Heinz Strunk - Junge rettet Freund aus Teich (Rowohlt)

Heinz Strunk – Junge rettet Freund aus Teich (Rowohlt)

U1_XXX.indd„Mathias ist sechs Jahre alt. Bald wird er in die Schule gehen. Er wohnt in der Siedlung, bei Mutter, Oma und Opa, die er alle sehr liebt. Bald ist Weihnachten, es schneit, und Schnee ist fast noch gemütlicher als Regen. Nur hört man leider nichts, wenn es schneit, da ist dann wieder Regen besser.
Mathias ist zehn Jahre alt. Die großen Ferien wird er bei Oma Emmi auf dem Land verbringen. Die Kinder dort wachsen ganz anders auf, man kann hier viel Spaß haben. Mutter riecht den Braten: Sie gönnt ihm die Freude nicht.
Mathias ist vierzehn Jahre alt. Mutter ist mit ihm ins Hochhaus gezogen und hat Oma in ihrem Elend allein gelassen. Opa ist im Heim, noch so ein Verrat. Doch Mathias ahnt: Im Grunde genommen trägt er die Verantwortung für Mutters Lage, obwohl er natürlich auch nichts dafür kann. Wer kann schon was für seine Geburt?“
Der Roman „Junge rettet Freund aus Teich“ beschreibt das Beobachten und das Denken, kurz das Erleben eines Jungen im Kindergarten-, Grundschul- und frühen Jugendalter. Er heißt Mathias Halfpape, wie der Autor selbst bevor er zu Heinz Strunk wurde.
In diesem dreiteiligen Werk (1966, 1970 und 1974) auf 283 Seiten wird sehr nachvollziehbar die Welt aus der Perspektive eines Kindes im jeweiligen Alter beschrieben, wobei die Welt hier die familiäre Umgebung und die anderen Kinder in einem Vorort von Hamburg und in den Ferien im Dorf auf dem Land umfasst. Beginnend im Alter von fünf Jahren schildert Mathias Ereignisse, die für andere wohl das Wesentliche einer glücklichen Kindheit ausmachen, jedoch kontinuierlich von Melancholie und Schmerz überschattet werden.
Für Mathias ist die Großmutter die wichtigste Bezugsperson, da seine Mutter wie er es beschreibt mit ihrem Leben unzufrieden ist und ihre Launen unvorhersehbar und für die Familie unberechenbar sind. Im Verlauf des Buches erkennt der (erwachsene) Leser die offensichtliche psychische Erkrankung der Mutter. Auch um die Großmutter macht Mathias sich ständig Sorgen: alle nutzen ihre Gutmütigkeit aus! Sein Großvater baut körperlich und geistig mehr und mehr ab. Auch seine „Ferienoma“ Emmi, welche er in den Ferien auf dem Land besucht, hatte schon bessere Tage erlebt. Aus anderen Kindern werden Freunde von denen er sich dann wider entfremdet.

Meinung:

Ein sehr kurzweiliger Roman. Mit der Erzählung in der Ich- Perspektive hat der Leser das Gefühl wie dieses Kind zu sehen und denken, und wahrscheinlich macht sich jeder seinen ganz eigenen erwachsenen Gedanken darüber. Was der kleine Mathias erzählt kann einen traurig stimmen, da er sich schon im Kindergaten Sorgen um die Erwachsenen machen muss und seine Mutter, eher nebenher erzählt, mit ihren wechselhaften Gemütszuständen eine eher distanzierte Rolle einnimmt. So mancher mag beim Lesen an Schabernack erinnert werden, den er selbst als Kind angestellt hat, wohlmöglich auch an den Moment, in dem Deutschland zum zweiten Mal Fußballweltmeister wurde. Man erlebt mit, wie ein Junge sowohl in der Großstadt als auch auf dem Land versucht Freunde zu finden und zu halten, wie er mitläuft und sich wieder zurückzieht. Es bleibt ein latentes Gefühl des allein und hilflos seins.

„Spaß und Depression derart gekonnt miteinander zu verbinden ist eine große Kunst. Heinz Strunk beherrscht sie meisterhaft“ (Friedrich Pohl, DIE WELT)

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Heinz Strunk, wie erwähnt früher Mathias Halfpape, ist deutscher Entertainer, Autor und Mitglied bei DIE PARTEI. Der im Jahre 2004 veröffentlichte Roman „Fleisch ist mein Gemüse“, ebenfalls von autobiographischen Charakter geprägt, wurde über 400 00 Mal verkauft und wurde 2007 unter der Regie von Christian Görlitz verfilmt und 2010 auf die Bühne gebracht. Der beschriebene Roman grenzt sich von den eher komischen, in erster Linie satirischen Werken des Autors ab.

Nhu & Christian Funke-Smolka