Hjorth & Rosenfeldt - Die Toten, die niemand vermisst (Rowohlt Polaris)

Hjorth & Rosenfeldt – Die Toten, die niemand vermisst (Rowohlt Polaris)

Sebastian Bergman, Kriminalpsychologe.
Ganz nah am Abgrund.
Beruflich und privat.

978-3-499-26701-7.jpg.604122In den Bergen von Jämtland stürzt eine Wanderin ab. Sie überlebt. Jemand anderes hatte dafür weniger Glück: Aus der Erde vor ihr ragen die Knochen einer Hand. Die Polizei vor Ort birgt sechs Leichen, darunter die zweier Kinder. Alle per Kopfschuss getötet.
Stockholm wird um Verstärkung gebeten, und Kommissar Höglund reist mit großem Tross in die Provinz. Doch die Ermittlungen stehen unter keinem guten Stern. Den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman plagen private Probleme, Spannungen belasten das ganze Team. Und auch der Fall entpuppt sich als kompliziert. Die Identität der Toten gibt Rätsel auf, niemand vermisst sie.
Als Höglund und Bergman endlich auf eine brauchbare Spur stoßen, schaltet sich der schwedische Geheimdienst ein…

Meinung zum Buch:

Es gibt Autoren, denen es gelingt, ihre Figuren so authentisch zu gestalten und ihnen Leben einzuhauchen, dass die eigentliche Geschichte beinahe zur Nebensache verkommt. Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt haben in ihren beiden Vorgängerromanen bewiesen, dass sie dieses Talent ebenfalls besitzen, indem es ihnen gelang, eine eigentlich durchweg unsympathische und schwierige Figur wie ihren Kriminalpsychologen Sebastian Bergman zu einer charismatischen Hauptperson ihrer Thriller-Reihe zu machen. Auch wenn der Psychologe in Die Toten, die niemand vermisst an den aktuellen Ermittlungen nur am Rande beteiligt scheint, gelingt es den Autoren, ihm durch den Blick auf seine persönlichen Belange noch mehr Profil zu geben und seinen Charakter mehrschichtiger zu gestalten. Dazu jedoch müssen die Autoren auf zwei Handlungsebenen hin- und herspringen, denn auf der anderen Seite haben wir das bekannte und überaus charmante Team um Torkel Höglund, welches zudem noch Zuwachs bekommen hat, die sich um den eingangs erwähnten Fall und seine damit verbundenen Ermittlungen kümmern, während Bergman sich um das Verhältnis zu seiner Tochter Vanja bemüht, seine Verletzungen auskuriert und sich auch mal von einer eher menschlichen Seite, welche jedoch für den Leser eher ungewöhnlich erscheint, zeigen darf.

Die Toten, die niemand vermisst gestaltet sich für den Leser als eine Geschichte, die von den Autoren mit viel Liebe zum Detail und einem deutlich komplexeren Handlungsaufbau konzipiert wurde. Das mag auf der einen Seite etwas das Erzähltempo nehmen, liefert auf der anderen Seite jedoch dafür einen tieferen und mehr auf seine Figuren bezogenen Blickwinkel.

Michael Hjorth, Jahrgang 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor (unter anderem bei einigen der ZDF – Mankell-Verfilmungen), Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist ein in Schweden sehr populärer Radio- und Fernsehmoderator und Drehbuchautor (unter Anderem für die ZDF-Koproduktionen, wie aktuell zum Beispiel der Thriller „Die Brücke“). Dieses Vorwissen merkt man auch ihrem hier vorliegenden, mittlerweile dritten Roman der Reihe deutlich an, ist die Handlung von der ersten Seite an straff konzipiert, flüssig erzählt und bietet immer wieder Wendungen im Verlauf der düsteren Geschichte, um für den Leser für Überraschungen zu sorgen!

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt

Die Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt beweisen auch mit Die Toten, die niemand vermisst, dass sie völlig berechtigt zu den Besten der aktuellen Thriller-Autoren zu zählen sind. Auch wenn ihr aktueller Roman sich etwas anders gestaltet als die grandiosen Vorgänger, wird dem Leser hier erneut packende Unterhaltung geboten, die einem die Protagonisten noch näher bringen, der Handlung dadurch mehr Tiefe verpassen und mit ihrem furiosen Ende für ein wirklich faszinierendes Romanende sorgen, welches die Spannung auf den Nachfolger umso höher schraubt. Fans der Reihe sollten auf jeden Fall zugreifen, Neueinsteiger sollten sich jedoch die ersten beiden Romane zulegen, um die internen Zusammenhänge besser zu durchschauen.

Christian Funke-Smolka