezeichenband, ist der Schutzumschlag auf doppelte Größe ausklappbar und bietet einen detaillierten Stammbaum des Hauses Targaryen. Das Buchinnenteil bietet eine schön gestaltete Karte Westeros, während der Textteil immer wieder mit herrlichen, sehr detailverliebten Zeichnungen des Künstlers Doug Wheatly ergänzt wird.

George R.R. Martin ist ein echter Schelm, der mit spürbarer Freude mit den Erwartungen der Fans spielt. Während alle auf seine literarische Fortsetzung des Eis und Feuer – Zyklus warten, arbeitet er an der letzten Staffel der TV-Serie, bereitet gleichzeitig das erste Game of Thrones Spin-off vor, welches die Vorgeschichte intensiver beleuchtet und liefert hier gleichzeitig einen auf zwei Bände ausgelegten Geschichtsband, der noch mehr verfilmbares Material enthält. Für Neueinsteiger aufgrund der Komplexität und der engen Vernetzung mit dem Hauptzyklus nicht unbedingt geeignet, werden sich alle Freunde des Fantasy-Epos über den umfangreichen und wunderschön gestalteten Nachschub freuen, auch wenn es sich hier nicht um The Winds of Winter handelt.

Christian Funke