Gregory Funaro - Opfermal  (Blanvalet)

Gregory Funaro – Opfermal (Blanvalet)

Wow, ich muss gestehen, dass mich Opfermal von Gregory Funaro ziemlich begeistert hat. Opfermal ist nach Vollendung der zweite Roman über den FBI Special Agent Sam Markham und entführt den Leser in eine Welt voller Wahnsinn, Gewalt und manipulativem Missbrauch in der Kindheit, wobei er eine sog-artige Spannung entwickelt, die einen zwingt, so lange zu lesen, bis man am Ende des Buches angekommen ist.

FBI Special Agent Sam Markham wird zu einem Fall herangezogen, der barbarischer nicht sein kann. Man findet die Opfer nackt auf lange, extra vom Mörder für diesen Zweck vorbereitete Holzpfähle aufgespießt. Aber es scheint mehr hinter den Fällen zu liegen, als man auf den ersten Blick erkennen kann, denn die Opfer scheinen nach einem bestimmten Ritual hergerichtet zu sein. Schnell bekommt der Täter den Beinahmen „Vlad der Pfähler“, aber das scheint seinen Beweggründen nicht gerecht zu werden.
Anscheinend laufen die Ermittlungen erst in die falsche Richtung, bis Markham einen Tipp von einem ungewöhnlichen Zeugen bekommt, der den Fall in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Doch je weiter der Ermittler mit seinen Recherchen kommt, desto gefährlicher gestaltet sich die Suche nach dem Täter für ihn, denn schnell wird man vom Jäger zum Gejagten!

Opfermal (Blanvalet, 512 Seiten, € 9,99) ist ein trotz des gewalttätigen Covers ästhetisch gestaltetes Buch. Das Deckblatt ziert ein Bild einer aufgespießten Skulptur und schließt dadurch stilistisch an die Covergestaltung des Vorgängers an, und gibt einen guten Eindruck des Inhalts, ohne dem Leser zu viel zu verraten.

Intelligent und bildhaft geschrieben führt Funaro den Leser tief in die Welt eines Wahnsinnigen und zeigt deutlich die Mechanismen, die dazu führen, dass aus einem unschuldigen Kind, welches unter schlimmsten Bedingungen aufwächst, ein emotionsloser Psychopath werden kann.
Hier liegt auch die Kunst des Autors: er gliedert seine Geschichte geschickt in zwei Handlungsstränge, zeigt einerseits die Ermittlungen, lässt den Leser dabei intensiv an der Arbeit als auch an den Gedanken seiner Hauptfigur Sam Markham teilhaben, dem er immer mehr charakterliche Eigenschaften spendiert, damit diese Figur mehrschichtig und authentisch aufgebaut wird.
Gleichzeitig widmet er sich jedoch seinem heimlichen Hauptdarsteller, dem Mörder. Dessen Geschichte wird anschaulich dargelegt, sein Werdegang von seiner Geburt an, und noch viel weiter davor, aufgezeigt, so dass man einen detaillierten Blick darauf bekommt, was ihn letztendlich zu dem machte, der er in der gegenwärtigen Geschichte ist. Erstaunlich ist dabei, dass man dank der guten und intelligent konzipierten Erzählung so was wie Mitgefühl, eine empathische Form von Verständnis für die Psyche des Täters bekommt.

Opfermal hat mich gefesselt, wie schon lange kein Thriller mehr davor! Brutal, ohne sich in den beschriebenen Details zu suhlen, intelligent, ohne belehrend zu sein und mehrschichtig, ohne zu verwirren ist Gregory Funaro ein Roman gelungen, der von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln vermag! Ein ganz klarer Thriller-Tipp!!!

Christian Funke-Smolka