Hjorth & Rosenfeldt - Die Frauen, die er kannte  (Rowohlt Polaris)

Hjorth & Rosenfeldt – Die Frauen, die er kannte (Rowohlt Polaris)

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt legen mit ihrer Fortsetzung Die Frauen, die er kannte (Rowohlt Polaris, 752 Seiten) einen weiteren fulminanten Beitrag zu ihrer Reihe um den sozial wenig angepassten Kriminalpsychologen Sebastian Bergman vor.

Ein Serienmörder treibt in Stockholm sein Unwesen. Mittlerweile das vierte weibliche Opfer wurde vergewaltigt und durch einen Kehlschnitt ermordet, auffallendes Merkmal: jedes der Mordopfer trug ein hellblaues Nachthemd! Die Umstände der einzelnen Morde weisen auf einen Täter hin: Edward Hinde!! Aber dieser sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt, wo er seit seiner Überführung durch den Psychologen Sebastian Bergmann inhaftiert ist.
Kommissar Höglund und sein Team müssen nun alles daran setzen, den aktiven Mörder, der anscheinend die Taten Hindes nachahmt, zu fassen, da er, ähnlich seinem kriminellen Vorbild, hochintelligent, manipulativ und überaus gerissen vorgeht, schlimmer jedoch ist, dass die Abstände zwischen den Morden kürzer zu werden scheinen.
Da der Druck auf die Ermittler immer größer wird, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Mann hinzuzuziehen, der damals auch Hinde zur Strecke brachte, nämlich den im Team ungern gesehen Bergmann. Doch dieser hat zusätzlich immer noch mit seinen privaten Problemen zu kämpfen, aber auch dieser Fall ist für ihn nicht einfach, kannte er doch eines der Opfer näher, als es hilfreich für eine neutrale Ermittlung wäre.

Michael Hjorth, Jahrgang 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor (unter anderem bei einigen der ZDF – Mankell-Verfilmungen), Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist ein in Schweden sehr populärer Radio- und Fernsehmoderator und Drehbuchautor (unter Anderem für die ZDF-Koproduktionen, wie aktuell zum Beispiel der Thriller „Die Brücke“). Dieses Vorwissen merkt man auch ihrem zweiten Roman deutlich an, ist es doch ebenfalls von der ersten Seite an straff konzipiert, flüssig erzählt und bietet immer wieder Wendungen im Verlauf der düsteren Geschichte, um für Überraschungen zu sorgen! An vielen Stellen des Buches gibt es dabei so plastische Beschreibungen, dass man die Bilder vor seinem geistigen Auge zu sehen meint. Es wird interessant sein, zu sehen, wie die Autoren dieses in der Roman-Verfilmung, basierend auf ihren Drehbüchern, umsetzen können, oder ob sie an der selbst gesetzten, sehr hohen literarischen Messlatte scheitern werden.

Es ist schon faszinierend, wie die Autoren einen eigentlich völlig unsympathischen Antihelden als Protagonisten ihrer Buchreihe auserkoren haben. Mürrisch, unsozial und sexsüchtig bietet dieser wenig Identifikationspunkte für den Leser, trotzdem geschieht es irgendwie schleichend, dass man als Leser immer mehr Verständnis, ja teils sogar Sympathien für den Psychologen entwickelt. Vielleicht liegt dies daran, dass er durch seine Ecken und Kanten, und dem Willen, sich zu bessern, nur um an seinen Vorsätzen auch wieder zu scheitern, dabei aber beruflich trotzdem hervorragende Arbeit leistet, so menschlich, so authentisch wirkt. Eine Figur, an der man sich reiben kann, die aber auch viele Punkte der Identifikation bietet.

Auch der zweite Roman des Autoren-Duos Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt ist aus literarischer Sicht ein echter Pageturner mit einer filmreifen Inszenierung geworden. Ihr Stil ist strukturiert, zielgerichtet und beschränkt sich auf das Nötigste, um eine Situation zu beschreiben, ohne dabei jedoch abrupt oder sparsam zu wirken. Hier sitzt einfach jedes Wort, jede Formulierung. Die Sätze sind effizient, und vermitteln dem Leser genau die Atmosphäre, die der entsprechenden Situation angemessen sind.
Dabei gelingt es Hjorth und Rosenfeldt, die Charaktere noch lebensnaher zu gestalten, ihre Beziehungen noch authentischer wirken zu

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt

Erneut treffen wir auf den Stockholmer Kommissar Torkel Höglund und sein Team, Personen, die man im ersten Roman Der Mann, der kein Mörder war (ebenfalls bei Rowohlt Polaris erschienen) kennengelernt hat, wirken einem nun wunderbar vertraut, man ist somit als Leser sofort Mitten in der Geschichte und in den einzelnen Beziehungsgeflechten. Persönliche Aspekte, wie zum Beispiel die Beschreibung der Geburtstagsfeier für Torkels Tochter, lassen einem die Ermittler des Buches beinahe wie Familienmitglieder vorkommen.
Trotzdem ist auch Die Frauen, die er kannte eine in sich abgeschlossene Geschichte, die auch ohne Vorkenntnis des Erstlings gelesen und genossen werden kann.
Mittlerweile steht fest, dass die beiden Romane für das ZDF verfilmt werden, wobei
Rolf Lassgård (Wallander, Beck) den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman verkörpern wird. Die Drehbücher wurden von den beiden Autoren verfasst, zum Teil waren sie auch an der Regie beteiligt, man darf also gespannt sein.

Genau wie bei dem Debüt der Autoren kann ich zu Die Frauen, die er kannte nur sagen: Respekt! Besser kann ein Thriller nicht sein…

Christian Funke-Smolka