“Hit-Girl in Kolumbien” (Panini Comics)

“Hit-Girl in Kolumbien” (Panini Comics)

Autor:
Mark Millar

Zeichner:
Ricardo Lopez Ortiz

Dieses Mädel macht keine Gefangenen! Die ultrabrutale neue HIT-GIRL-Serie aus dem multimedialen Kick-Ass-Universum, geschrieben von Superstar und KICK-ASS-Schöpfer Mark Millar (WANTED, KINGSMAN: THE SECRET SERVICE). Die Mini-Killermaschine Mindy McCready alias Hit-Girl sucht einen neuen Partner für ihren weltweiten Kreuzzug gegen das Verbrechen. Ihr Wunschkandidat: Mano, der gefürchtetste Auftragskiller Kolumbiens

© Panini Comics

Meinung zur Veröffentlichung:

The Return of Mindy McCready

Im Jahr 2008 gelang dem Dream-Team Mark Millar und John Romita, Jr. mit Kick Ass und dem Add-on Hit-Girl eine der meiner Meinung nach besten Comic-Reihen der jüngsten Vergangenheit. Die Kombination aus authentischen und oftmals völlig nachvollziehbaren Verhaltensweisen, die sich mit dramatischen, manchmal sehr derben, aber auch emotional berührenden Momenten paaren, ist charmant, irrwitzig, natürlich fernab der Realität und dabei unglaublich wüst. Einige Jahre war es dann sehr ruhig, ehe Autor Mark Millar dieses Jahr dann mit geballter Kraft zuschlug. Erst präsentierte er, erneut mit Unterstützung von John Romita, Jr., den überzeugenden Sechsteiler Kick-Ass: Frauenpower, nun legt er mit einem weiteren Abenteuer des gewalttätigen Teenagers Mindy McCready nach. Hit-Girl in Kolumbien ist der vierteilige Start einer neuen Serie der Verbrecher hassenden Zwölfjährigen, die bei der Jagd nicht minder brutal vorgeht, wie die Gangster, die sie jagt. Während das gesamte Kick-Ass/Hit-Girl-Universum bis dato eng mit den Namen Mark Millar und John Romita, Jr. verknüpft war, erleben wir hier den Puerto Ricaner Ricardo Lopez Ortiz (Civil War II, Monsters Unleashed) am Zeichenbrett.

Doch jetzt erstmal ein paar Worte zur Geschichte. Seit sich der erste Kick-Ass Dave Lizewski aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hat, läuft es für Mindy nicht besonders gut. Stets auf der Suche nach einem geeigneten Sidekick, erweisen sich alle Bewerber als zu weich oder völlig ungeeignet. Immer noch im Geist mit ihrem verstorbenen Vater kommunizierend, rät dieser ihr, besser ein richtiges Badass zu kontaktieren. Da kommt ihr die Inhaftierung des für das kolumbianische Kartell arbeitenden Profikillers Fabio „Mano“ Mendoza gerade recht. Sie entführt ihn kurzerhand, setzt ihn auf ihre bekannt charmante Art unter Druck und metzelt sich an seiner Seite durch die kolumbianische Unterwelt. Doch offensichtlich steckt hinter ihrem Handeln ein weitaus größeres Motiv, als es auf den ersten Blick zu scheinen vermag…

Konnte mich der erst vor wenigen Wochen veröffentlichte Kick-Ass: Frauenpower noch ohne Einschränkung überzeugen, fällt es mir hier bei Hit-Girl in Kolumbien etwas schwerer. Schmerzlich vermisse ich den prägnanten Zeichenstil John Romitas, der für mich mit der Reihe Hand in Hand ging. Ricardo Lopez Ortiz hingegen hat einen Stil, der mich massiv an Mangas erinnert, den ich jedoch hier nur schwer mit der Reihe vereinen kann. Seine Bilder sind unglaublich detailverliebt und sehr dynamisch, liefern jedoch nicht dass klassische Hit-Girl-Flair. Doch damit könnte ich noch leben. Gravierender fand ich, dass es Millar nicht gelingt, Sympathie für seine Figuren zu erwecken. Die Charaktere jagen durch eine sehr geradlinige und äußerst brutale Story, bei der die Gewalt sehr selbstzweckhaft wirkt und die inhaltlich keine Zwischentöne und Metaebenen bietet. Da ist man von ihm, und speziell in dieser Reihe, deutlich besseres gewohnt. Natürlich ist eine mittelmäßige Millar-Story immer noch interessanter und spannender als viele andere Veröffentlichungen, hier jedoch wollte der Funke irgendwie nicht überspringen. Eine zwölfjährige Rächerin, die an Verbrechern auf teilweise ziemlich derbe Weise ihr großes Waffensortiment testet und dies „Gerechtigkeit“ nennt, hat wenig mit dem pubertären, von Sorgen geplagten Teenager der ursprünglichen Reihe zu tun. Hier erleben wir lediglich eine nahezu unsterbliche Kampfmaschine mit lässigen Sprüchen, die sich aus wirklich jeder Situation retten kann und dabei einen verflucht hohen Bodycount präsentiert. Statt spitzem, teils derben Humor und einem hohen Empathiefaktor bekommen wir hier nur Zynismus und Gore.

Mit Hit-Girl in Kolumbien (116 Seiten, €14,99) veröffentlicht Panini Comics den Start der neuen Serie, deren zweiter Teil bereits in Vorbereitung ist. Hier vorliegend haben wir die ersten vier Hefte, die im Original zwischen Februar und Mai 2018 veröffentlicht wurden. Die Titelbilder wurden von Amy Reeder gestaltet, für die Übersetzung zeigt sich Bernd Kronsbein verantwortlich. Zusätzlich befinden sich in dem mir vorliegenden Softcover eine Einführung von Christian Endres, Kurzbiografien der Künstler, eine Galerie der Variant-Cover und Skizzen und Entwürfe einzelner Charaktere von Ricardo Lopez Ortiz.

Auch wenn Hit-Girl in Kolumbien nicht an die Qualitäten der Vorgänger heranreicht, haben wir hier eine temporeiche, actionlastige Story, die wirkt, als habe man den Punisher in den Körper einer Zwölfjährigen verpflanzt und lasse ihn nun Kolumbien aufmischen. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Reihe mit der nächsten, in Kanada spielenden Geschichte entwickeln wird!

Christian Funke