Harlan Coben - Sein letzter Wille (Goldmann Verlag)

Harlan Coben – Sein letzter Wille (Goldmann Verlag)

 

Kaum einem Autor gelingt es, seine Leser so kontinuierlich mit spannender und fesselnder Lektüre zu versorgen, wie dem 1962 in New Jersey geborenen Harlan Coben. Ob dies seine Einzelromane, wie zum Beispiel der mittlerweile erfolgreich verfilmte Kein Sterbenswort, oder Das Grab im Wald sind, oder seine, von Kritikern und Lesern geschätzte Reihe um den Sport- und Prominentenmanager Myron Bolitar, der immer wieder in die aufregendsten Fälle verstrickt wird.
Ein besonderer Kniff des Autors ist es, dieselben Charaktere in verschiedenen Werken zu erwähnen, so dass er sein eigenes Universum kreiert, in dem auch die nachfolgenden Romane spielen werden.
Für seine Geschichten erhielt er zahlreiche Preise, wobei sein erfolgreichster und am meisten ausgezeichneter Roman der eingangs erwähnte Kein Sterbenswort ist. Hier gelang es Coben als erster Autor, die drei wichtigsten amerikanischen Thriller- Preise gleichzeitig zu gewinnen. Dies führte dazu, dass er einer der ersten Schriftsteller war, der von der renommierten New York Times gebeten wurde, eine Vatertags-Kurzgeschichte zu schreiben. Diese wurde dann Mitte 2003 in der New York Times veröffentlicht.

Aber ich schweife ab.
Hier vorliegend haben wir mit Sein letzter Wille den zehnten Fall der Myron Bolitar-Reihe. Myron, ein Mensch, dem soziale Bindungen sehr wichtig sind, muss seinen Vater ins Krankenhaus bringen. Wie es scheint, ist sein Zustand sehr ernst. So ist es für ihn eigentlich unpassend, dass ihn seine Klientin, der frühere Tennisstar Suzze Trevantino aufsucht, da sie seine Hilfe braucht. Ihr Ehemann Lex, Rockstar und ebenfalls Klient in der Agentur, ist spurlos verschwunden. Suzze ist schwanger, und vor seinem Verschwinden erhielt Lex einen anonymen Facebook, in welchem behauptet wurde, dass er nicht der Vater sei.
Eigentlich ist Myron gedanklich bei seinem Vater auf der Intensivstation, dieser aber möchte endlich Klarheit über das Schicksal seines zweiten Sohnes namens Brad haben, der die Familie ebenfalls vor einigen Jahren plötzlich verließ. Da beide Fälle irgendwie zusammenzuhängen scheinen, und die Geheimnisse der einen Familie Vorkommnisse der anderen offenbart, steckt Myron plötzlich in einem Fall, der ihn persönlicher betrifft, als ihm eigentlich lieb ist.

Sein letzter Wille zeichnet sich durch seinen packenden Erzählstil aus, der durch lebendige Beschreibungen und den vielen Anspielungen ein rundes Gesamtbild kreiert. Die Geschichte ist gewohnt wendungsreich, auch wenn man an einigen Stellen leichte Verschleißerscheinungen feststellen kann. Man bekommt den Eindruck, dass der Autor, da er auch intensiv Myrons Neffen Mickey Bolitar, einen fünfzehnjährigen Basketballspieler einbringt, um diesen eine weitere Reihe (welche ja schon mit Shelter begonnen wurde) aufbauen möchte.

Sein letzter Wille kann als alleinstehender Roman bestehen, aber es bereitet deutlich mehr Spaß, die vorangegangenen Geschichten der Reihe zu lesen (alle im Goldmann-Verlag erschienen), da die Anspielungen auf ältere Ereignisse, oder das Zusammentreffen von vertrauten Personen das Vergnügen vervollkommnen. Die Reihe, und auch der hier vorliegende Roman, sprühen vor Witz und Action, und bieten die von Coben gewohnt gute Unterhaltung!

Christian Funke-Smolka