Hjorth & Rosenfeldt - Der Mann, der kein Mörder war  (Rowohlt Polaris)

Hjorth & Rosenfeldt – Der Mann, der kein Mörder war (Rowohlt Polaris)

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt legen mit ihrem Roman Der Mann, der kein Mörder war (Rowohlt Polaris, 592 Seiten, broschiertes, flexibles Softcover) einen wahren Brocken von einem deutschen Thriller – Debüt vor.
Dabei sind die Beiden in Schweden längst keine Unbekannten mehr. Michael Hjorth, Jahrgang 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor (unter anderem bei einigen der ZDF – Mankell-Verfilmungen), Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist ein in Schweden sehr populärer Radio- und Fernsehmoderator und Drehbuchautor (unter Anderem für die ZDF-Koproduktionen, wie aktuell zum Beispiel der Thriller „Die Brücke“). Dieses Vorwissen merkt man ihrem Roman auch deutlich an, ist es doch von der ersten Seite an straff konzipiert, flüssig erzählt und bietet immer wieder Wendungen im Verlauf der düsteren Geschichte, um für Überraschungen zu sorgen!

Die Geschichte spielt in Vasteras, in der Nähe Stockholms, wo der neue Schüler eines Elitegymnasiums, Roger Erikson, spurlos verschwunden zu sein scheint. Als Kinder beim Spielen im Wald die brutal ermordete Leiche eines Jungen mit herausgetrennten Herzen finden, ist schnell klar, dass es sich hier um Roger handelt.
Da dieser Fall zu groß für die örtliche Polizei ist, reist der erfahrene Stockholmer Kommissar Torkel Höglund mit seinem Team von der Kommission der Reichspolizei Stockholm an, trifft vor Ort aber für ihn überraschend auf den, seit dem Tod seiner Frau und seiner Tochter sehr zurückgezogen lebenden, genialen Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann, der ihm seine Hilfe anbietet. Das Team zeigt sich erst wenig begeistert, ist der soziale Ruf des Psychologen doch eher zweifelhaft, möchte aber schon kurze Zeit später auf seine hervorragende Unterstützung und die innovativen Ansätze kaum noch verzichten.
Schnell führt die Spur zu dem Gymnasium, hinter dessen Mauern mehr Geheimnisse zu liegen scheinen, als es zuerst den Eindruck hatte.

Es ist schon faszinierend, wie das Autoren – Duo einen eigentlich völlig unsympathischen Antihelden als Protagonisten ihrer Buchreihe auserkoren haben. Mürrisch, unsozial und sexsüchtig bietet dieser wenig Identifikationspunkte für den Leser, trotzdem geschieht es irgendwie schleichend, dass man als Leser immer mehr Verständnis, ja teils sogar Sympathien für den Psychologen entwickelt. Dies passierte mir das letzte Mal vor einigen Jahren bei den Büchern von Stieg Larsson und seiner Figur der Lisbeth Salander, wobei die Vergleiche mit dieser Trilogie sich dann aber auch schon erschöpfen.

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt präsentieren mit ihrem Roman Der Mann, der kein Mörder war einen überaus faszinierenden und spannenden Einstieg in eine als Serie konzipierte Geschichte um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman. Großartig geschrieben, psychologisch ausgefeilt und intelligent konzipiert ist der Roman ein echter Pageturner, den man nur extrem schwer aus der Hand legen kann. Die Story ist wendungsreich und komplex, anschaulich beschrieben und detailliert ausgeschmückt. Da das Ende einige offene Fäden und Interpretationsmöglichkeiten bietet, kann man nur hoffen, dass der nächste Roman der Reihe schnell und auf gleich hohem Niveau nachfolgt. Ich bin gespannt, ob und wann die Ankündigungen umgesetzt werden, den Autoren die Möglichkeit zu geben, ihren Roman als TV-Mehrteiler zu präsentieren… vorstellen kann ich es mir auf jeden Fall!
Freunde anspruchsvoller und fesselnder schwedischer Krimilektüre müssen bei diesem Roman einfach zugreifen, denn besser wurde man schon lange nicht mehr unterhalten!!!

Christian Funke-Smolka